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Saturday, 5 January 2019

James Joyce — The Genuine and the Stilted — James Joyce, Echtes und Gewolltes

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A post in English and German.


Im Bücherregal hinter mir befindet sich eine Ausgabe von Ulysses von James Joyce. Gestern habe ich einmal kurz hineingeschaut, eine Passage gelesen – einen viel zu langen, wiewohl fein gedrechselten Satz.

Es ist bestimmt mehr als zwei Jahre her, dass ich Ulysses gelesen habe, bis ich nicht mehr konnte. Ich wurde so traurig bei der Lektüre.

Joyce ist wirklich einer der besten, vielleicht der beste Schriftsteller englischer Sprache, den ich je gelesen habe. Dieses Können ist die Konstante seines Werks – Finnegan's Wake vielleicht ausgenommen, dieses Buch habe ich nicht gelesen – und zugleich dessen Tragödie.

In den Werken, die mir gefallen haben, – Stephen Hero, Portrait of the Artist und The Dubliners – findet man sich eingetaucht in eine Stimmung, man ist Teil von ihr, du wanderst durch einen geschriebenen Film. Man hat nicht das Gefühl, es werde einem eine Botschaft verabreicht. Vielleicht ist das Geschehen unbedeutend. Selbst wenn es so wäre – es tut nichts zur Sache, so intensiv ist das Erlebnis. Die Erfahrung selbst bestimmt den Grad ihrer Bedeutsamkeit. Wie ein Besuch am Badeweiher. Du bist Kind. Das Treiben ist an und für sich ohne Bedeutung, millionenfach neu aufgeführt, sogar trivial. Aber es bleiben Erinnerungen, die für dich einmalig sind, ein lebenlang Gewicht besitzen. Bis heute. Der Geruch einer Badekappe aus Kunststoff. Die ungeduldige Frau, die sich in Anwesenheit meiner schockierten Mutter vor uns Kindern umzieht.

Der frühe Joyce ist ein Meister dieser maßgeblichen Eindrücke, der Authentizität des Bleibenden.

Stephen Hero zu lesen ist einer Meditation teilhaftig zu werden. Die Lektüre bewirkt eine Vervielfachung des eigenen Lebens, eine Erweiterung durch Teilhabe an Ausschnitten aus dem Leben anderer Menschen. Kunstvoll geschrieben, meisterlich präsentiert, weil es völlig echt ist, wirkliches Dasein, in das man sich einschaltet, mit dem man verschmilzt, obwohl es nicht Teil des eigenen Lebens ist.

Lector in fabula, der Zaubertrick, den Leser mitten in die Erzählung zu stellen, ihn mit ihr zu umgeben als sei das erzählte Dasein das eigene – das ist höchste Kunst. 

Demgegenüber wirkt Ulysses gewollt, gekünstelt, ja verschmutzt, weil der Autor sein reines Talent mit Aufgesetztem und Unpassenden vermischt.

Da ist das Ärgernis, dass Vieles in diesem Buch einfach unverständlich ist – vermutlich, weil man nicht Insider des damaligen Dublins ist. Du weißt oftmals buchstäblich nicht, wovon die Rede ist, so schön und klar die Sätze auch sind. Und wenn man dann wieder versteht, worum es geht, wenn die Mosaiksteinchen ein Muster ergeben, erkennt man, kaum, dass man es sich einzugestehen wagt, dass hier ein Waschweib – ich meine den leibhaftigen Autor – auf höchstem sprachlichem Niveau gewöhnlichsten Dubliner Tratsch drischt. Mehr steckt nicht dahinter.

Wenn man bedenkt, wie sehr Joyces Familien leiden musste, damit er diesen Trivialroman ganz eigener Trivialität schreiben konnte – umso schlimmer.

Mehr von mir über James Joyce hier: A Saturday Evening Meditation: Dubliners — James Joyce

English summary:

I am fond of the early James Joyce, the author of Stephen Hero, Portrait of the Artist as a Young Man and The Dubliners. His mastership lies in the incomparable authenticity of the scenes that Joyce invokes in these books. The product of his writings is entirely natural. This immediacy is the most powerful attainment of his literature. In Ulysses, Joyce appears to be eager to add something over and above the natural sites that used to spring from his writing. (No longer a lean kind of literature,) Ulysses is bloated with unclear references, presumably to be unlocked, if at all, by the contemporary Dubliner of 1904. When in the early Joyce everything was so lucent to the reader that you would feel literally like lector in fabula, totally emerged in the atmosphere and the goings-on, Ulysses keeps the reader at a distance only too frequently. When you are back in the picture, you begin to suspect more and more that something trivial is being pursuit, until the failure is sadly manifest: Joyce is using his masterful language to engage in the fishwives' gossip of the day. Language and meaning are dissonant. The thrill of finding oneself miraculously emerged in another life as if it were your own has gone.

To think what hardship his family had to undergo for him to perpetrate this elaborate aberration from the most engagingly consonant films the artist as a young man used to shoot with his language.

Friday, 28 December 2018

Deutschlands unfehlbare Quellen

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Kürzlich hatte mich ein Gesprächspartner damit verblüfft, dass er  ohne Not das Bekenntnis ablegte, drei journalistischen Quellen bedingungsloses Vertrauen zu schenken: Der New York Times, dem SPIEGEL und der Süddeutschen Zeitung.

Mir war noch aufgefallen, dass der Betreffende die Absolutheit seines Vertrauens in diese Zeitungen betonte.


Ganz offenbar, ein Gläubiger, wie ich vermutet hatte, der sich im Besitz der objektiven Wahrheit wähnt, weil er sich der politisch korrekten Haltung angeschlossen hat, denn jetzt lese ich dies: 

"Das Grundproblem des Journalismus, wenigstens in Deutschland, besteht darin, dass man sogenannten Leitmedien und 'Edelfedern' offenbar einfach alles abnimmt ... Auffällig an den Beispielen ist, um welche Medien es sich handelt: Spiegel und SZ ..."

Quelle.

Es handelt sich um einen Zeitgenossen, der kritisches Denken sofort dem Verdacht aussetzt, auf einer Verschwörungsstheorie zu beruhen. Dazu kann ich nur sagen: Einer Konspiration bedarf es nicht, wenn sich Menschen, wie er, in vorauseilendem Gehorsam freiwillig gleichschalten.

Ohne Beleidigung geht es nicht

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Ein Journalist, der sich in DER SPIEGEL über chinesische Manieren echauffiert, hält sich an deutsche Benimmregeln, wonach es zum guten Ton gehört, Donald Trump zu beleidigen.

Auch der Idiot (Donald Trump) könne in einem Punkt richtig liegen, und sei es aus Versehen. Dieser Punkt sei möglicherweise Trumps Chinapolitik. (Ich habe diese Stelle in indirekter Rede wiedergegeben, lesen Sie das Original: Quelle).

Glaubt mir bitte, will uns der Journalist versichern, ich verachte Trump nicht weniger als ihr – diese Konformitätsbotschaft ist ihm weitaus wichtiger als jegliche Form differenzierter und um Objektivität bemühter Berichterstattung.

Wie er sich die aller größte Mühe gibt, um ja nicht den Eindruck zu erzeugen, er sage etwas allzu Positives über Trump.

Es mutet an, als habe man ihn angewiesen, nach der Aufdeckung der Lügenartikel, mit denen DER SPIEGEL jahrelang über die Vereinigten Staaten berichtet hat, auch mal etwas Anerkennendes über das Land, ja sogar über seinen Präsidenten Donald Trump zu schreiben. (Aber im Land des vorauseilenden Gehorsams geht es auch ohne Anweisungen.) Er muss wohl langen Anlauf nehmen, um über den eigenen Schatten zu springen. Aber das ist dann doch zu viel verlangt: Es erweist sich, dass DER SPIEGEL-Autor, wie jeder „gute Deutsche“, nicht über Donald Trump sprechen kann, ohne sich einer handfesten Beleidigung des amerikanischen Präsidenten zu befleißigen. Zwanghaft, selbstherrlich, von Haß und Dünkel beherrscht.

Bis in die 1980er Jahre hätte man jedem Journalisten, der Derartiges schreibt, vorgehalten, elementare Prinzipien des professionellen Journalismus zu verletzen – heute gerät man in Schwierigkeiten, wenn man einem nach deutscher Staatslinie unbeliebtem Politiker nicht direkt ins Gesicht rotzt.

Ein hemmungsloser Gesinnungsjournalism dieser Art kann doch nur Betrug im Überfluss hervorbringen.

Sunday, 23 September 2018

(1) The Business of Handling Language

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The business of translating is affected by the rapid progress being made in the development of automated translation technologies. Today, automatic translation is at the level of the language skills of a seven year old. In two years time automata will be linguistically as skillful as a fourteen year old. 

In the medium term, reasonable money is to be made only by those who combine their translating skills with specialised knowledge while preferably being in a position to efficiently support the building and dissemination of content. 

This is why it may be a good idea for a translator to extend her business portfolio to include research and writing. 

This could give her the capabilities needed to accompany the work flow by which the content a client wishes to disseminate is built from the stage when the messages are identified through to the delivery of end products (speeches, internal messages, articles, seminar and other study materials, web content, research papers, books, etc.).

Perhaps the most critical issue here is that a company's content building work flow is shot through with power relations. These may either keep an external provider out of the flow altogether or make her contributions less effective, ineffective or even disruptive. Ownership of content building may prove to be just as jealously guarded a privilege as other forms of controlling power.

Typically, being accorded a high degree of trust by the client is the prerequisite for an external writer-cum-translator to effectively enter the content building work flow.

How does one earn this trust?

One strategy is to become part of a team that has already won a client's trust. (1) This could be a team that does not specialise in writing and translating but has a demand for these services — again, even in this context, content ownership will always be a highly sensitive issue, within the provider and vis-à-vis the client. (2) Or it may be a team that is offering these services and is looking for a new team member. Later one may use the experience of working in such a team to attract one's own clients.

Specialised competence (say in the ETF business), ability to research relevant related topics, generate content drafts or add to drafts proposed by the client — for instance a speech to be delivered by the ultimate content owner, the CEO.

Being involved in content building and delivery on all fronts lends consistency to the overall corporate message-scape, creating a distinct linguistic culture which may be translated into a consistent yet varied offering of content, targeting specific purposes and groups.

The job profile covers requirements that stand in tension to one another: you will want a creative individual(ist), a linguistic authority holding clear views about good and inadmissible writing, an iconoclast with ideas that strike others as novel or helpful in a way they would not have been able to come up with. At the same time, there is a need for humility, tolerance, empathy for the thoughts and the language style of other persons.


Continued here.

Thursday, 23 August 2018

Trump? A Guess

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I find noteworthy some of the phrasing President Trump has reverted to in commenting on the prospect of his impeachment. 

“I’ll tell you what, if I ever got impeached, I think the market would crash,”

This is in a way a very subtle surmise on my part, but to me Trump sounds as if he has almost accepted the prospect of his being impeached. Why else would he accept the premise of his ouster to conclude rather lamely that in this case "the market would crash".

Well, there would be a market reaction, but a crash?

Even if a terrible crash did occur, are we to conclude that a legally deserved impeachment should not be pursued for pragmatic economic reasons?

Is Trump crumbling?

Tuesday, 15 May 2018

Keynes — A Start (2)

Image credit. Tilton House in Sussex, Keynes retreat.


An Addendum to Keynes — A Start (1):

From Keynes foreword (1936) to the German edition of his General Theory.
The theory of aggregated production, which is the point of the following book, nevertheless can be much easier adapted to the conditions of a totalitarian state than the theory of production and distribution of a given production put forth under conditions of free competition and a large degree of laissez-faire.

Anyone who is acquainted with Keynes politics knows that this is not an endorsement of totalitarianism. And even though it may not have been meant to serve as a hint to the possible abuse of the naturally ambivalent instrument of Keynesian demand management, I do read it in this light.

Keynes — A Start (1)

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This is my note to Nick in which I thank him for offering on his blog the below video introducing Keynes.

Thank you, Nick, for this nice introduction. It is always a good idea to sketch the virgin basics before burdening them with our prejudices. I may well be wrong, as I have hardly read Keynes in the original, except the Consequences of the Peace, and his essays and a few impenetrable chapters of the General Theory, relying instead mainly on secondary sources like Minsky, Davidson and Mitchell, but I seem to remember, especially from the essays, that Keynes was exceedingly critical of politics and in that sense not exactly naively optimistic of its benign potential (as the clip appears to be insinuating). But this did not leave him with cynicism alone, of which he was quite capable, and disdain and apathy. He saw chances of the promising kind as well, and he went after them. And it could be quite possible that my living in a prosperous and peaceful era was in no small measure thanks to him. But, of course, random factors that may happily conspire to shape a livable epoch are always at work as well. In Germany, for instance, we were lucky to attenuate Marxism and radical socialism on the one hand and naive liberalism and stubborn conservatism on the other to end up with the type of social democracy that understands that capital and labour have different interests and that these can only be reconciled if a balance of power is established between the two parties. My reading of Keynes and his attitude, again it may be wrong, is that in the face of possible failure he realised that if we try (Keynesian policies) we may still succeed for a while, and if we do not, another effort may yield the desired success a little later; while “in the long run we are all dead”, in the short run we may lead better or worse lives and be able to achieve the former if only we make a constructive effort. This is what I like about “my” Keynes: he recognises what economics does not recognise that capitalism is a mixed economy, not an ideal type, it is necessarily political in nature and judicious political intervention may ensure outcomes far superior to ideologically blinded approaches such as envisioned by Marxism or neoliberalism. As I argue with adepts of MMT: I am prepared to accept that their economic policies are the ones we must pursue to achieve the best results, but there is also the possibility that we apply them and still fail, even miserably, as Keynesian demand management can equally be the instrument of the most desirable and the most despicable ends, as Keynes himself reminds us in his preface to, I believe, the Japanese translation of his General Theory.




Continued at Keynes — A Start (2).

Tuesday, 3 October 2017

EF (10) — Freedom and Misconceptions of Money — Quotes and Links on Say's Law and Money Neutrality

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Being rather more like a personal note for future reference, this post is not really a statement addressed to my readership; however, I am happy to share my groping efforts with anyone who may take an interest in my attempts at writing the third part - the one concerned with economics - of my book (i.e. long series of posts) on liberty.

In the prior two parts on The State and Politics I have shown that modern societies with a high degree of liberty depend — no less than earlier and more rudimentary societies with considerably lesser room for freedom — on organised enforcing capabilities, that is: controlled violence, power, and dominance, whose evolutionary terminal is the state, the most effective structure of maximal power in an enduringly viable community. Intertwined with The State is Politics, another anthropologically ubiquituous means to organise society through (inevitable but also often dispensable) repression and command. 

In a free society, Politics — like The State — serves to refine the means and quality of enforced confinement to which all members of society are subjected. Thus, non-violent games (of political competiton like electoral processes) may take the place of lethal battles, and losing parties may be accorded a status of respect and comfort, and be granted an irrevocable right to challenge the victorious order in future rounds of contestation. 

Politics and the State need to be comprehended in these capacities — and in their indispensability in a regime of liberty — if one wishes to get a grasp of the role of The Economy in a free society. 

The Economy is based on governmental actions and determinations and the political processes that drive the former. The Economy is neither an entity distinct from Politics and the State nor an alternative to a world where economic life is permeated by Politics and the State.

From my conception of liberty it follows therefore that theories of the economy that ignore, deny or trivialise the political and state-dependent nature of economic activity misrepresent the conditions of freedom.

I find MMT to offer a theory of The Economy that is congenial to my view of liberty according to which The Economy is a highly and inescapably political arena.

In tune with this post where I highlight the insight that

... the root problem of economics is the total confusion of anyone and everyone on what money is ...

I hope to show — as a preludium to my presentation of MMT — that in classical and neoclassical economics the desire to represent the overall economy as a system of benign equilibrium has led their adepts to leave out important aspects of The Economy (of a free society), in particular money, and that this omission has corrupted the subject matter both in terms of scientific integrity and in terms of its suitability for political advice.

The below quotes and links add to a growing bibliography from which I hope to draw a consistent account of how preconceptions in favour of a naturally equilibrating economy have prevented economics to adequately incorporate money into its reasoning and thereby committed itself to erroneous and irresponsible narratives of The Economy.

Ironically, the initial impulse to advertise the power of (relatively) free markets has enticed its advocats to ignore fundamental preconditions and implications of an economy operating under a regime of unprecedented liberty.

Free markets, in order to be as free as they possibly can and ought to be, require considerable and constant governmental and political intervention. Hence, the question is not whether markets must be free of governmental/political intervention or not—much rather, the pertinent issue relates to the kind and quality of such interventions.   

— — —

Mitchell in There is no unemployment in a non-monetary economy on Ricardo's Corn Model (Februrary 21, 2012):

This model was used to show how the rate of profit was determined by production (not exchange) and also was used to deny the possibility of generalised over-production.

This follows from the following logic. Total output (in units of corn) can be consumed (C) or saved (S). Any corn saved is automatically re-planted (which is considered to be investment (I)) so by definition C + I = C + S and so S = I. What is not consumed each year automatically becomes investment and the only question of interest is the composition between C and I. This was a simplistic version of Say’s Law.
Also contains interesting quotes from Paul Davidson and an explanation of how State Money is the prerequisite for unemployment.
Mitchell in The natural rate of interest is zero on Say's and Walras' Law (August 30, 2009):

Accordingly, you have to consider markets equilibrate through price adjustments and the economy tends to full employment (meaning there cannot be a deficiency of aggregate demand). So if consumption falls (because saving rises), the interest rate (in the loanable funds market) falls (excess supply of loans) and investment rises to fill the gap left by the fall in consumption. This is Say’s Law which is restated as Walras’ Law when multiple markets are introduced.

So the interest rate adjusts to the natural interest rate where the full-employment level of savings equals investment and all is well. There is never a shortage of investment projects but their introduction is impacted upon by the cost of funds. There is never unemployment!

Monday, 3 April 2017

The Fiscal Deficit Condition (4c) — Notes on Modern Monetary Theory

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Fortgesetzt von hier. (Die in dieser Serie von Posts veröffentlichten Aufzeichnungen verstehen sich als Notizen, die ins Unreine geschrieben sind, um meine Annäherung an das Thema zu begleiten).

Zwischenbetrachtung:

Ausgaben treiben die Wirtschaft. Der Kapitalismus lebt vom Verkauf. Größere Einnahmen durch gestiegene Verkaufserlöse bedeuten mehr Investitionen, auch in menschliche Arbeitskraft, das Einkommen wächst, es wird mehr konsumiert, die Wirtschaft erhöht ihren Ausstoß. In einer florierenden Wirtschaft wird ein so großer Anteil des volkswirtschaftlichen Einkommens für den Erwerb von Gütern und Dienstleistungen verwendet, dass Vollbeschäftigung herrscht. 

Wir interessieren uns deshalb für die Faktoren und Bedingungen, die dafür verantwortlich sind, wie hoch das volkswirtschaftliche Einkommen ist und wie groß der Anteil des Einkommens ist, der der Wirtschaft zufließt, um sie anzutreiben.

Die Theorie von den Bedingungen, unter denen eine Netto-Staatsverschuldung — "the fiscal deficit condition" im Titel dieses Posts — wünschenswert ist, postuliert Beziehungen zwischen den Komponenten des volkswirtschaftlichen Einkommens (Investitionen z.B.), die die Gesamtnachfrage und damit die wirtschaftliche Aktivität fördern, und solchen, die sie abbremsen (Steuern oder Ausgaben für Importe z.B.).

Diese "anabolischen" (den Organismus aufbauenden) und "katabolischen" (den Organismus abbauenden) Faktoren der Wirtschaft konvergieren ständig auf ein Gleichgewichtsniveau zu. Freilich kann Gleichgewicht auf den unterschiedlichsten Stufen erreicht werden, auch auf einem Niveau der Gesamtnachfrage, das unzureichend ist, um alle Ressourcen der Wirtschaft, besonders die menschliche Arbeitskraft, voll zum Einsatz gelangen zu lassen.

Wir werden uns nun mit den Bedingungen befassen, die das Einwirken der anabolischen Faktoren der Wirtschaft auf ihre katabolischen Faktoren steuern — und das wechselweise Überwiegen aufbauender oder abbauender Kräfte erklären — und insbesondere mit jener Konstellation, in der ein Gleichgewicht bei Vollbeschäftigung ein staatliches Haushaltsdefizit zur Voraussetzung hat. Also die Situation, in der der nicht-staatliche Sektor nicht imstande ist, ein Vollbeschäftigungs-Gleichgewicht zu erzielen, und der Staat nur Abhilfe schaffen kann, indem er mehr in die Wirtschaft hineinsteckt, als er aus ihr herausnimmt, sprich, ein Defizit verzeichnet.

Es wird sich im Rahmen dieser Theorie zeigen, dass der moralische Charkter des staatlichen Haushaltsdefizit sich nicht ohne Abwägung des konjunkturellen Kontexts bestimmen lässt. Das heißt: ob ein Haushaltsdefizit des Staats als "gut oder schlecht" zu bewerten ist, hängt ab von der Wirkung, die es auf Leistungskraft und Gesundheit der Wirtschaft ausübt. Selbst hohe und lang anhaltende Defizite mögen diesen Test bestehen. Wenn sie es tun, gibt es keinen Grund zur Besorgnis.   

Wir wenden uns im nächsten Post den Gleichgewichtsbedingungen zu.

Fortgesetzt hier.

[The theory of the fiscal deficit condition is a theory of the state of the economy. 

Depending on an economy's degree of healthiness and the requirements of regaining health, the prevailing shape of the economy may or may not justify a fiscal deficit. That is to say, a fiscal deficit is not per se "good" or "bad", no matter how large and enduring it may be. 

Whether it is advisable, or not, to pursue a state deficit is a question that is entirely contigent upon the point of the business cycle through which the economy happens to be passing. 

When the factors that expedite aggregrate demand ("anabolic" factors of the economy) and those that reduce aggregate demand ("catabolic" factors) form an equilibrium well below full employment of human and other resources, and when the non-state sector is incapapble of getting out of a low-employment-equilibrium, the state may be reasonably required to re-energise the economy by putting more into it than it is taking out of it, thus incurring a deficit, yet one that has a healthy effect on society. 

In the next post, we shall look at the way in which such equilibria are created by the interaction of "anabolic" and "catabolic" forces in the economy, and we shall investigate how income injections into the economy by the government may support healthy economic growth.]

Friday, 31 March 2017

The Fiscal Deficit Condition (4b) — Notes on Modern Monetary Theory


Hier betrachten wir die Kriterien, die laut MMT ein Defizit des Staatshaushalts ( = fiskalisches Defizit = Staatsausgaben > Staatseinnahmen) als verantwortungsvolle Option der Wirtschaftspolitik legitimieren. Wir untersuchen diese Kriterien im Lichte der in der Makroökonomie gebräuchlichen Saldenmechanik mit den volkswirtschaftlichen Sektoren: nicht-staatlicher Sektor, Staat und Außenwirtschaft:

Zunächst eine kurze Vorbetrachtung.

Das Niveau wirtschaftlicher Aktivitäten in einer kapitalistischen Wirtschaft hängt letztlich davon ab, dass Güter und Dienstleistungen abgesetzt werden. Je geringer die Nachfrage nach/der "Abverkauf" an Gütern, desto schwächer die Wirtschaftsleistung mit negativen Folgen für das Beschäftigungsniveau und den Lebensstandard der Menschen. Größere Verkaufsvolumina bringen die Wirtschaft in Gang, schaffen Arbeitsplätze und verbessern die Lage der Menschen.

Freilich, Verkauf setzt Käufer voraus.

Als Käufer kann nur agieren, wer über Einkommen verfügt. Für unsere Betrachtung ist es wichtig, sich klar zu machen, dass der "Gesundheitszustand" der Wirtschaft davon abhängt, wie viel Einkommen erzielt und wieviel davon ausgegeben wird, so dass dieses Einkommen verkaufswirksam wird und auf diese Weise die Wirtschaft ankurbelt. Ist das volkswirtschaftliche Einkommen gering und wird nur ein vergleichsweise kleiner Teil davon für Käufe verwendet, erlahmt die Wirtschaft, Beschäftigung, Einkommen und Lebensstandard sinken.

Wir interessieren uns deshalb für die Frage, welche Faktoren dafür sorgen, dass Einkommen in die Wirtschaft eingeschossen wird, und welche dazu führen, dass Einkommen zurückgehalten oder der Wirtschaft entzogen wird.

Zu diesem Zweck teilen wir die Aktivitäten der Wirtschaft in zwei Gruppen auf: Aktivitäten, die der Wirtschaft (während eines bestimmten Zeitraums) Einkommen zuführen und Aktivitäten, die der Wirtschaft Einkommen entziehen.

Oder anders ausgedrückt, Aktivitäten, die zur Gesamtnachfrage beitragen und solche, die sie verringern. Wobei wir unter Gesamtnachfrage die Gesamtheit der Ausgaben verstehen, die einer Volkswirtschaft als Einkommen zufließen, bezogen auf einen bestimmten Betrachtungszeitraum (z. B. ein Jahr).

Unter dem volkswirtschaftlichen Einkommen (BIP) verstehen wir die Summe aller Transaktionen eines Betrachtungszeitraums, die durch den Verkauf von Produkten entstanden sind, die in diesem Zeitraum in der betreffenden Wirtschaft produziert worden sind.

In der volkswirtschaftlichen Salden-Mechanik werden folgende Quellen des volkswirtschaftlichen Einkommens /volkswirtschaftlicher Ausgaben zugrundegelegt. Es handelt sich dabei um Aktivitäten, die Einkommen in die Wirtschaft einschießen und so zur Gesamtnachfrage beitragen—wir könne auch sagen, die folgenden Posten beantworten die Frage, aus welchen Quellen wir unser Einkommen beziehen:
  • Konsum der privaten Haushalte (C)
  • Investitionen des nicht-staatlichen Sektors (Firmen) (I)
  • Staatsausgaben (G)
  • Einnahmen aus dem Export (X)
Wir können die Zusammensetzung des volkswirtschaftlichen Einkommens auch unter einem anderen Gesichtspunkt betrachten, dem Gebrauch, den wir von unserem Einkommen machen/dem unsere Ausgaben dienen. Die Komponenten des Gebrauchs unseres Einkommens lassen sich aufgliedern in
  • Konsum der privaten Haushalte (C)
  • Ersparnis der privaten Haushalte (S)
  • Steuern (T)
  • Ausgaben für den Import (M)
Das aus den gerade aufgeführten Quellen in die Wirtschaft einströmende Einkommen wird also nicht in vollem Umfang wieder ausgegeben und damit in den verkaufsantreibenden Kreislauf eingespeist. Vielmehr wird ein Teil des Einkommens zurückbehalten zu Sparzwecken. Ein anderer Teil geht in Form von Steuern an den Staat, und der Teil unseres Einkommens, den wir für Importe ausgeben, fließt ab an den Rest der Welt:

Fassen wir noch einmal kurz zusammen:

Da jeder Ausgabe ein Einkommenszufluss entspricht, und also
volkswirtschaftliches Einkommen = volkswirtschaftliche Ausgaben
können wir das volkswirtschaftliche Einkommen (BIP) auf zweierlei Weise erfassen.

(1) Durch den Ausdruck

C + I + G + X

Er verzeichnet die Quellen und die vollständige Summe des volkswirtschaftlichen Einkommens.

(2) Und durch den Ausdruck

C + S + T + M

Dieser verzeichnet den Gebrauch, den wir vom volkswirtschaftlichen Einkommen machen und ist die vollständige Summe aller Ausgaben/Formen der Einkommensverwendung. S ist der Teil, den wir nicht konsumieren, nicht für Steuern und Importe ausgeben. Da die Summe der Einkommen der Summe aller Ausgaben entspricht, und somit beide Ausdrücke (1) und (2) dem BIP entsprechen, gilt:

 C + I + G + X = C + S + T + M

Kürzen wir C in der obigen Gleichung, erhalten wir folgenden Ausdruck:

I + G + X = S + T + M

Die linke Seite der Gleichung (I + G + X) steht für Einschüsse in die Wirtschaft, welche die Nachfrage anheben. Investitionen des privaten Sektors (I) bedeuten, dass Waren und Dienstleistungen gekauft werden, die zu Produktionszwecken benötigt werden. Staatsausgaben (G) stellen eine Quelle zusätzlichen Einkommens dar, das die Gesamtnachfrage hebt. Aus dem Rest der Welt fließen Erlöse aus dem Absatz von X — Exporten — in die Wirtschaft ein — buchstäblich von außen.

Die rechte Seite der Gleichung (S + T + M) bezeichnet Einkommen, das im Betrachtungszeitraum aus der Wirtschaft abfließt, und somit die Gesamtnachfrage verringert. Ersparnisse werden eben nicht unmittelbar im Betrachtungszeitraum für den Erwerb von Gütern ausgegeben, Steuern reduzieren das verfügbare Einkommen und Ausgaben für Importe fließen an andere Volkswirtschaften ab.

For an English version consult the source that inspired this post.

Fortgesetzt hier.


Saturday, 25 March 2017

The Fiscal Deficit Condition (4a) — Notes on Modern Monetary Theory

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Modern Money Theory (MMT) tends to stress the ability of the private sector to engage in the accumulation of net financial assets, the difference between assets and liabilities held in the sector. I was wondering the other day, why it might not be good enough to have a balanced position with intra-sectoral assets exactly offsetting liabilities. I couldn't figure out a sound and consistent answer. So I thought about the issue and read up this or that source. Here is a two-part first approximation to an answer.

Part I

The answer to the question why net financial assets by the non-governmental sector may be desirable in an economy is quite important because it is related to another foundational issue: do you believe in economic intervention by the government or not?

If you believe that the private sector may get stuck at a level of economic activity where economic resources are seriously underutilised (especially with high unemployment) and can not get out of that rut (at all or fast enough) without an external stimulus by the government then you are already giving a good reason in support of the accumulation of net financial assets by the non-governmental sector.

Under these circumstances, you need an injection of spending from somewhere into the private sector; and this job can be accomplished only by the government. Spending by the private sector is insufficient, whereas the government—being the issuer of currency—is in a position to create new money available for injection into the economy.

If the government takes more resources out of the economy than it puts into it, i.e. if it runs a budget surplus with taxes greater than government spending, this will obviously only worsen the situation. A balanced government balance will not alter the predicament. Rather, what is required is that the government puts more into the economy than it takes out of it, that is: it will have tp spend more than it takes out of the economy in the form of taxes. Put differently, government has to run a budget deficit, in order to be able to offset deficient spending by the private sector.

Fortunately, government is in a position to spend without a budgetary constraint. It can and ought to spend as much as it takes to bring the economy back to full capacity (and especially full employment).

(I concede that government might abuse this ability. By its spending it may support activities and projects that are detrimental to an economy's efficiency, social coehsion, political health etc. However, nothings precludes the possibility that government may be reasonable in its spending and attain considerable success in restoring an economy to a fuller and more desirable level of capacity utilisation. The fact that spending may take place in irresponsible manner does not entitle us to abandoning government spending in principle but should teach us to keep a vigilant and carefully discerning eye on government spending.)

Part II

In a world without a government sector, all ecocomic activity depends on spending by the private sector. 

Private or non-governmental spending may be separated into 

consumption (C) by households, 

investments (I) by firms, and 

net external spending (X-M) — i.e. export revenue (X) minus import spending (M) —, that is, the difference between spending received into the economy from the rest of the world in return for exports and spending draining out of the economy to sustain imports. 

Any decline in these sources of spending will reduce economic activity.

Insufficieny of private spending produces a so-called spending gap. The latter being defined as the additional spending needed to create demand that supports output levels which at current productivity levels will ensure enough jobs are avaialble for all the workers who desire to work.


So if private spending declines below a position at which full employment is sustained, government has the ability to reestablish a zero spending gap, either by direct government spending and/or a tax cut (that increases private disposable income and stimulates subsequent private spending).

At the end of the day, the answer to my initial question is:

If the private sector's aggregate spending is insufficient to avoid a spending gap, and if therefore it requires injections of spending from an outside source, government needs to put more into the economy (private sector) than it takes out of it, i.e. it must spend more into the private sector than it receives from it, thus creating government net financial liabilities that show up as net financial assets in the private sector

Inspired by this source.

[Unter welchen Bedingungen ist es wünschenswert, dass die Netto Finanz-Aktiven ( = Finanz-Aktiva übersteigen Finanz-Passiva) des privatwirtschaftlichen/nicht-staatlichen Sektors einen positiven Betrag ausmachen, so dass also die Finanzforderungen — die durch Finanztitel verbrieften Forderungen — des Sektors als Ganzes dessen Finanzverbindlichkeiten — die durch Finanztitel verbrieften Verbindlichkeiten — übertreffen?

Wenn es so ist, dass die Privatwirtschaft Ausgaben in einem Umfang tätigt, der insofern unzureichend ist, als er nicht ausreicht, um die Ressourcen der Wirtschaft auszulasten und insbesondere für Vollbeschäftigung zu sorgen, wäre es wünschenswert, wenn eine andere Kraft imstande wäre, diese Ausgaben-Lücke zu schließen. Diese Rolle kann der Staat übernehmen. 

Der Staat kann Ausgaben in unbegrenzter Höhe tätigen, da er der Emittent der in seinem Herrschaftsgebiet gültigen Währung ist. Das heißt, er ist insbesondere dazu befähigt, mehr Mittel in die Privat-Wirtschaft zu stecken als er dieser entnimmt. Er kann also die Ausgaben-Lücke dadurch schließen, dass er Ausgaben in der benötigten Höhe tätigt. Solange seine Ausgaben diesem wünschenswerten Ziel dienen, ist deren absoluter Umfang unproblematisch.

Im Sinne der volkswirtschaftlichen Sektoren-Salden bedeutet der Umstand, dass der Staat mehr in die Wirtschaft "steckt" als er aus ihr "heraus nimmt", dass ein Defizit des Staatshaushalts entsteht. Die Verbindlichkeiten des Staats (gegenüber der Privatwirtschaft) übersteigen seine Forderungen (gegenüber der Privatwirtschaft). Dieser Überschuss der staatlichen Verbindlichkeiten gegenüber dessen Forderungen ist das Gegenstück zum positiven Saldo der Netto-Finanz-Aktiva, die die Privatwirtschaft als Ganzes aufweist.]

Fortgesetzt hier.

Wednesday, 1 March 2017

Notes on Modern Monetary Theory (3a) — Sectoral Balances

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[If all spending engenders corresponding income, and if all transactions representing income and corresponding expenses are exhaustively documented, that is: uniquely traced to the sectors of the economy which are affected by them, the balances of these sectors must add up to zero, i.e. deficit(s) in one (or more) sector(s) are exactly offset by deficit(s) in one (or more) other sector(s).]

Sektorale Salden (sectoral balances) sind ein wichtiges Instrument, um die Stimmigkeit makroökonomischer Aussagen zu überprüfen. Wir betrachten in diesem Post zunächst lediglich die Saldenmechanik, d.h. wir richten unser Augenmerk auf die sektoralen Salden als einem tautologischen System - einem System von Aussagen, die definitionsgemäß wahr sind.

Eine Theorie, die im Einklang mit diesen definitorischen Wahrheiten steht, ist freilich deshalb nicht schon zutreffend, aber immerhin erfüllt sie ein erstes Gültigkeitskriterium. Mit theoretischen Deutungen der sektoralen Salden befassen wir uns ausführlicher erst in späteren Posts.

Die folgende Gleichung erfasst die Netto-Salden der volkswirtschaftlichen Sektoren: nichtstaatliche Binnenwirtschaft, nichtstaatliche Außenwirtschaft und Staat. Die Terme der Gleichung bilden die Zuflüsse und Abflüsse an volkswirtschaftlichem Einkommen ab, welche die effektive Gesamtnachfrage einer Volkswirtschaft in einem gegebenen Zeitraum bestimmen:

(G – T) = (S – I) – (X – M), wobei

(G – T) steht für 

G = Staatsausgaben

T = Staatseinnahmen, wobei

klarerweise der Staat einen Überschuss verzeichnet, wenn G < T, die Staatsausgaben geringer sind als die Staatseinnahmen. Der Staat weist ein Defizit aus, wenn G > T, die Staatsausgaben also die Staatseinnahmen übersteigen. Ein Staats-Überschuss bedeutet, dass der Staat mehr Einkommen aus der Wirtschaft absaugt, als er in sie hineinpumpt. Ein Defizit des Staatshaushalts bedeutet, dass der Staat mehr Einkommen in die Wirtschaft einspeist als er aus ihr abzieht.

(S – I) steht für, "Netto-Ersparnisse":

S = Ersparnisse des nicht-staatlichen Sektors

I  = Investitionen des nicht-staatlichen Sektors, wobei 

"I" ("Investitionen") als alles Einkommen des nicht-staatlichen Sektors aufzufassen ist, das nicht in Ersparnisse fließt.

Wenn also S > I, befindet sich der nicht-staatliche Sektor im Überschuss, er akkumuliert mehr Einkommen als er ausgibt; wenn S < I, ist der nicht-staatliche Sektor in ein Defizit geraten, er gibt mehr aus, als er einnimmt.

(X – M) steht für, "Netto-Exporte":

X = Exporte aufgefasst als Ausgaben des Rests der Welt, die in die betreffende Volkswirtschaft fließen, also Einkommenszuflüsse für die Volkswirtschaft,

M = Importe aufgefasst als Einnahmen des Rests der Welt, die aus der betreffenden Volkswirtschaft abfließen, also Einkommensabflüsse aus der Volkswirtschaft; so dass wir

(X – M) als Handelssektor oder externen Sektor oder Außenwirtschaft der betreffenden Volkswirtschaft auffassen, sprich als den Teil der Wirtschaft, der durch den Austausch mit dem Rest der Welt — der Welt außerhalb der fraglichen Volkswirtschaft — einen negativen, neutralen oder positiven Beitrag zum Einkommen der betreffenden Volkswirtschaft beisteuert. 

Der externe Sektor weist einen Überschuss aus, wenn X > M, d.h. wenn ein Netto-Einkommens-Zufluss vom Rest der Welt in die Volkswirtschaft stattfindet. 

Der Handelssektor weist ein Defizit auf, wenn X < M, d.h. wenn ein Netto-Einkommens-Abfluss aus der Volkswirtschaft an den Rest der Welt erfolgt.

Fazit: wenn ein Sektor mehr ausgibt als er einnimmt, befindet er sich im Defizit; das ist der Fall, 

wenn der Staat mehr ausgibt als er (größtenteils an Steuern) einnimmt, 

wenn der private Sektor mehr investiert als er spart, und 

wenn die Außenwirtschaft, durch den Bezug von Importen mehr ausgibt als sie durch Erlöse aus dem Export einnimmt.

Wenn nun gilt

  (G – T) = (S – I) – (X – M),

dann gilt auch:

  (G – T) – ( S – I) + (X – M) = 0

oder, leicht umgeformt:

[1.0]  (G – T) + (I – S) + (X – M) = 0,

denn 

– ( S – I) = (– S + I),

und

(– S + I) = (I – S)

Wenn, wie die Gleichung [1.0] voraussetzt, alle Transaktionen in einer Wirtschaft sich überschneidungsfrei jeweils auf einen dieser drei Sektoren aufteilen lassen, genauer: 

  • die Konten, auf denen sämtliche Zunahmen und Abnahmen des volkswirtschaftlichen Einkommens verzeichnet werden, eindeutig einem der drei Sektoren — Staat (G–T), Nicht-Staat (I–S), Externer Sektor (X–M) — zugeordnet sind. 

— oder anders gesagt, 

  • wenn jede Zunahme und jede Abnahme des volkswirtschaftlichen Einkommens durch dieses Schema [1.0] erschöpfend und eindeutig erfasst wird
müssen sich die Salden der jeweiligen volkswirtschaftlichen Sektoren gegenseitig ausgleichen/zu Null summieren. 

Das Defizit eines Sektors (oder die Defizite zweier Sektoren) wird (werden) durch die Überschüsse (den Überschuss) anderer Sektoren exakt gedeckt.

Das Defizit eines Sektors wird durch den Überschuss eines anderen Sektors oder zweier anderer Sektoren ausgeglichen. Beziehungsweise: das Defizit zweier Sektoren wird durch den Überschuss eines dritten Sektors ausgeglichen.

Nochmal anders ausgedrückt: 

Wenn 

  • allen in der Wirtschaft getätigten Ausgaben entsprechende Einnahmen (buchhalterisch lückenlos dokumentiert) gegenüberstehen und also  

  • alle Zuflüsse und alle Abflüsse des volkswirtschaftlichen Einkommens für alle Sektoren und damit für die gesamte Volkswirtschaft erfasst sind und also 

  • kein Sektor übersehen worden ist, dem volkswirtschaftliches Einkommen zu- oder abfließt, 

dann müssen sich die sektoralen Salden zu Null summieren. 


See also:

This lecture on circular flow of funds.

https://shadowproof.com/2012/03/07/s-i-g-t-x-m/


Inspired by this.

Wednesday, 22 February 2017

Notes on Modern Monetary Theory (2) — Accepted Money, Taxation, and Public Spending

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Hyman Minsky hat einmal gesagt — sinngemäß: Geld erzeugen ist kein Problem, das kann jeder. Die Schwierigkeit besteht darin, andere dazu zu bringen, es auch anzunehmen / es als Geld zu akzeptieren.

Warum tun wir das überhaupt - Geld als Geld akzeptieren?

Die Antwort, die MMT gibt, ist sehr einfach: weil wir steuern zahlen müssen.

Als Monopolist der Zwangsgewalt im Lande ist der Staat in der Lage, "Tribut" von seinen Bürgern zu verlangen: Steuern. Der Staat besitzt auch die Macht zu bestimmen, in welcher Form dieser "Tribut" zu leisten ist: nämlich in Form eines Zahlungsmittels seiner Wahl — in einer so genannten Währung, die er festlegt, kreiert und unter die Leute bringt.

Der Bürger muss also zusehen, dass er Mittel erwirbt, die es ihm erlauben, seinen Tribut an den Staat zu entrichten: anders gesagt, der (tribut-/steuerpflichtige) Bürger ist gezwungen, an Geld zu kommen, das vom Staat als Instrument der Steuertilgung sanktioniert wird.

Wie gelangt der Bürger in den Besitz staatlich sanktionierten Geldes? Er bietet seine Dienste und Produkte dem Staat gegen Zahlung der staatlich sanktionierten Währung an.

Wenn ein Bürger Geld dieser Art in genügender Menge einnimmt, kann er einen Teil davon an den Staat zurückgeben, um damit seine steuerlichen Verpflichtungen zu begleichen.

Modernes Geld wird vom Staat ins Leben gerufen und kann von diesem auch wieder aus dem Verkehr gezogen werden: der Staat erzeugt Geld, um Dienste und Produkte des nicht-staatlichen Sektors zu beziehen; dadurch erwirbt er die Ressourcen, die er benötigt, um der Gesellschaft (hoffentlich nützliche) Dienste zu erweisen (für die ein Staat besonders geeignet ist); indem er das von ihm geschöpfte Geld ausgibt kommt ein allgemein gültiges Zahlungsmittel in Umlauf. Bei Ablieferung des Geldes zwecks Zahlung von Steuern durch die Bürger, verschwindet das vom Staat erzeugte Geld wieder aus dem Umlauf; der Staat zieht es aus dem Verkehr, löscht es. Benötigt der Staat neues Geld, so emittiert er wieder einen neuen Schub an staatlich sanktioniertem Geld.

(Neben anderen Geldfunktionen) zeichnet sich unsere staatliche sanktionierte Währung als eine Art Schuldverschreibung aus, mit der sich der Staat verpflichtet, bei Vorlage dieses Geldes Steuerschulden zu löschen. Während der Bürger dem Staat "Tribut"/Steuern schuldet, verpflichtet sich der Staat dem Bürger gegenüber dazu, seine "Tribut"-Forderungen gegen ihn aufzuheben, wenn ihm dafür vom Bürger die (als "Tribut") festgelegte Summe staatlich sanktionierten Geldes überlassen wird/wieder zufließt (der Staat hatte das Geld ja ursprünglich in Umlauf gebracht).

Daraus ergibt sich der erstaunlich anmutende Umstand, dass zuerst staatliche Ausgaben — die Emission und Einspeisung in die Wirtschaft von Geld durch den Staat — erfolgen müssen,  bevor nicht-staatliche Institutionen überhaupt imstande sind, dem Staat Geld zu geben, sei es in Form von Steuern oder Krediten. 

Erst muss der Staat Geld erzeugen und ausgeben, bevor es überhaupt unter die Leute kommen kann. Um sich zu finanzieren braucht also der Staat nicht seine Bürger erst um Geld zu bitten. Er finanziert sich NICHT durch Steuern. Der Staat bedarf auch NICHT der Kreditfinanzierung durch nicht-staatliche oder irgendwelche anderen Stellen. Er gibt Geld aus, das er selbst ins Leben ruft. Mit diesem Geld besorgt der Staat sich die Ressourcen, die er benötigt. Die Bürger nehmen die vom Staat verfügte Währung an, weil der Besitz derartigen Geldes es ihnen gestattet, sich von drohenden staatlichen Repressalien durch Steuerzahlung frei zu kaufen (eine negative Lesart; wenn der Staat gute Dienste leistet, sehen die Menschen die Notwendigkeit von Steuerzahlungen ein).

Außerdem eröffnet der Umlauf einer Währung, (a) die steuerbefreiend ist, (b) das Medium staatlicher Zahlungen und Zuwendungen darstellt und (c) als allgemeines Zahlungsmittel fungiert, die Möglichkeit, gewissermaßen die Temperatur der Wirtschaft zu regeln.

Nähert sich die Wirtschaft ihrer Kapazitätsgrenze, d.h. übersteigt die nominelle Nachfrage (das Geld in den Taschen der Bürger) die reale Leistungsgrenze der Wirtschaft (die Anzahl an Krankenschwestern etc.), so dass inflationärer Druck entsteht, kann der Staat die Steuern erhöhen und damit die Fähigkeit der Bürger, Nachfragedruck auf die Kapazitäten der Wirtschaft auszuüben, herabsetzen. Eine inflationäre Überheizung wird vermieden. 

Umgekehrt, wenn Kapazitäten noch ungenutzt sind und Vollbeschäftigung längst noch nicht erreicht ist, kann der Staat die Steuern senken und somit Mittel im nicht-staatlichen Bereich freisetzen, die den Bürgern nun zur Verfügung stehen, um stärkere Nachfrage nach den Produkten und Dienstleistungen der Wirtschaft zu erzeugen, so dass brachliegende Kapazitäten zum Einsatz kommen.

Das ist, in aller Kürze, die Antwort der MMT auf die Frage, warum Fiat-Geld Akzeptanz als allgemeines Zahlungsmittel findet.

Wichtige Erkenntnis oder immerhin bedenkenswerte These: der moderne Staat, als souveräner Währungsemittent (was die europäischen Staaten der EU nicht mehr sind), unterliegt keinen (a) finanziellen Beschränkungen bei der Tätigung von Ausgaben, die für die Verwirklichung seiner Projekte benötigt werden. 

Er mag (b) politischen Beschränkungen unterliegen (z.B. ein demokratisches Verbot, bestimmte Projekte durchzuführen oder unsinnige oder sinnvolle gesetzliche Grenzen für das staatliche Haushaltsdefizit). Außerdem unterliegt der Staat sehr wohl (b) materiellen Beschränkungen, da die Ressourcen einer Wirtschaft endlich sind. Aber er kann niemals insolvent werden. Er ist nicht auf nicht-staatliche Kräfte als Geldgeber angewiesen, um Projekte zu finanzieren, die von ihm gewollt sind. Es besteht keine zwingende Notwendigkeit für den Staat, Schuldtitel in Form von Staatsanleihen zu emittieren, um sich zu finanzieren — er mag sich aus anderen Gründen kluger- oder weniger klugerweise verschulden — diese Gründe betreffen aber nicht seine Fähigkeit, Mittel in beliebiger Höhe aus eigener Kraft aufzubringen (wie wir in späteren Posts sehen werden).

Vielleicht gelingt es der Gemeinschaft, dem Staat zu verbieten, Kirchen zu bauen oder Kirchen abzureißen. Allerdings liegt hier eine politische Beschränkung vor, nicht jedoch eine durch Ressourcen gesetzte. Solange die Wirtschaft noch nicht an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen ist, hat der Staat immer die Möglichkeit, durch Emission seiner eigenen Währung die ihm nötigen Ressourcen zu mobilisieren.

Das heißt, ob es richtig ist oder nicht, dass ein Staat Geld ausgibt, vielleicht sogar ein Staatsdefizit aufbaut (mehr Staatsausgaben als Staatseinnahmen), entscheidet sich von Fall zu Fall, je nach Lage der Wirtschaft — die richtige Antwort lässt sich nicht in starre Kennzahlen gießen (wie im Maastrichter Vertrag). 

Modern fiat money is being generally accepted as people are required to pay taxes in the currency issued by the state. The currency issuing modern state does not depend on taxes or debt to finance its activities. Before people are able to pay taxes or extend credit, the state must first issue its currency. That is to say, the state is in a position to issue as much money as it requires for its purposes. 

Thus, in its ability to spend, the state is not financially restricted. However, it can be restrained politically to engage in certain forms of spending or it may be inhibited in its command of resources by the material limits of the economy. As long as the economy's capacity limit has not been reached, the state can always extend its spending. In the face of capacity underutilisation in the economy, it may well be that the state is justified in vastly extending its spending, while rigid ratios restricting state spending fail to take account of the specific circumstances of an economy which may or may not warrant considerable further spending.

By increasing its tax demands on the population the state may cool an overheating economy, By decreasing its tax demands on the population the state may provide the population with increased means to energiese economic activity.

Inspired by this.