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Wednesday, 5 December 2018

MMT and the External Sector

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Ramanan expands his assessment of the export issue to cover broader problems in the MMT-conception of the external sector:


Hi Georg,

Basically, there's Post-Keynesianism and there's MMT. MMT is part of Post-Keynesian theory. 

To be more precise: what's correct in MMT is not original and what's original is not correct. 

But still, it is very useful, as it provides non-economists to become immediately interested in economics and they can start learning. 

Some work of MMTers like Scott Fullwiler is useful in central bankey stuff. 

MMTers are right side of the political economy generallly, not always. 

MMT is million times better than mainstream. 

But MMTers fail to understand the importance of the external sector. 

Free trade puts a large constraint on nations and "exports are cost" is wrong. Rich nations impose free trade on poor nations while they themselves had protection in their early stages of development. 

A poor nation if it expands demand, its imports will zoom and might soon be faced with balance of payments crisis, fixed or floating. 

So the solution is a reform of the world order, WTO, IMF etc so that surplus nations can't run surpluses beyond a point. 

Etc. 

Ramanan


My reply:


Hi Ramanan,

Thank you for your enlightening synopsis. I can entirely relate to it. Other than criticising the Mosler-export-doctrine, I had not yet come to appreciate wider problems with MMT's treatment of the external sector. Thank you for this pointer. I shall also consult Godley on this issue, which I have become aware of very recently thanks to your posting.

Best regards,

Georg

Tuesday, 21 August 2018

(4) Free Trade? — The Three Globalisations — The Neoliberal Era


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Thomas Palley discerns three globalisations, the Victorian (1870-1914), the Keynesian (1945-1990), and the Neoliberal (1990 until today). Ooops, wrong language.

Thomas Palley unterscheidet drei Zeitalter der Globalisierung, das viktorianische (1870-1914), das keynesianische (1945-1990), und das neoliberale (1990 bis heute).

Die viktorianische Phase der Globalisierung hat eine weltweite Arbeitsteilung zwischen landwirtschaftlicher und industrieller Produktion auf Basis des absoluten Vorteils der betreffenden Länder und Regionen durchgesetzt. Unterm Strich hat der Westen davon am stärksten profitiert, einschließlich der arbeitenden Bevölkerung dort. Die agrarisch orientierten Länder haben auf lange Sicht geringere wirtschaftliche Vorteil erzielen können und insbesondere den Sprung ins industrielle Zeitalter verpasst. Die große Ausnahme: die protektionistischen USA.

Die keynesianische Phase der Globalisierung erlebte eine intensivierte Ausdehnung und gegenseitige Durchdringung der Märkte für industrielle Erzeugnisse und verstärkten Wettbewerb – Faktoren, die dazu führten, dass kräftige Kostenreduktionen darstellbar wurden und/oder eine größere Angebotsvielfalt.

Die Unternehmen sind produktiver und profitabler, die Arbeitnehmer haben Teil an Produktivitäts- und Gewinnzuwachs, ihre höheren Einkommen begünstigen eine hohe und wachsende Nachfrage, von der die Unternehmen wiederum profitieren und so weiter.

Die neoliberale Phase der Globalisierung

Palley spricht hier auch von der "Frachtkahn- oder Bargen-Globalisierung" (barge economics).  Das Bestreben ist, die industrielle Produktion einschließlich zentraler Funktionen wie der Finanzierung in eine transportable Plattform zu verwandeln, die als Ganzes oder in Teilen dorthin verschoben wird, wo absolute Kostenvorteile locken. Zum Beispiel aufgrund einer unterbewerteten Währung, geringer Steuern, Subventionen, fehlender aufsichtsrechtlicher Beschränkungen oder billiger und politisch schlecht organisierter Arbeitskräfte.

Der Antriebsmotor der neoliberalen Globalisierung ist der Wunsch, die Organisationsstruktur der Industrieunternehmen umzubauen, sodass sich höhere Gewinn erwirtschaften lassen und der Arbeitgeberseite ein höherer Anteil des Profits verbleibt. Die keynesianische Haltung, die sich der Einsicht verdankt, dass eine Kopplung der Löhne an den Produktivitätsfortschritt die Nachfrage und letztlich auch die Unternehmensgewinne wachsen lässt, wird  aufgegeben. 

Handel ist sehr wohl involviert, denn Waren müssen auch in diesem Modell natürlich Grenzen überschreiten. Doch tun sie das nicht nach dem Ricardoschen Schema des komparativen Vorteils bei immobiler Produktion. Vielmehr geht es um die weltweite Verschiebung und Auslagerung (der Komponenten) des Produktionskomplexes zwecks Ausnutzung absoluter Kostenvorteile.

Die klassische Handelstheorie stellt eine Situation dar, in der Unternehmen, die heimische Produktion auszuweiten suchen, indem sie sich auch in Exportmärkte begeben. Bei der Bargen-Globalisierung erfolgt das Gegenteil. Produktion wird im heimischen Markt zurückgefahren zugunsten ausländischer Standorte, von wo die Produktion in den Heimatmarkt zurück exportiert wird.

Die herkömmliche Handelstheorie geht davon aus, dass Handel stattfindet, um gegenseitige Vorteile zwischen den am Handel beteiligten Parteien zu realisieren. Es entspricht der Logik der Bargen-Globalisierung den Vorteil einer Seite (Kapital) im Verteilungskampf um den Unternehmensgewinn mit dem anderen Faktor (Arbeit) zu vergrößern. Während das Kapital gewinnt und die Arbeit verliert, ist auch nicht auszuschließen, dass kein Netto-Gewinn übrig bleibt, der sich immerhin theoretisch pareto-optimal umverteilen ließe, sondern unterm Strich die Nachteile für die Gesellschaft die Vorteile für das Kapital übersteigen.

Bargen-Globalisierung bedeutet, dass industrialisierte Länder deindustrialisieren. Sie bedeutet nicht, wie es die herkömmliche Handelstheorie darstellt, dass der Handel die Produktion weltweit insgesamt erhöht, sodass alle Beteiligten davon profitieren. Vielmehr führt die Bargen-Globalisierung zu einem Wettrennen um das niedrigste Niveau (an Kosten und Fachtoreinkommen). Das empfindliche Gleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit kippt zugunsten den Gewinnern dieser Form der Globalisierung. der Einfluss des Kapitals auf die Politik steigt, der der Arbeitnehmerseite geht zurück. Die organisierte Arbeit in den deindustrialisierenden Ländern wird geschwächt.

Palley ist der Meinung, dass die internationale Handelsordnung dieser Ära weniger auf niedrigere Zölle als auf Bedingungen setzt, die es Firmen leichter machen, eine profitable internationale Präsenz aufzubauen.

Phantom-Handel wird möglich, bei dem eine Verlagerung der Produktion ins Ausland nur angedroht wird, um günstigere Konditionen am heimischen Markt zu erzwingen.

Bargen-Globalisierung ist ein Haupttreiber für Haushaltsdefizite (die gerne anderen Ursachen zugeschrieben werden), denn mit der Verlagerung der Exportindustrie ins Ausland wir das Heimatland stärker abhängig von Importen.

Keine der drei Globalisierungsphasen entsprach dem Ricardoschen Handelstheorie vom komparativen Vorteil. Die ersten beiden haben genuine, also beidseitig wirksame Handelsvorteile erbracht — die viktorianische durch die Arbitrage absoluter Vorteile bei der industriellen Fertigung und absoluter klimatischer Vorteile in der landwirtschaftlichen Produktion, die keynesianische durch sich weltweit auswirkende kostendrückende Skalenerträge und ein erweitertes Produktangebot auf niedriger Kostenbasis. Die neoliberale Phase der Globalisierung hat dem Kapital einseitig Vorteile verschafft, die jedoch nicht ausreichend sein mögen, um die Nachteile der Verlierer aufzuwiegen. Ohnehin sind Zeitgeist und die politischen Machtverhältnis nicht dazu angetan, ein Gleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit ernsthaft anzustreben.

Zu ergründen, wie sich diese Fehlentwicklung hätte verhindern lassen, vielleicht durch ein international koordiniertes Nachfragemanagement, muss künftigen Posts vorbehalten bleiben.

Thursday, 9 August 2018

(3) Free Trade? The Three Globalisations - The Keynesian Era

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Fortgesetzt von hier / For an English version click here.

Mit der keynesianische Ära (1945 bis 1990) ändert sich die Zusammensetzung der Handelsflüsse: landwirtschaftliche Erzeugnisse, die in der viktorianischen Globalisierungsphase dominierten, bleiben ein wichtiger Bestandteil, aber nun tritt der Handel mit industriellen Produkten verstärkt hinzu, vor allem zwischen den industrialisierten Volkswirtschaften in Westeuropa, Nordamerika und Japan. Später folgten die Spätindustrialisierer Taiwan, Südkorea, Hong Kong und Singapur.

Der Anteil industrieller Produkte am weltweiten BIP betrug 1955 etwa 55 %. Im Jahr 1990 betrug er 70 %.  Der Tausch industrieller Waren zwischen den industrialisierten Ländern intensivierte sich. 

Den Schlüssel zur Logik der keynesianischen Globalisierungsphase liefert die globale Öffnung der Märkte. Damit entstehen zum Teil sehr viel größere Märkte als es sie je zuvor gegeben hat. Industrieunternehmen gibt dies Gelegenheit, sich Skaleneffekte zunutze zu machen, Preise zu senken und den Kundennutzen durch ein variantenreicheres Produktangebot zu erhöhen. 

Für jeden gegebenen Umfang an verschiedenen Waren ist das Preisniveau umso niedriger je größer der Markt. Unternehmen können nun den zahlenden Kunden nicht nur mit niedrigeren Preisen, sondern auch mit einer größeren Auswahl an preiswerten Waren ansprechen.

Die Unternehmen werden größer, wodurch sie imstande sind, Skalenerträge zu erwirtschaften und infolgedessen, die Preise zu senken. Sie können sich eine größere Produktvielfalt wirtschaftlich realisieren und so weitere Kaufkraft bei ihren Kunden mobilisieren.

Mit der höheren Variantenvielfalt steigt zunächst auch die Anzahl der Anbieter pro Land; in England sind nun nicht nur englische, sondern auch deutsche, amerikanische, französische Modell erhältlich. Dieser Wettbewerb kann dann dazu führen, dass die Anzahl der Anbieter zurückgeht, während zugleich, die verbliebenen Produzenten an Größe zunehmen. Die Welt und einzelne Länder kommen trotz der rückläufigen absoluten Zahl an Anbietern in den Genuss einer größeren Variantenvielfalt aufgrund importierter Waren, die von größeren Unternehmen, auch in dieser Vielfalt, wirtschaftlicher bereitgestellt werden können, als von einer größeren Anzahl kleinerer Unternehmen.

Je nachdem, was die Verbraucher bevorzugen - Vielfalt oder niedrige Preise - werden die Größenvorteile des betreffenden Marktes genutzt, um eher größere Vielfalt oder niedrigere Preise zu erzielen. Die Vorteile, die der Verbraucher aus dem Welthandel zieht, fallen noch großzügiger aus, wenn der Wettbewerb die Unternehmen dazu zwingt, ihre Margen herabzusetzen oder das Produktivitätsniveau anzuheben.

Öffnung der Märkte für den internationalen Handel ➤ verstärkter Welthandel ➤ größere Märkte ➤ verbesserte Skaleneffekte ➤ niedrigere Preise ➤ größere Auswahl ➤ verschärfter Wettbewerb ➤ höhere Produktivität  ➤ verschärfter Wettbewerb ➤ geringere Margenaufschläge

Die Unternehmen sind produktiver und profitabler, die Arbeitnehmer haben Teil an Produktivitäts- und Gewinnzuwachs, ihre höheren Einkommen begünstigen eine hohe und wachsende Nachfrage, von der die Unternehmen wiederum profitieren und so weiter.

Tuesday, 7 August 2018

(2) Free Trade? The Three Globalisations - The Victorian Era

 
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Fortgesetzt von hier. For an English version click here.
The Victorian first globalization and Keynesian era second globalization were driven by gains from trade, and those gains increased industrialized country real wages. The neoliberal third globalization has been driven by industrial reorganization motivated by distributional conflict [Capital seeking to increase its share of profits vis-à-vis Labour]. Trade theory does not explain the third globalization; capital’s share has increased at the expense of labor’s; and there can be no presumption of mutually beneficial gains from the third globalization.
Quelle.


Thomas Palleys Hypothese von den drei Globalisierungsepochen - die viktorianische: 1870-1914, die keynesianische: 1945-1990 und die neoliberale: 1990 bis heute - besagt, dass keine dieser Phasen sich mit Ricardos Theorie vom komparativen Vorteil erklären lässt. 

In den ersten beiden Phasen hat der Außenhandel Kapital und Arbeit Vorteile erbracht und insbesondere höhere Löhne in den industrialisierten Ländern ermöglicht, die wiederum die Unternehmensgewinne steigen ließen. 

Doch die dritte Phase kommt einem strategischen Sieg des Kapitals in den führenden Ländern des Westens über die lohnabhängige Bevölkerung gleich. 

Motive und Effekte dieser Globalisierungsphase haben nichts mit den Versprechen des Freihandels zu tun, sondern beruhen darauf, dass das Kapital die Produktion weltweit dorthin verschiebt, wo Löhne und andere Kosten am niedrigsten sind. Dieses internationale, Kosten minimierende Auslagern entspricht genau dem Verhalten, das in Ricardos Freihandelstheorie per definitionem ausgeschlossen ist. Denn in Ricardos Welt gilt: Das Kapital eines Landes oder dessen Produktionsfaktoren (wie Kapitalgüter und qualifizierte Arbeitskräfte) sind NICHT international mobil und verbleiben stets im Land, wo sie unfehlbar und vollständig in jene Wirtschaftssektoren umgelenkt werden, in denen die komparativen Vorteile bestehen. Siehe hierzu auch Free Trade (14) — (II) Inapplicability of Ricardo's Free Trade Argument.

Die erste Globalisierungsphase (1870-1914) - die viktorianische Epoche

Die Zusammensetzung der Handelsströme ist in jeder Globalisierungsepoche eine andere. In der viktorianischen Phase machen landwirtschaftliche Erzeugnisse (in Höhe von 57% des Welt-BIP per 1900) noch den dominierenden Anteil aus. Das vorherrschende Handelsmuster wird geprägt durch den  Tausch von landwirtschaftlichen Gütern der Schwellenländer, insbesondere solcher aus gemäßigten Klimazonen (USA, Kanada, Argentinien, Region Australasien) gegen industrielle Erzeugnisse aus Europa.

Treibende Kraft des Welthandels war das Ausnutzen komplementärer absoluter (nicht relativer) Vorteile der Handelspartner. Europa produziert 5 Einheiten an industriell hergestellten Erzeugnissen pro Einheit Arbeit, die Handelspartner in den Schwellenländern produzieren im Vergleich dazu 2 Einheiten. Im landwirtschaftlichen Bereich liegt der absolute Vorteil bei den damaligen Entwicklungsländern, die 6 Einheiten landwirtschaftlicher Erzeugnisse pro Einheit Arbeit produzieren, gegenüber nur 1 Einheit in den Ländern Westeuropas.

Von großer Bedeutung waren technologische Durchbrüche, die die Transportkosten stark senkten und Errungenschaft der Kältetechnik, die den weltweiten Transport verderblicher landwirtschaftlicher Produkte im großen Maßstab möglich machten. 

Die Schwellenländer, besonders aus den gemäßigten Klimazonen, profitierten von der steigenden Nachfrage nach ihren Waren.  Dies gestattete ihnen die Einfuhr von Industrieprodukten, die wiederum der landwirtschaftlichen Produktion zu höherer Produktivität verhalfen. Der Aufschwung zog auch Wellen von Einwanderern an. Langfristig aber trat das Problem auf, dass diese auf die Landwirtschaft setzenden Ländern immer weiter zurückblieben hinter der dynamischen Wirtschaftsentwicklung ihrer industrialisierten Tauschpartner. Nur den Vereinigten Staaten gelang es, den Aufschwung ihrer Landwirtschaft mit einer Erfolgsstory bei der Industrialisierung zu verbinden. Doch dazu bedienten sie sich erheblicher Handelsbeschränkungen, hoher Zölle, mit denen fremde industrielle Erzeugnisse von Land ferngehalten wurde, sodass in den USA eine eigene Industrieproduktion entstehen konnte.

Das westliche Europa zog großen Vorteil aus der viktorianischen Phase der Globalisierung: Günstigere landwirtschaftliche Importe bedeuteten, dass die Lebensmittelpreise sanken. Die steigende Nachfrage nach Industriewaren führte dazu, dass Arbeiter stärker gefragt waren und somit deren Löhne stiegen. Für den Arbeiter zahlte sich das doppelt aus: die Lebenshaltungskosten gingen zurück, während zugleich sein Einkommen zunahm.

Die Verlierer gehörten dem Agrarsektor an: Landbesitzer, die unter sinkenden Gewinnen litten und landwirtschaftliche Arbeitskräfte, deren Löhne entsprechend sanken. Der Widerstand gegen den Welthandel war in den Ländern besonders groß, in denen der Agrarsektor Gewicht besaß -  gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch.

Der internationale Handel schuf viele Gewinner; der Vorteil war nicht auf das Kapital allein beschränkt. Verlierer waren jene, die Ländern und Industrien angehörten, die im Kampf um den absoluten Vorteil den Kürzeren zogen. Und langfristig auch jene, die in Ländern lebten, die es nicht schafften, eigene Industrien neben dem oder statt des Agrarsektors aufzubauen. Denn eine dynamische Wirtschaftsentwicklung geht immer vom Industriesektor, nicht von der Landwirtschaft aus.

Hieran sehen wir schon, dass Handel große Vorteil haben kann, auch solche, die beiden Handelsparteien zugutekommen. Gleichzeitig kann der Handel aber auch mit Nachteilen verbunden sein. Vor allem muss die bloße Tatsache, dass Handel stattfindet, nicht damit gleichbedeutend sein, dass es deswegen allen besser gehen muss.

Die Beschränkung des Handels kann durchaus Voraussetzung für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung sein, wie das Beispiel der Vereinigten Staaten lehrt.

Fortgesetzt hier.

 

Thursday, 2 August 2018

(1) Free Trade? The Three Globalisations

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For an English version simply go to this article by Thomas Palley: Three Globalizations, Not Two: Rethinking the History and Economics of Trade and Globalization

Es ist der politischen Klasse und ihren Klienten - in diesem Fall vor allem Partikularinteressen aus der Wirtschaft - gelungen die sozialdemokratische Denkweise des Nachkriegszeit durch ein von neoliberalen Begriffen beherrschtes Gespinst an populären Gedanken zu ersetzen. Im Zuge dessen kommt auch dem Freihandel Bedeutung zu. Der Topos des Freihandels suggeriert die harmonische und unterm Strich stets zuträgliche Entwicklung der Weltwirtschaft. Dabei gibt es so etwas wie Freihandel nicht. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Freihandel beruht auf Ricardos Modell des komparativen Vorteils, dessen Bedingungen jedoch in der Wirklichkeit nicht erfüllt sind. Wir haben hier wieder den Fall, dass populäre Auffassungen sich auf Theorien berufen, die reputierlich aber falsch sind, nur dass niemand die Glocke (Theorie) untersucht, dessen Ton (Behauptungen) man vernimmt.


Mit seiner Theorie der drei Globalisierungsphasen will Thomas Palley aufzeigen, dass der Welthandel anderen Motiven und Triebkräften gefolgt ist, als dem von Ricardo idealisierten Gesichtspunkt gegenseitiger Besserstellung durch Tausch, der die Partner dazu bringt, sich auf ihre komparativen Vorteile zu spezialisieren und so für Wohlstand durch gegenseitige Effizienzgewinne zu schaffen.

In der gegenwärtigen, dritten Phase der Globalisierung findet zwar Handel statt, aber nicht mit Ricardoscher Wirkung. Vielmehr dient der Handel der Umwälzung der weltweiten Produktionsstruktur. Sie ist eine Strategie in einem Verteilungskampf, in dem das  Kapital auf Ansprüche des Faktors Arbeit an Teil des Profits reagiert, um zugleich den Gewinn und den eigenen Anteil an diesem zu maximieren. Die Vorteile sind nicht mehr symmetrisch wie in Ricardos Welt des komparativen Vorteils, sondern ausgesprochen asymmetrisch verteilt. Sie bringt nicht nur Gewinner hervor, wie es uns das ideologische Motiv des Freihandels zusummt, sondern teilt die Partizipanten unerbittlich in Gewinner (wirtschaftlich dynamische Entwicklungsländer (SES) mit enormen Investitionszufluss aus den entwickelten Ländern (EL) und das Kapital in den EL) und Verlierer (Beschäftigte in den EL) auf.

Im Gegensatz zu dem, was man uns mit der Theorie des Freihandels, deren Unzeitgemäßheit uns verschwiegenen wird, Glauben machen will, ist es in der realen Welt der Globalisierung in ihrer dritten Phase durchaus möglich, dass nicht nur einzelne Länder, sondern die Welt insgesamt durch das, was als "Freihandel" bezeichnet wird, per saldo Nachteile in Kauf nehmen müssen.

Oder wie Thomas Palley schreibt:
The goal has been to redistribute income from labor to capital, and to enable business to escape the social and economic constraints that were imposed after the Great Depression and the failure of Victorian capitalism.

Thursday, 3 November 2016

Minsky Revisited

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Nick Johnson at The Political Economy of Development offers an excellent synopsis of the work of Hyman Minsky (Why Minsky Matters ...), to which I have added the following comment: 

Thanks for this excellent synopsis. 

I find Thomas Palley’s discussion of Minsky well worth reading, being at the same time appreciative of Minsky and a worthwhile extension of the latter’s work:


Also, I’m grappling with my thesis according to which Minsky’s instability thesis may have an analogue in the political cosmos.

Predicated on my (debatable) observation that political engagement and with it the challenging of the political establishment by oppositional forces is at an all time low (perhaps a uniquely German experience), I am inclined to surmise that political stability (which we certainly had for a very long time in post-war Germany) has created such a confidence in political management that people (still largely doing well and happy not to have to sacrifice free time to politics) increasingly lose their appetite for political resistance, thus encouraging and tolerating ever greater freedoms for the political caste, which is likely to lead to political excesses and ultimately to political instability.

The lack of oppositional oversight in Germany is frightening, there is none inside the country, and many momentous political decisions are taken care of in the anonymous corridors of EU institutions, which provide a strong leverage to the advantage of capital (“concentrated benefits, dispersed costs”) over labour in contemporary politics.
In a German post, I offer this discussion of Minsky and mehr.

Wednesday, 5 October 2016

Has the Welfare State Destroyed the Working Class?

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Nick Johnson runs a blog — The Political Economy of Development — that I am rather fond of: he is open-minded and covers with acumen a wide range of essential topics in economics.

I have recently commented on a blog entry by Nick on Thomas Palley as follows:

Excellent summary of Palley’s position.

Palley is absolutely worth reading. His three books are remarkably lucid and coherent, providing a comprehensive analysis of all big sectors of the economy: “Plenty of Nothing”, “From Financial Crisis to Stagnation”, and “Financialization”. They represent an excellent applied introduction to economics. 

Also the author offers tons of heavy duty economics available as pdfs on the internet or in his rather advanced, technical, and difficult textbook “Post-Keynesian Economics”. His work is indispensable for a discussion among the open-minded.

Assuming Palley is right in his economic argument, the return to an political and social order of shared prosperity is severely vitiated by the difficulty of organising labour into an effective social force, having atomised itself by successful demands for a social welfare state.

Today, it is far easier for capital than for labour to organise itself effectively. I follow and extend Palley in claiming that there is a natural tension between capital and labour (which no social system can remove); and this tension is best managed if both sides are fairly strong and balanced contenders; society will be disrupted if the tense balance between capital and labour is upset in favour of one or the other “opponent”; since the mid-1970s we have a pronounced imbalance in favour of capital.

Thursday, 4 August 2016

Eine andere Sicht der Wirtschaft (6) — Schöpferische Zerstörung: einverstanden, aber Holzauge sei wachsam!



 
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Es ist ein Irrtum, sich die Wirtschaft als ein Geschehen vorzustellen, das frei ist von politischen Einflüssen. Wirtschaft kann nur stattfinden, indem wir Politik betreiben. Der Ursprung des wirtschaftlichen Handelns, seine Anfangsbedingungen werden durch politische Entscheidungen bestimmt. Ihre Abläufe sind durchzogen von Einwirkungen, die aus der politischen Sphäre stammen. Und das wirtschaftliche Agieren zeitigt Resultate, die uns zu politischen Reaktionen herausfordern. Wer unterstellt, dass es ich bei der Wirtschaft um einen freistehenden Mechanismus handele, eine Grundannahme der vorherrschenden volkswirtschaftlichen Modelle, sitzt einem Mythos auf.

An anderer Stelle habe ich Politik definiert als diejenigen Bemühungen der Menschen, auf einander Einfluss auszuüben, die das Ziel haben festzulegen, was in einer Gemeinschaft Gültigkeit beanspruchen darf – ideell und im praktischen Tun. Darf ich auf meinem Grundstück tun und lassen, was mir in den Sinn kommt, oder gibt es Rücksichtnahmen, zu denen ich von der Gemeinschaft angehalten werde, Wer bestimmt die Grenzen meiner Freiheit? Worin bestehen sie? Das Wirtschaften im Kleinen, das Geschäftsgebaren eines Einzelnen ist in diesem Sinne politisch bestimmt, nicht weniger als die vielfachen Rahmenbedingungen, die sich auf ein großes Unternehmen oder eine Volkswirtschaft auswirken.

Der zutiefst politische Charakter des Wirtschaftens und der dabei entstehenden sozialen Gebilde (Firmen, Märkte, Gesetze, Regeln etc.) folgt schon daraus, dass wir recht unterschiedliche Ideen bei dem Versuch entwickeln, zu verstehen, was vor sich geht: was Wirtschaft ist, wie sie funktioniert, was sie leistet, was in ihr zulässig ist, und was nicht.

Solange der Intelligenz der Menschen keine künstlichen Grenzen auferlegt werden und die natürliche Vielfalt der Lebenslagen und persönlichen Standpunkte zur freien Entfaltung kommen darf, wird wirtschaftliche Aktivität Gegenstand politischer Rivalität sein.

Und nicht nur im Sinne geläufiger ideologischer und parteipolitischer Unterschiede — wiewohl diese wichtige Bestimmungsgrößen der wirtschaftlichen Entwicklung sind. Ob zweifelhaft oder nicht, sie geben Halt und Orientierung für Millionen, die sich überfordert fühlen, die komplizierten Zusammenhänge einer Volkswirtschaft ohne sachkundige Hilfe vertrauenswürdiger Quellen einzuordnen.

Der in mancherlei Weise folgenschwerste Ausdruck politischen Strebens um Geltung und Dominanz in einer Gesellschaft schlägt sich in den vorherrschenden ökonomischen Idealen und den daraus abgeleiteten wirtschaftspolitischen Maßnahmen nieder.

Thomas Palley argumentiert, dass wir vom Weg abgekommen sind, der Wohlstand für alle bedeutete, weil sich ein Paket an ökonomischen Idealen durchsetzen konnte, das die Bedürfnisse des Kapitals einseitig bevorzugt. Es stellt die Wirtschaft als einen natürlichen Prozess dar, in dem kein Platz ist für soziale Gegensätze und die Notwendigkeit, den Konflikt widerstreitender Interessen auszutragen. 

Diese Ideologie des ökonomischen Naturalismus (siehemehr dazu hier) übersieht: Der Prozess des Streitens und Versöhnens ist Teil der wirtschaftlichen Realität. Es gibt keine Harmonie, die zu erzielen wäre, indem man die Mechanismen der Wirtschaft sich selbst überlässt. Immer wieder werden sich die Interessen der unterschiedlichen Parteien gegeneinander verschieben, immer wieder wird man versuchen müssen, sie in die Nähe eines Einklangs zu rücken. Es trifft nicht zu, dass die Selbstorganisation der wirtschaftlichen Ordnung auf ein Optimum hintendiert, das entweder für alle das Beste erreicht (die Suggestiv-Botschaft der Pareto-Optimalität) oder immerhin nicht verbessert werden könne, auch wenn das Ergebnis vielleicht in dieser oder jener Hinsicht etwas zu wünschen übrig lässt.

Als Freiheitsforscher will ich ganz besonders betonen, dass die Freiheit und ihr Wirtschaftssystem des Kapitalismus eine ausgeprägte agonale, sich im Kampf erfüllende  Dimension kennzeichnet. Das große Verdienst der Freiheit ist es, die Gewaltsamkeit und Zerstörungskraft der menschlichen Zwiste zu begrenzen, doch nicht, um natürliche Rivalität zu unterdrücken. Im Gegenteil - das Friedens- und Wohlstands-Rezept der Freiheit beruht darauf, dass unter ihrer Schirmherrschaft Konflikte gewaltentschärft und an Fairness gebunden Zulassung finden, ins Offene hinaus treten dürfen und deshalb gründlich ausgelotet werden können.

Die moderne Ökonomie spricht unentwegt von Kapital und Arbeit, doch als physische, unpersönliche Größen, die keinen sozialen Raum einnehmen, losgelöst sind von unterschiedlichen Erfahrungen und Interessen. 

In Wirklichkeit ist das Kapital unentwegt dabei, die Gesellschaft zu erneuern, womit es die Beziehungen der Menschen, deren Perspektiven, Bedürfnisse und Zwänge verändert. Unter dem unerbittlichen Druck, sich durch Gewinne ihr Lebensrecht zu erhalten, verändern Unternehmen die Waren und Dienstleistungen der Wirtschaft und die Bedingungen, unter denen sie bereitgestellt werden können. So entstehen technischer Wandel und Wirtschaftswachstum. So kommt es zu verbesserter Produktivität und effizienteren Strukturen in der Wirtschaft. Durch kreative Zerstörung. 

In einem Fort spielen sich Dramen der Zerstörung und der Erneuerung ab, die tief in das Leben der Menschen eingreifen. Das sind nicht die Etappen, die Zwischenakte einer prästabilisierten Ordnung. So wenig wie der Unternehmer weiß, zu welchen Reaktionen er sich morgen herausgefordert sehen wird, damit seine Firma überlebt, so wenig gibt es für die Arbeitnehmer Sicherheit ein für alle Mal. Beide Seiten müssen sich bewegen, verändern, in einer Weise, die immer neuer Überlegungen und Strategien bedarf. Was ein hinnehmbares Morgen betrifft, so geschieht da nichts automatisch. Man muss sehen, wo man bleibt. Man muss seine Interessen vertreten, unter Bedingungen, die sich immerzu wandeln. Wie der Kuchen nach der neusten Runde schöpferischer Zerstörung aussehen wird und, wem welche Anteile daran zustehen sollen, steht heute noch in den Sternen und will morgen ausgefochten werden.

Der Streit um die willkommenen Früchte schöpferischer Zerstörung und darum, wie mit ihren Abfällen und Trümmern zu verfahren sei, gehört zu den wichtigsten Merkmalen einer freien Gesellschaft. Schließlich ist Freiheit ein Entdeckungsverfahren, das uns die verschiedenen sozialen Interessen einer Gesellschaft offenlegen soll und die Möglichkeiten, diese miteinander in Vereinbarung zu bringen.

Die Freiheit toleriert, ja fördert unterschiedliche Vorstellungen von der Arbeitsweise einer Wirtschaft, aber sie verträgt sich auf keinen Fall mit einem Bild der ökonomischen Prozesse, das soziale Unterschiede und Konflikte ignoriert und die Rolle des gesellschaftlichen Ausgleichs von den aktuell handelnden Menschen auf zeitlose Mechanismen verlagert.  


Fortgesetzt hier.

Tuesday, 2 August 2016

Eine andere Sicht der Wirtschaft (5) — Kämpferischer Kapitalismus



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Eine Vorbetrachtung zum Machtkampf zwischen Arbeit und Kapital


Im zweiten Kapitel seines Buchs Plenty of Nothing beschäftigt sich Thomas Palley mit den Ursachen für den Zerfall des Systems, das von 1945-1975 Wohlstand für alle ermöglichte. Bevor ich fortfahre, seine Argumente nachzuzeichnen möchte ich eine gewisse Unsicherheit zur Sprache bringen, die mich angesichts eines zentralen Gesichtspunkts seiner Argumentation beschleicht. Palley ist der Meinung, dass die Stärkung der Arbeitnehmerrechte, der größere Schutz gegen Arbeitslosigkeit und das soziale Sicherheitsnetz insgesamt dazu beitragen, die Position der Arbeitnehmer gegenüber den Arbeitgebern zu stärken. Weder möchte ich derartige Errungenschaft in Frage stellen — Übertreibungen selbstverständlich ausgenommen — noch bestreite ich, dass sie der Verhandlungsstärke der Arbeitnehmer förderlich sein können. Vor allem, wenn sie auf breite Zustimmung stoßen und tiefe Wurzeln im Bewusstsein der Öffentlichkeit schlagen.

Meine Zweifel rühren daher, dass soziale Absicherung wie wir sie in unseren Breitengraden errungen haben offenbar auch ambivalente Effekte auslösen kann, welche unter Umständen das Gegenteil dessen bewirken, was angestrebt wird: nämlich sichere Arbeit und gutes Auskommen.

Ich bin mir keineswegs sicher, ob meine diesbezügliche Intuition zutrifft, ich empfinde sie zurzeit noch eher vage — sie lässt sich vielleicht in folgender Hypothese zusammenfassen: mit der Ausweitung des Sozialstaats und der Gewährleistung eines verlässlichen Schutzes vor den schlimmsten Folgen von Verhandlungsschwäche seitens der Beschäftigten und vor allem Arbeitslosigkeit, entsteht ein System, das zum Konkurrenten der Infrastruktur wird, die sich die Arbeiter aufgebaut haben, um ihre Interessen gegenüber den Arbeitgebern zu verteidigen. Das Resultat ist eine Atomisierung und Depolitisierung der Arbeiterschaft, so dass ihr wichtigstes politisches Kapital schwindet: die Fähigkeit, eine gemeinsame Front gegenüber dem Kapital aufzustellen. Die Forderung der Arbeiterbewegung nach einem wirkungsvollen Sozialstaat nimmt irgendwann den Charakter einer Selbst-Kannibalisierung an. Wenn Familien und Arbeitergemeinden schwächer werden und der Arbeitslose aufgefangen wird durch den Sozialstaat, gehen wichtige Elemente verloren, die zu einer starken Solidarität unter Arbeitnehmern Anlass geben.

Ich meine, Palley argumentiert überzeugend, wie ich hoffentlich werde zeigen können, dass der Faktor Arbeit über ausreichende Macht verfügen muss, um dem natürlichen Interessensgegensatz gegenüber dem Kapital gewachsen zu sein. Doch frage ich mich: ist der Niedergang  der alle Schichten umfassenden Wohlstandgesellschaft nicht vor allem deshalb zustande gekommen, weil der Faktor Arbeit keinen Weg gefunden hat, ein gleichwertiger Kontrahent für das Kapital zu bleiben? Vor allem, wie mir scheint, weil der von den Beschäftigten gewollte Sozialstaat, die „Klassen“-Solidarität der Arbeiter erfolgreich verdrängt und (scheinbar) überflüssig gemacht hat. Geringst verdienend oder gar arbeitslos zu sein, ist keine soziale Schande mehr, die eine Gemeinschaft von Gemeinschaften — von der klassenbewussten Arbeiterfamilie und dem Arbeiterviertel bis zur nationalen Volkspartei und Gewerkschaftsbewegung — zu entschlossenem Widerstand mobilisiert. Früher undenkbar und in seiner Undenkbarkeit konstituierend für das Klassenbewusstsein der Arbeiter, kann heute eine minderjährige alleinerziehende Mutter halbwegs überleben und in dieser Rolle Anspruch auf soziale Anerkennung genießen. Der Ansprechpartner in Sachen persönlich-existenzieller Belange ist nicht mehr die Kulturgemeinschaft der Arbeitergenossen, sondern eine Behörde. Es geht nicht mehr darum, einer Klasse Arbeit und die dazu erforderliche gesellschaftliche Macht zu sichern. Die relevante Frage ist, ob einem ein neuer Kühlschrank von Staats wegen zusteht — was ich nicht ironisch-herablassend meine. Vielmehr vermute ich, dass wir mit einem schwerwiegenden Dilemma konfrontiert sind, dahingehend, dass die Wiederkehr der Wohlstandsgesellschaft davon abzuhängen scheint, dass der Faktor Arbeit wieder als geschlossene politische Kraft auftritt, während die gesellschaftlichen Bedingungen weit davon entfernt sind, dies zu gestatten.

Die Standpunkte der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer sind in vielen wichtigen Aspekten gegensätzlicher und schwer zu vereinbarender Art. Soll sich aber der Auftrag der Freiheit erfüllen, soll eine wohlhabende und sozial ausgewogene Gesellschaft entstehen, sind beide Seiten darauf angewiesen, miteinander auszukommen. Wenn ihre unterschiedlichen Interessen partout als unversöhnlich und unüberwindlich gelten, kann keine gute Gesellschaft heranwachsen.

Auch wenn sie miteinander konfligieren, beide Seiten haben ein Anrecht, ihre Interessen so weit als allgemein verträglich anzumelden und durchzusetzen. Die entstehenden Spannungen müssen zugelassen, ausgehalten und bewältigt werden. Aber die Notwendigkeit eines zivilisierten Konflikts trägt ein gefährliches Paradoxon in sich — wenn eine der beiden Seiten nicht in der Lage ist, sich in diesen Kampf als gleichwertigen Kontrahenten einzubringen, droht Gefahr für das gesellschaftliche Gleichgewicht.


Monday, 1 August 2016

Eine andere Sicht der Wirtschaft (4) — Grenzen zeichnen das Gesicht der Freiheit



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Die Grenzen des Laissez Faire I — Gefangen in einem Dilemma


Dass vieles in einer Wirtschaft automatisch abläuft, berechtigt nicht zur Annahme, dass eine dem Menschen gemäße Wirtschaftsordnung zustande kommt, wenn man diese sich selbst überlässt.

Es gibt vieles das schief gehen kann, wenn man selbstgängige Abläufe gewähren lässt — z.B. lauern an allen Ecken und Enden Probleme vom Typ des Gefangenendilemmas.

Wenn zwei oder mehr Akteure jeweils das tun, was die rationale Verfolgung ihrer persönlichen Interessen gebietet, ist es in einer nicht kleinen Klasse von Fällen so, dass das Zusammenwirken der einzelnen Vorgehensweisen eine Situation erzeugt, die die Beteiligten — mitunter dramatisch — schlechterstellt, als wenn sie sich absprechen würden oder Regeln unterworfen wären, so dass ein kollektives Kalkül aus der Sackgasse herausführt, in die die individualistische Logik die Parteien lockt. Um in solchen Fällen Schaden abzuwenden, bedarf es also eines intelligenten und sozial koordinierten Eingreifens in die zwangsläufigen Abläufe der unkorrigierten Ordnung.

Nur eines von vielen Beispielen: Finanzkapital ist mobil heutzutage — binnen Sekunden fließt es weltweit von Ort zu Ort – immer auf der Suche nach den höchsten Zinssätzen. Um eine Wechselkurskrise zu vermeiden, die durch den plötzlichen Abfluss von Kapital aus der eigenen Währung ausgelöst würde, sind viele Staaten bemüht, ihre Zinsen ein wenig höher zu halten als andere Staaten. So treiben die Konkurrenten die Zinsen allenthalben auf ein hohes Niveau, was ihnen wiederum Platz raubt für zinspolitische Steuerungsmaßnahmen. Sie büßen nun auf diese Weise an staatlicher Souveränität ein. Ein vordergründiges Eigeninteresse führt zu negativen Konsequenzen, die sich nur vermeiden ließen, wenn die betroffenen Staaten sich auf konzertierte Regeln verständigen könnten, mit denen sich schädliche Nebeneffekte ungehinderter Kapitalmobilität eindämmen lassen.


Die Grenzen des Laissez Faire II — Die Freiheit einzugreifen


Der Kapitalismus beruht auf Formen der Freiheit, die es erlauben grundlegende Dinge, die uns alle betreffen, umzuwälzen. Nicht alles, was der in die schöpferische Freiheit entlassene Mensch an Neuerungen bewerkstelligt, mag zuträglich sein. Und wenn ja, dann stellt sich oft die berechtigte Frage, für wen diese Veränderungen zuträglich und für wen sie es nicht sind.  Freiheit bedeutet Heterogenität, Aufspaltung der Interessen in Vielheit und damit mehr Wettbewerb um gesellschaftliche Geltung, verglichen mit Zeiten, in denen eine Elite ihre Interessen über die aller anderen stellen und den Großteil der Bevölkerung zur Unterordnung nötigen konnte. Freiheit also vervielfältigt und veröffentlicht die Menge der Ansprüche, die nach Anerkennung durch die Gemeinschaft streben.

Diese Vorbetrachtung ist nötig, um klarzustellen, dass Vorstellungen von der Freiheit als einer sich selbst erzeugenden und sich selbst stabilisierenden Ordnung grundsätzlich unvereinbar sind mit den elementarsten Postulaten einer freien Gesellschaft: der Forderung nach Gestaltungsfreiheit, dem Anspruch auf abweichende Ideen und Ziele, dem Recht auf Widerspruch und Verwirklichung neuer Leistungen und Produkte, neuer Werte, Lebensbedingungen und Lebensweisen. Die Regeln der Freiheit, die allen die Grenzen ihrer Autonomie aufzeigen, sind nicht solcher Art, dass sie die Unbestimmtheit der durch freie Menschen gestalteten Zukunft verhindern. Die Ergebnisse der Freiheit können nicht vorherbestimmt werden. Die Regeln, auf denen sie fußt, zumindest die grundsätzlichen und besonders wichtigen, mögen eindeutig benennbar und stabil sein, niemals aber die Resultate der durch sie geschützten freiheitlichen Prozesse.

Deshalb kann weder die Freiheit noch das wirtschaftliche Geschehen, das sich in einer freien Gesellschaft abspielt, ausschließlich oder vornehmlich den Charakter eines natürlichen, sich selbst überlassenen Ablaufs haben. Menschliches Zutun ist immer im Spiel, und es ist unverzichtbar, wenn die Bedingungen and Folgen des Wirtschaftens nicht blind wuchern, sondern dem besseren Ratschluss menschlicher Einsicht und berechtigten menschlichen Interessen gehorchen sollen.

Eine freie Wirtschaft ist demnach in dem Maße frei als sie eben nicht Naturprozess, sondern Politikum ist: Resultat eines offenen Prozesses der Geltendmachung und des Ausgleichs vielgestaltiger Interessen.

Im Übrigen krankt die Parole vom „laissez faire“ an einem fundamentalen logischen Widerspruch: wenn wir nämlich „alles sich selbst überlassen“, beginnen die sich selbst überlassenen Menschen, die Dinge in die Hand zu nehmen und so zu organisieren, wie sie sich das vorstellen — kurz gesagt: es gibt keine Möglichkeit nicht einzugreifen, ohne dass dies zu Eingriffen führt. Den Vertretern bleibt dann nur noch der Rückzug auf den Standpunkt, dass sie bestimmen sollten, welche minimalen Eingriffe erforderlich sind, damit das System im Großen und Ganzen ohne Eingriffe auskomme. Nur ist das keine Position, die sich mit der Freiheit vereinbaren lässt, wie oben erklärt. Es ist also besser das Eingreifen zu organisieren als das Nichteingreifen, und mit Freiheit meinen wir nichts anderes als ein zweckmäßig-rücksichtsvoll organisiertes Eingreifen, welches viel Platz dafür lässt, dass Individuen nach ihren eigenen Vorstellungen in Wirtschaft und Gesellschaft eingreifen können.


Die Grenzen des Laissez Faire III: ökonomischer Naturalismus und politische Verantwortung


Thomas Palley spricht vom ökonomischen Naturalismus („economic naturalism“), wenn er die Eigenart der modernen Ökonomie meint, naturgesetzliche Automatismen im Wirken der Wirtschaft zu unterstellen: den natürlichen Zinssatz, die natürliche Arbeitslosenquote, die natürliche Wachstumsrate. Der ökonomische Naturalismus suggeriert ein von Natur aus gegebenes Optimum, das sich über kurz oder lang einspielt, sofern der Mensch diesen Prozess nicht durchkreuzt. Damit verleitet der ökonomische Naturalismus zu einem gewissen Fatalismus. Etwa dergestalt, dass er annimmt die Wirtschaft bedürfe eines gewissen natürlichen Maßes an Arbeitslosigkeit, um ins Gleichgewicht zu kommen, und wenn dieser „gesunde und natürliche“ Grad an Beschäftigungslosigkeit sich eingependelt habe, bliebe nichts mehr zu tun, was die Lage verbessern könne.

Als funktionierendes Verfahren profitierte der KEY (Keynesianismus) von 1945-1975 von historischen Umständen, die dem Erfolg des Nachfrage-Managements sehr entgegenkamen: starke, gesellschaftlich anerkannte Gewerkschaften; wirkungsvolle Kontrollen des internationalen Finanzkapitalmobilität;  eine stark eingeschränkte Fähigkeit, Arbeitsstätten zu verlagern; und ein binnenwirtschaftlicher Nachfrage-Boom. Diese lange bestehenden fast idealen Bedingungen konnten einen dazu verleiten, das Nachfrage-Management für einen „Selbstläufer“ zu halten, einen natürlichen Vorgang, der ohne wandelbare politische Voraussetzungen auskam und einfach per se funktionierte. So verlor der KEY die Notwendigkeit, um seine Verwirklichung politisch zu kämpfen, aus den Augen, mit dem Resultat, dass sowohl die Gründe seines Niedergangs als auch das neue wirtschaftliche Paradigma den Anschein haben, dem natürlichen Wandel der Dinge geschuldet und unvermeidbar zu sein.

Dieser Mythos wird kräftig gefördert durch die Hauptströmungen der Ökonomie, die dem KEY vorausgegangen waren, aber auch die, welche seit Ende der 1970er die Nachfolge des KEY angetreten haben — sie sind vollends apolitisch und ohne jeden Sinn dafür, dass es die Rivalitäten, die Kämpfe, die Verhandlungen und die Kompromisse politisch handelnder Menschen sind, die der Wirtschaft ihren Charakter aufprägen.

Soll die Erosion des Wohlstands breiter Bevölkerungsschichten aufgehalten und allmählich wieder umgekehrt werden, gilt es den fatalistischen Glauben an eine natürliche Ordnung der Dinge im Wirtschaftsleben wieder zu ersetzen durch ein Bewusstsein für die politische Verantwortung, die wir alle tragen, wenn es gelingen soll, Institutionen und soziale Kompromisse zu schaffen, die unerlässlich sind für ein breites, alle sozialen Schichten erfassendes Wohlstandswachstum.

Saturday, 30 July 2016

Eine andere Sicht der Wirtschaft (3) — KEY und SKY



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Keynesianismus und Struktureller Keynesianismus

Der Strukturelle Keynesianismus (SKY) teilt mit dem Keynesianismus (KEY) die Auffassung, dass der Kapitalismus das mit Abstand leistungsfähigste sozio-ökonomische System ist, das je existiert hat: seine Fähigkeit, Güter zu erzeugen, Dienstleistungen zu erbringen und für einen hohen Lebensstandard zu sorgen, ist absolut unübertroffen. Es ist daher nicht wünschenswert, den Kapitalismus zu beseitigen. Er verdient unsere Unterstützung. Es ist nur klug, sich an seine Gesetze zu halten, soweit sie anderen wichtigen Bedürfnissen des menschlichen Zusammenlebens nicht entgegenstehen — ein Fall, der freilich genauso ins Kalkül zu ziehen ist, wie die missbräuchliche Verwendung oder die schädlichen Nebeneffekte jedes anderen leistungsfähigen Systems. Ein starker Motor ist nicht in erster Linie dazu da, bewundert zu werden. Wir wollen vor allem, dass er funktioniert und viel leistet; dazu muss er laufend gepflegt, gewartet und gegebenenfalls verbessert werden.

Einer Schwachstelle des Kapitalismus, die der KEY in den Mittelpunkt seiner Analyse der Volkswirtschaft stellt, schenkt auch der SKY große Aufmerksamkeit: nämlich der kuriosen Neigung, die volkswirtschaftliche Gesamt-Nachfrage schon zu drosseln, bevor sie den Punkt erreicht, an dem noch viele weitere Güter und Dienstleistungen bereitgestellt werden könnten, und zwar so, dass Vollbeschäftigung erzielt und gleichzeitig die Wirtschaft nicht überhitzt wird. Das System schöpft sein volles Potenzial nicht aus. Das unterminiert die Fähigkeit vieler Menschen, auf die einzige ihnen im Kapitalismus mögliche Weise, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen: durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft oder anderer Waren und Dienstleistungen.

Für KEY wie für SKY ist es maßgeblich zu verstehen, wovon die Gesamtnachfrage abhängig ist, denn wer die entsprechenden Wirkzusammenhänge kennt, ist in der Lage, das systemische Defizit des Kapitalismus durch Nachfrage-Management auszugleichen und anstelle drohender Massenarbeitslosigkeit einen Wohlstand zu schaffen, an dem alle teilhaben.

Der große Erfolg des KEY in den 30 Jahren nach Ende des 2. Weltkriegs hat jedoch einer technokratischen Deutung dieser Lehre Vorschub geleistet, wie das Schlagwort vom Nachfrage-Management verrät. Man drehe an dieser und jener Stellgröße und schon herrscht Wohlstand: mit der Ansteuerung eines bestimmten Zinsniveaus durch die Zentralbank — man spricht von Geldpolitik — und durch Variieren der Staatsausgaben und der Steuerlast der Bürger — man spricht von Fiskalpolitik — lassen sich nach dieser keynesianische Rezeptur angeblich Konjunktur-Extreme vermeiden und stetige Vollbeschäftigung herbeiführen. Das war unter den Rahmenbedingungen der Nachkriegszeit tatsächlich so. Doch im Laufe der Zeit wurde man Opfer des eigenen Erfolgs. Man verlor die besonderen Bedingungen dieser Phase des Nachfrage-Managements aus den Augen und begann, daran zu glauben, im Besitz eines technischen Verfahrens zu sein, dessen Anwendung für sich schon Vollbeschäftigung und Wohlstand gewährleistet.

Doch die letzten 25 Jahre widersprachen zunehmend dieser Erwartung. Die Arbeitslosigkeit stieg deutlich und dauerhaft an. Die Ausbreitung des Wohlstands in der Bevölkerung kam ins Stocken und wies schließlich sogar eine rückläufige Tendenz auf. Weit davon entfernt, einen lang anhaltenden Impuls auszusenden, hat die expansionistische Geld- und Fiskalpolitik deutlich an Wirkung eingebüßt. Die Hebung des Beschäftigungsniveaus durch wirtschaftspolitische Maßnahmen gelingt nur noch in bescheidener Dosierung. Vor allem aber erweist sich das herkömmliche Nachfrage-Management als machtlos im Angesicht stagnierender Löhne und zunehmender Ungleichheit in der Einkommensverteilung.

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Der SKY hebt zwei Aspekte der mangelnden Praktikabilität des klassischen KEY hervor: zum einen ist der ursprüngliche Keynesianismus blind für die Veränderlichkeit der Voraussetzungen, unter denen der soziale Ausgleich zu erzielen ist, ohne den sein Wohlstandskonzept nicht funktionieren kann. Zum anderen ignoriert er die Fähigkeit der Unternehmen, sich an die Beschränkungen anzupassen, die ihnen auferlegt werden, um sie auf sozialen Ausgleich zu verpflichten. Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden von unterschiedlichen Interessen gelenkt — neben vielen gemeinsamen Interessen. Beide Seiten müssen ihre Ansprüche gegenüber denen des Gegenübers geltend machen. Das heißt, sie müssen sozialpolitische Einflussnahme üben. Gerät das Kräfteverhältnis der Einfluss nehmenden Parteien aus dem Gleichgewicht, verliert auch das System der gemeinschaftlichen Wohlstandsweitung seine Balance — ungute Einseitigkeiten treten an seine Stelle.

Kurzum: Das ökonomische Problem der Wohlstandsmehrung ist eingefasst in einen größeren sozialen Kontext, den der SKY im Gegensatz zum KEY ausdrücklich mitberücksichtigt.

Wenn das Kräfteverhältnis der Sozialpartner/Sozialkontrahenten in Schieflage gerät, so dass die Arbeitnehmer nicht mehr ausreichend am Wachstum der Wirtschaft beteiligt werden und das Volkseinkommen sich zuungunsten eines großen Teils der Bevölkerung verschiebt, trifft dies den Kapitalismus an seiner empfindlichsten Flanke: denn das System der Massenproduktion bei Vollbeschäftigung bedarf einer robusten, von der breiten Bevölkerung getragenen Nachfrage. Diese ist nur gewährleistet, wenn die Arbeitnehmer durch ausreichende Höhe und Wachstum ihres Einkommens an der Prosperität der Wirtschaft beteiligt werden.

Gleichgültig wie man Einkommensungleichheit von einem ethischen Standpunkt aus bewertet, über ein gewisses Maß hinaus ist sie abträglich für die Volkswirtschaft.

Wenn Arbeitnehmer sich verständlicherweise wehren, wenn ihre Interessen übergangen werden, so gilt das Gleiche für den Unternehmer, dem die Gewinn- und Verlustrechnung im Nacken sitzt. Der Grundimpuls des Kapitalismus ist nicht die Gier, sondern der Überlebenstrieb. Ein Unternehmer, der nicht profitabel operiert, überlebt nicht lange. Wenn die Regeln, die ihn zum Abgleich mit den Arbeitnehmern anhalten, ihm beim Kampf ums profitable Überleben in die Quere kommen, lässt er sich Umgehungsstrategien einfallen. Das Resultat sind technologische und betriebsorganisatorische Veränderungen, aber auch politische Anstrengungen des Unternehmers, die im Laufe der Zeit das Terrain umgraben, auf dem sich die Sozialpartner/Sozialkontrahenten begegnen, um ihre relative Stärke zu messen.

Das bedeutet, dass nichts bleibt wie es war, und die Bedingungen einer gegenseitig vernünftigen Lösung immer wieder aufs Neue analysiert und ausgehandelt werden müssen. Deshalb ist es nicht damit getan, an bewährten Techniken des Nachfrage-Managements festzuhalten. Aus Sicht des SKY ist es unerlässlich, die aktuelle Struktur der Wirtschaft unentwegt daraufhin zu prüfen, ob sie noch ein effektives Nachfrage-Management zulässt. Dazu sind zeitgerechte Regeln für die unternehmerische Tätigkeit von Finanzinstitutionen und Firmen der Realwirtschaft, sowie ein wirklichkeitsnaher Ordnungsrahmen für die Arbeitsmärkte und die internationalen Finanzmärkten erforderlich.

Ist der KEY noch von einer eher unpolitisch-technokratischen Haltung geprägt, lässt der SKY keinen Zweifel daran, dass die Politik den Primat über die Wirtschaft innehat. Der Strukturelle Keynesianismus (SKY) leitet seinen Namen aus dieser Prämisse ab: die Struktur des Wohlstands gründet auf politischem Willen, sie ist angewiesen auf den politischen Ausgleich der Interessensgegensätze zwischen Arbeit und Kpital — ohne politische Eingriffe kann es den Wohlstand für alle nicht geben.