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Sunday, 16 December 2018

Der (falsche?) Kitzel der Ökonomie (1) — Die klassischen Wurzeln der modernen Wirtschaftstheorie

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Der Titel widerspricht meiner Absicht – sollte er langweilig klingen. 

Eigentlich möchte ich Aufmerksamkeit wecken und für Spannung sorgen, indem ich die grundlegendsten Grundlagen der Ökonomie anspreche. Ich würde den Leser gerne darüber in Staunen versetzen, wie haltlos die fundamentalen Postulate der ehrwürdigen Ökonomenzunft sind. 

Allerdings habe ich gerade noch per Nachbesserung den ersten Teil der Überschrift eingefügt, um vielleicht Lust und Neugier beim Leser zu steigern.

Logische Lücken, totgeborene und verfaulte Wurzeln in der Ökonomie sind damit zu erklären, dass  ihre Ziele und Zwecke sich schneller und gründlicher geändert haben als das Lehrgebäude, mit dem sie unser Denken lenken will. 

Wir haben es mit einer Geologie des Moders zu tun, mit Sedimenten, die zum Überbau schlecht passen – mit verborgenen Annahmen, die nicht übereinstimmen mit der selbstbewussten Behauptung, die Ökonomie zeichne ein realistisches Bild der Wirtschaft und kläre uns sachgerecht über die Optionen auf, die wir im Umgang mit ihr haben.

Die Klassische Ökonomik (KÖ) behauptet, dass es keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit gäbe. 

Sie behauptet, dass die Märkte, aus denen die Wirtschaft sich zusammensetzt, immer im Gleichgewicht seien, im Einzelnen und in ihrem Zusammenspiel, sodass alle Ressourcen optimal verteilt und eingesetzt werden und wir daher in den Genuss der höchstmöglichen Leistungskraft der Wirtschaft gelangen – es sei denn, externe Faktoren störten dieses Gleichgewicht oder hinderten diese Gleichgewichtsordnung daran, auf das happy end zuzusteuern, zu dem ihre natürliche Mechanik unweigerlich führe.

Es ist natürlich nicht so, dass die klassische Ökonomik mit einer auf Realitätsnähe bedachten Beschreibung der Wirtschaft begonnen hätte. Vielmehr hat sie nachträglich rationalisiert – hat einen Idealzustand unterstellt – die Wirtschaft als Gleichgewichtsordnung – und ist vor Eifer gleich einen großen Schritt weitergesprungen, um zu erklären, was fehle, wenn das System aus den Fugen gerate, und welche Mechanismen außer Kraft gesetzt seien, wenn der natürliche Gleichgewichtszustand nicht erreicht werde.

Das Denken über die Wirtschaft hat seinen Anfang in den Bemühungen genommen, das Wirken wirtschaftlich selbstständiger Schichten zu rechtfertigen. Zu Recht wurde betont, dass Gutes zu erzielen sei, wenn ein freieres Wirtschaften gestattet werde und wie es gelingt, mit diesen Aktivitäten Gutes hervorzubringen.

Da gilt es Zusammenhänge freizulegen und sie zu erklären – zum Beispiel wie es zur Markträumung – dem Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage – kommt, Überangebot und Engepässe vermieden werden. 

Sherlock Holmes und die Ökonomik

Doch das Gepäck, das die Ökonomie bis heute mit sich herumträgt, enthält auch den Ehrgeiz eines rationalistischen Zeitalters, das uns treffend in der Figur des Sherlock Holmes versinnbildlicht worden ist. Holmes steht für eine Welt, die vollständig erklärbar ist.

Und das versucht auch die Ökonomie, die ihre Rationalisierungen in den Dienst der vermeintlich besten aller möglichen Welten stellt – jener,  für die sie Werbung machen will.

Dazu passt auch der unreife Eifer, den Status einer exakten Wissenschaft zu erlangen. Von dieser Sehnsucht getrieben, stürzt sich die Ökonomik in ein Abenteuer, bei dem sie den Realismus ihrer Darstellungen aus den Augen verliert. Sie verschreibt sich ganz den Details ihrer Rationalisierungsvehikel, schätzt Gleichungen und mathematische Methoden höher als den Zweck, etwas Sinnvolles über die Wirtschaft zu erfahren. 

War sie in ihren Anfängen eine nützliche Fackel, die Licht in die neue Welt des Kapitalismus bringen und den Unternehmern und den nach Selbstständigkeit drängenden Teilen der Bevölkerung verdiente Schützenhilfe leisten wollte, gestaltet sich die Ökonomik bald zum Instrument ideologischer Vorlieben. Sie fertigt Skizzen einer Welt an, in der die Interessen einer Klasse so geschickt verwischt werden, dass sie scheinbar mit den Interessen aller in Einklang stehen.

Erst Keynes stellt sich im Zuge der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre der ideologischen Vereinnahmung der Ökonomik in den Weg.

Die Makroökonomie wird geboren. Sie lehrt uns, dass die Mikroökonomie – die Beschreibung der Bedingungen, unter denen individuelle Wirtschaftssubjekte ihre Interessen maximieren können – nicht gleichzeitig schon eine Lehre sein kann, die auch die Funktionsweise, das Potenzial und die Anfälligkeiten der Gesamtwirtschaft angemessen wiedergibt.  

Die Gesamtwirtschaft folgt zum Teil ganz anderen Gesetzen als das wirtschaftlich maximierende Individuum (Einzelperson, Haushalt, Unternehmen).

Wenn ein einzelnes Unternehmen Löhne kürzt, kann dies gut für dessen Entwicklung sein, sogar eine betriebliche Erholung anstoßen, die langfristig zur Einstellung einer größeren Zahl an Mitarbeitern und zu höheren Löhnen führen mag. Wenn aber in der Wirtschaft insgesamt die Löhne gekürzt werden, lässt die Nachfrage auf breiter Front nach. Die Unternehmen mögen nun kostengünstiger und potenziell mit höherem Gewinn  produzieren, aber was nützt das, wenn ihnen die Kunden ausbleiben?

Was mikroökonomisch Sinn macht, ergibt makroökonomisch noch lange keinen Sinn.

Mehr hier.

Tuesday, 15 May 2018

Keynes — A Start (2)

Image credit. Tilton House in Sussex, Keynes retreat.


An Addendum to Keynes — A Start (1):

From Keynes foreword (1936) to the German edition of his General Theory.
The theory of aggregated production, which is the point of the following book, nevertheless can be much easier adapted to the conditions of a totalitarian state than the theory of production and distribution of a given production put forth under conditions of free competition and a large degree of laissez-faire.

Anyone who is acquainted with Keynes politics knows that this is not an endorsement of totalitarianism. And even though it may not have been meant to serve as a hint to the possible abuse of the naturally ambivalent instrument of Keynesian demand management, I do read it in this light.

Keynes — A Start (1)

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This is my note to Nick in which I thank him for offering on his blog the below video introducing Keynes.

Thank you, Nick, for this nice introduction. It is always a good idea to sketch the virgin basics before burdening them with our prejudices. I may well be wrong, as I have hardly read Keynes in the original, except the Consequences of the Peace, and his essays and a few impenetrable chapters of the General Theory, relying instead mainly on secondary sources like Minsky, Davidson and Mitchell, but I seem to remember, especially from the essays, that Keynes was exceedingly critical of politics and in that sense not exactly naively optimistic of its benign potential (as the clip appears to be insinuating). But this did not leave him with cynicism alone, of which he was quite capable, and disdain and apathy. He saw chances of the promising kind as well, and he went after them. And it could be quite possible that my living in a prosperous and peaceful era was in no small measure thanks to him. But, of course, random factors that may happily conspire to shape a livable epoch are always at work as well. In Germany, for instance, we were lucky to attenuate Marxism and radical socialism on the one hand and naive liberalism and stubborn conservatism on the other to end up with the type of social democracy that understands that capital and labour have different interests and that these can only be reconciled if a balance of power is established between the two parties. My reading of Keynes and his attitude, again it may be wrong, is that in the face of possible failure he realised that if we try (Keynesian policies) we may still succeed for a while, and if we do not, another effort may yield the desired success a little later; while “in the long run we are all dead”, in the short run we may lead better or worse lives and be able to achieve the former if only we make a constructive effort. This is what I like about “my” Keynes: he recognises what economics does not recognise that capitalism is a mixed economy, not an ideal type, it is necessarily political in nature and judicious political intervention may ensure outcomes far superior to ideologically blinded approaches such as envisioned by Marxism or neoliberalism. As I argue with adepts of MMT: I am prepared to accept that their economic policies are the ones we must pursue to achieve the best results, but there is also the possibility that we apply them and still fail, even miserably, as Keynesian demand management can equally be the instrument of the most desirable and the most despicable ends, as Keynes himself reminds us in his preface to, I believe, the Japanese translation of his General Theory.




Continued at Keynes — A Start (2).

Thursday, 29 March 2018

If Equilibrium Economics Is Wrong Why Is Capitalism Still the Best Economic System?


German summary below / deutsche Zusammenfassung unten

The only consistent defence of capitalism is provided by equilibrium economics. However, equilibrium economics is demonstrably wrong. It comes in two variants: one is the Walrasian and (later the) Arrow-Debreu type of mathematical model. However, mathematical equilibrium economics bears no resemblance with reality: it excludes time and space, human uncertainty and competitive processes. The other variant of equilibrium economics postulates market clearing processes — like interest rates  equilibrating savings and investments (loanable funds theory) — that do not exist in reality.

Still, capitalism is the best economic system that we have.

Why do we not seem to be able to explain its superiority?

Hayek comes pretty close to a satisfactory explanation and defence of capitalism's relative superiority. Unfortunately, being wedded to a radical capitalist bias, Hayek does not bring himself to admit that capitalism has serious shortcomings that it cannot overcome without interventions from outside of it. I would tend to agree, among the most important of these shortcomings are desirables that cannot be attained by the unwavering pursuit of profits: full employment and desirable social achievements like universal medical coverage or retirement security.

It would be, however, mistaken to dismiss capitalism for these deficiencies. After all, it is the economic system that provides the community with the wealth from which social improvements can be sourced that the market mechanism will not normally provide or not at all.

Hayek is right in criticising equilibrium economics for presupposing the answer to the question why an economy is capable of bringing about equilibrium rather than explaining the manner in which equilibrium is attained.

According to Hayek, the key to capitalism's superiority is its unique ability to collect and disseminate information needed to coordinate the plans of the agents operating in an economy. The price system is central in this regard. But it is not the only factor ensuring that people are able to reliably coordinate their objectives with the plans of other economic agents. 

Surprisingly, Hayek emphasises the role of certain select extra-economic institutions in creating this infrastructure of mutual predictability, such as social customs of decency, the rule of law, and the guaranteed expression and protection of differing interests by legal and political means.

At the same time, unfortunately, Hayek tends to condemn the extra-economic processes in their political form, by which people constantly work out the details of this infrastructure. (He creates an artificial distinction between principles and politics, when in fact political influence is what tests and shapes principles).

The main takeaway for my purposes is that we are able to explain capitalism's superiority without having to offer a coherent formal model or make claims of perfect equilibrium outcomes and absolute economic and social optima.


Deutsche Zusammenfassung:

Die einzige zusammenhängende Rechtfertigung des ökonomischen Systems des Kapitalismus liegt uns in Gestalt der Gleichgewichtsökonomie vor. Doch diese ist nachweislich unzutreffend. Sie begegnet uns in zweierlei Form – zum einen: die mathematischen Modelle von Walras und später Arrow-Debreu. Die mathematische Gleichgewichtstheorie entbehrt jedoch jeder Ähnlichkeit mit der wirtschaftlichen Realität, da in diesen Modellen von Raum und Zeit, menschlicher Ungewissheit und Wettbewerbsvorgängen abgesehen wird.

Zum anderen unterstellt die zweite Variante der Gleichgewichtsökonomie (gleichgewichtsherstellende) Markträumungsabläufe, die in der Wirklichkeit einfach nicht anzutreffen sind – z. B. die vermeintliche Funktion des Zinses, Ersparnisse und Investitionen ins Gleichgewicht zu bringen.

Und doch ist der Kapitalismus, das beste ökonomische System, das wir kennen.

Warum sind  wir nicht in der Lage, seine Überlegenheit zu erklären?

Friedrich Hayek kommt einer befriedigenden Erklärung und Verteidigung der relativen Überlegenheit des Kapitalismus einigermaßen nahe. Leider bleibt Hayek an radikalkapitalistische Vorurteile gefesselt. Deshalb gelingt es ihm nicht, sich dazu durchzuringen, einzuräumen, dass der Kapitalismus auch ernsthafte Defekte aufweist, die er ohne Eingriffe von außen nicht überwinden kann. Ich selbst würde ohne weiteres jenen beipflichten, die meinen, dass zu den wichtigsten dieser Defekte die Unfähigkeit zählt, bestimmte wünschenswerte gesellschaftliche Zustände durch ein profitorientiertes Wirtschaften herbeizuführen, etwas Vollbeschäftigung und soziale Errungenschaften wie eine lückenlose medizinische Versorgung und Altersvorsorge für alle.

Es wäre jedoch ein Irrtum, den Kapitalismus wegen dieser Defekte in Bausch und Bogen abzulehnen. Schließlich haben wir es bei ihm mit dem ökonomischen System zu tun, das die Gesellschaft in beispielloser Weise mit dem Wohlstand versorgt, der die erwünschten sozialen Errungenschaften, die der Markt selbst nicht hervorbringt, wirtschaftlich überhaupt erst ermöglicht.

Hayek hat Recht, wenn er die Gleichgewichtsökonomie dafür kritisiert, dass sie die Antwort auf die Frage, wieso eine Wirtschaft einen Gleichgewichtszustand erzielen kann, bereits voraussetzt, statt zu erklären, wie das Gleichgewicht zustande kommt.

Laut Hayek ist der Schlüssel zur Überlegenheit des Kapitalismus in seiner einzigartigen Fähigkeit zu finden, Informationen aufzunehmen und weiterzugeben, die benötigt werden, damit die Wirtschaftsteilnehmer ihre ökonomischen Pläne untereinander koordinieren können. Eine zentrale Rolle hierbei spielt das Preissystem. Aber es gibt auch andere Faktoren, die sicherstellen, dass die Menschen sich aufeinander verlassen können, indem sie ihre Ziele dadurch erreichen, dass sie sie mit denen anderer Wirtschaftsteilnehmer verzahnen. Dazu gehört die politische Abstimmung der Menschen untereinander.

Es ist erstaunlich, dass Hayek einerseits bestimmte außerökonomische Institutionen in ihrer Fähigkeit, eine Infrastruktur der gegenseitigen Berechenbarkeit zu erschaffen, hervorhebt – etwa soziale Anstandsregeln, den Rechtsstaat und die garantierten Rechte der Menschen, ihre Interessen  auf rechtlichem und politischem Wege geltend zu machen.

Leider verurteilt Hayek andererseits die Abläufe in ihrer politischen Form, mit denen die Menschen unentwegt an den konkreten Ausprägungen dieser Infrastruktur der gegenseitigen Berechenbarkeit feilen. (Hayek macht einen künstlichen Unterschied zwischen Prinzipien und Politik. Tatsächlich fallen Prinzipien nicht vom Himmel: sie  entstehen und wandeln sich durch politische Einflussnahme.)

Wie dem auch sei, das wichtige Ergebnis dieser Überlegungen für meine Zwecke ist, dass es möglich ist, die Überlegenheit des Kapitalismus zu begründen, ohne dazu gezwungen zu sein, ein kohärentes formales Modell zu bemühen, oder idealisierende Behauptungen über vollkommene Gleichgewichtslagen oder ökonomische und soziale Optima aufzustellen.

Siehe auch meine umfassende Hayek-Kritik in Das Paradoxon der Freiheit

Saturday, 6 January 2018

Financial Funding, Real Funding, and Coercive Taxes

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Deutscher Zwillingsbeitrag hier.

In the below video, before going into the mechanics of sectoral balances corresponding to the differing states of a government budget (balanced, in deficit, in surplus), Bill Mitchell takes up two points a previous speaker had made.

1)  Adam Smith, the speaker claims, postulated that no one should be required "to contribute more than is necessary to the effective operation of government" [by paying taxes]. The idea is to evoke Adam Smith — supposedly the patron saint of free markets — as supporting the cause of budget deficits.

Bill Mitchell retorts by saying that Adam Smith was wrong, embarrassing the speaker somewhat.

I am not sure, the criticised deserved the rebuff. I don't think he actually stated that the government needs tax money from the people to be able to spend.

Rather, the speaker had more generally referred to the tax payer's contribution "to the effective operation of government".

Bill Mitchell recognises that such a contribution is necessary — however not in terms of financial funding but in terms of real funding, for lack of a better expression (see below). 

The government does not have to take money from the taxpayers in order to be able to spend/finance its expenses ( — to which I refer as financial funding). The state is the issuer of money and can provide itself with as much money as it ever cares to spend.

But government can only spend, i.e. buy the goods and services that are available from the economy, if these wares have not yet been claimed and removed from the range of articles to be had via purchases made by the taxpayer.

Therefore, one function of taxes is to restrict the range of real goods and services that the taxpayers might snatch away from the available supply of goods to the exclusion of the government. Taxes reduce the purchasing power of taxpayers; as a consequence, more stuff is left over which government is able to get hold of (real funding) by using its spending power.

Assuming that the bulk of useful goods and services is produced by taxpayers, one could argue that government does depend on taxpayers for its spending needs in the sense that taypayers (a) have to create the wares to begin with and then (b) need to be curtailed in their ability to arrogate all of the supply to themselves by diminishing their purchasing power through taxes.

The issue is not whether government has enough money to make the purchases it wishes to make — government always has enough money.

The pertinent issue is 

  • how large is the real supply of good and services, of what quality is it — especially with regard to public purpose (the needs of the community;  "do we have enough doctors and nurses?" —, and 

  • what is a reasonable balance between the proportions of claims made on the real supply by government and by the non-government sector, respectively. And not least, 

  • how does spending, no matter by whom, relate to the availability of real resources? 

Everyone — the private sector no less than government — is able to engage in risky, inflation-inducing spending, that is: spending where nominal demand exceeds the ability of the economy to provide the sought after resources.

2) This leads to the second point that Bill Mitchell disagrees with: the previous speaker insinuated that taxes are not coercive, while Bill adamantly claims they are. I think, Bill is right. 

Would I pay taxes, if I did not have to? I don't think I would. At least, probably not as much as might be needed from me. 

Would people be willing and able to provide the amount needed to fund government sufficiently in real terms (see above)? 

There is no doubt in my mind, first that for government to operate properly it must have coercive powers that may be used to override unwillingness and resistance on the part of tax debtors.  

Second, a strong private sector is predicated on a strong state with the requisite coercive powers — the latter, of course, being necessarily subjected to constitutional and other legal constraints as well as democratic control.

Yes, a government can destroy its own currency by destroying the economy that produces the things a government needs to avail itself of, that is: by undermining the people's ability to engender an abundance of goods and services that ensure a high standard of living and a well-resourced government.

Conversely, in order to attain such abundance, the non-government sector depends on a strong and effective state. Such a state ought to be a democratically accountable sovereign currency issuer with democratically controlled coercive powers to tax and to effectuate fiscal, monetary and other economic policies.

I suspect, in claiming taxes aren't coercive, the previous speaker was having in mind the democratic framework within which taxation is determined and controlled. However, democratic control does not make taxation any less coercive. A state that isn't able to enforce its tax regime is not viable, irrespective of the degree and quality of democracy underlying its existence.





See also my German post on Bitcoin.

Saturday, 30 December 2017

EU (2) — Balance the Economy, Not the Budget

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Stephanie Kelton erläutert, warum die vermeintliche Tugend eines ausgeglichenen Staatshaushalts ein Relikt aus der Zeit des Goldstandards ist.



Es ist kontraproduktiv, heutzutage noch an diesem Relikt festzuhalten.

Unter dem starren System des Goldstandards war es insofern ratsam, auf einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu achten, als die Menge an Geld ( = Gold) beschränkt war, und ein Staat sich ruinieren konnte, wenn er mehr Geld ( = Bezugsscheine für Gold) ausgab, als durch in seinem Besitz befindlichem Gold gedeckt war.

Doch eine derartige Verknappung des Geldes besteht nicht mehr, wenn ein Staat zum souveränen Währungsemittent wird, wie das im System des Fiat-Geldes der Fall ist – wenn man denn diese Variante politisch will.

Die europäischen Staaten, einschließlich Deutschlands, haben ihre Währungssouveränität mit der Mitgliedschaft in der EU (m. E. unklugerweise und ohne Not) aufgegeben. 

Zudem lassen sie sich in den grundlegenden Vertragstexten der EU (Maastrichter Vertrag etc.) ausdrücklich zu einer unnötig starren und verengten Haushaltspolitik à la Goldstandard verpflichten.

Demgegenüber ist ein währungssouveräner Staat nicht durch die Geldmenge eingeschränkt; er hat deswegen viel größere Möglichkeiten, die Wirtschaft durch ihre Konjunkturphasen hilfreich zu begleiten als die Länder der heutigen EU oder seinerzeit die Länder, die sich dem Goldstandard unterworfen hatten.

Um der Wirtschaft zu einem steten Kurs zu verhelfen,  muss der Staat darauf achten, dass das Geldangebot den Phasen des Konjunkturzyklus angepasst ist. 

Bei drohender Überhitzung muss der Staat auf die Bremse treten (die Staatsausgaben zurückfahren). 

Bei einem Abschwung sollte er kräftig Gas geben (das Haushaltsdefizit erhöhen).

Und bei einigermaßen reibungslosem Wachstum auf schon recht hohem gesamtwirtschaftlichen Auslastungsniveau sollte der Staat nur noch sachte beschleunigen oder vorsichtig bremsen.

Eine antizyklische Budgetpolitik dieser Art lässt sich natürlich nicht durchführen, wenn man der Wirtschaftspolitik rigide Richtwerte aufoktroyiert, wie dies die EU tut.

Das Vorzeichen und die Höhe des Staatshaushalts stehen, anders als die Verträge der EU suggerieren, in keinem ein für alle Mal festgelegten Zusammenhang mit den Erfordernissen sachgerechter Konjunkturpolitik. 

Es kann sehr wohl vernünftig sein, ein verhältnismäßig hohes Staatsdefizit zu „fahren“, um eine Krise abzuwenden oder einen Aufschwung einzuleiten.

Die vielfach suggerierte Gefahr einer Überschuldung durch ein hohes Haushaltsdefizit besteht einfach nicht. 

Als souveräner Währungsemittent ist der Staat jederzeit in der Lage, seine Verbindlichkeiten zu begleichen.

Auch gehen hohe Staatsschulden durchaus nicht auf Kosten künftiger Generationen – bedenkt man die Aussage des vorhergehenden Absatzes. 

Im Gegenteil, wenn wir es heute unterlassen, Krisen abzuwenden oder die Wirtschaft wachsen zu lassen, so hat dies nachteilige Konsequenzen für die nachfolgenden Generationen, die sich auf ein niedrigeres wirtschaftliches Niveau zurückgeworfen sehen.

Was zählt ist der Auslastungsgrad der Wirtschaft. 

Wenn die Kapazitäten überstrapaziert werden, Überhitzung und Inflation drohen, sollte der Staat seine Ausgaben verringern. 

Wenn Ressourcen brachliegen, ist es angezeigt, die Wirtschaft durch Ausweitung staatlicher Ausgaben anzukurbeln.

Einen ausgeglichenen Staatshaushalt zum Ideal zu erheben, bedeutet ihn als Selbstzweck zu behandeln. 

Doch derlei ist reiner Fetischismus, der auf einer ebenso beliebten wie falschen Analogie fußt – nämlich dem Modell eines privaten Haushalts als Vorbild für den Staatshaushalt. 

Tatsächlich funktioniert ein Staat anders als der Haushalt einer Privatperson, einer Familie oder eines Unternehmens. 

Der Staat ist Währungsemittent. 

Er kann jeden Finanzbedarf, den er verspüren mag, durch Geld-Emission befriedigen. 

Gewöhnliche Haushalte sind keine Währungsemittenten. 

Infolgedessen verfügen sie über keine unbeschränkte Finanzquelle. 

Sie sind gezwungen, Geld zu verdienen (wenn das nicht andere schon für sie – Erben, Lottogewinner etc – getan haben), um ihren Finanzbedarf zu decken.

Die Architekten der EU jedoch haben das nicht verstanden.

Sie sind davon ausgegangen, dass die EU einem gewöhnlichen Haushalt gleicht.

Sie haben völlig willkürlich bestimmte Zahlenwerte in Stein meißeln lassen, die 

  • zum einen eine bloße (höchst kostspielige) Verbeugung vor der unsinnigen Haushaltsanalogie darstellen und 

  • zum anderen, eine bewegliche Anpassung an die im Wandel des Konjunkturzyklus auftretenden Notwendigkeiten der Wirtschaft mit folgenschweren Konsequenzen behindern.

Die EU ist auf dem Fundament eines austeritätslastigen Fetischs gebaut worden.

Ich schreibe „austeritätslastig“ um hervorzuheben, wie die Politik des ausgeglichenen Staatshaushalts unweigerlich dazu führt, dass 

  • die Wirtschaft stärker als nötig gebremst wird,

  • ihr Ressourcen entzogen oder vorenthalten werden gerade dann, wenn sie dieser am dringendsten bedarf und

  • eine Krise nicht abgewendet oder ein Aufschwung nicht angeschoben wird, obwohl die Möglichkeit dazu besteht. 

Daher die Dauerstagnation in der EU und der desolate wirtschaftliche Zustand vieler ihrer Mitgliedsstaaten.

Was vielmehr benötigt wird, ist eine ausgeglichene Entwicklung der Wirtschaft, nicht ein ausgeglichener Staatshaushalt.

Die Wirtschaftspolitik sollte daher bemüht sein, den Staatshaushalt dem Konjunkturverlauf anzupassen, sodass letzterer einen stetigen, niemals unnötig abbrechenden und niemals überhitzenden Wachstumspfad einschlägt.

Tuesday, 26 December 2017

(7) Models Modelling Themselves — Why Macroeconomics Gets Secular Stagnation Wrong

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Fortgesetzt von hier.

Der Autor, auf den ich mich beziehe, führt Quellen an, denen zu Folge die Sparneigung der Haushalte weltweit dramatisch abgenommen hat seit den 1980er Jahren, sodass die These von einer Ersparnissschwemme, die demografischen Ursprungs sei, nicht haltbar erscheint. 

Überdies zeigt sich, dass die durchschnittliche Sparneigung aller Wirtschaftsteilnehmer weltweit im Zeitraum 1985-2014 unverändert geblieben ist.

Was allerdings abgenommen hat, ist das Niveau der Zinsen.

Doch ist der Rückgang der Zinsen nicht auf eine Ersparnissschwemme oder eine Schwemme an Finanzierungsangeboten, sondern auf das Verhalten der Zentralbanken zurückzuführen, die auf die anhaltende Stagnation mit geldpolitischer Lockerung (niedrigere Zinsen) reagiert haben. 

Die Zentralbanken hielten an der Lockerung solange fest, bis die Nullzinsgrenze erreicht war. 

Die Stagnation hält jedoch an. 

Denn Zinssenkungen sind kein geeignetes Mittel, die für die Stagnation verantwortlichen strukturellen Verzerrungen der Wirtschaften zu heilen. 

Diese bestehen in

  • der Unterdrückung der Lohnentwicklung (relativ zum Produktivitätsanstieg), 

  • verfehlten Maßnahmen zur Deregulierung des Arbeitsmarktes und 

  • überzogener fiskalpolitischer Zurückhaltung.


Kritische Schlussbemerkung: 

Das Papier, auf das ich mich bei meinen Darlegungen beziehe, scheint mir nicht ganz schlüssig hinsichtlich der darin vertretenen Position in Sachen Finanzmittelüberhang. 

Einerseits wird darin schon früh behauptet, es gäbe keine empirische Unterstützung für die These vom Überhang. Später wird das Argument ins Feld geführt, dass die Sparneigung (propensity to save) in den relevanten Zeiträumen nicht gestiegen sei. 

Andererseits bezieht sich der Autor aber doch immer wieder auf einen Überhang an Ersparnissen.

Meine Verwirrung hinsichtlich der Frage Überhang oder kein Überhang, wächst angesichts folgender Fragen: 

Da die Investitionsneigung wegen rückläufiger Gesamtnachfrage abnimmt, sinken die Einkommen, die ohnehin schon seit Jahrzehnten dadurch belastet sind, dass die Lohnsteigerungen hinter dem Produktivitätswachstum zurückbleiben. 

Weniger Investitionen, weniger Einkommen, weniger Ersparnisse. 

Das würde also eher dafür sprechen, dass die Sparneigung rückläufig ist. 

Oder muss man unterscheiden zwischen prozentualer Sparneigung, die gleich geblieben sein könnte, wie die zitierten Befunde bekräftigen, und absoluten Ersparnissen, die ja sinken könnten, selbst wenn die prozentuale Sparneigung bei geringeren Einkommen und daher geringeren investiven Mitteln aus diesem Einkommen gleich geblieben ist.

Was den Überhang der Ersparnisse betrifft, werde ich auch nicht ganz schlau aus den Hinweisen des Autors, dass Unternehmen finanzialisieren, d.h. sie nutzen Liquiditätsüberschüsse / freie Mittel nicht zu Investitionen, sondern zu aktionärspolitischen Zwecken (Auszahlung an Aktionäre), Aktienrückkäufen und Spekulationen an den Finanzmärkten. 

Wie groß ist der Anteil letzterer Maßnahmen, die doch wohl der Kategorie Ersparnisse angehören? 

Welche Rolle spielt die Finanzialisierung bei der Frage des Sparüberhangs?

Alles in allem tue ich mich schwer, das Argument des Autors bezüglich der Frage des Überhangs der Ersparnisse klar zu fassen - nicht zuletzt auch deshalb, weil im Sinne der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die nur ex-post Werte berücksichtigen kann, Ersparnisse und Investitionen gleich sein müssen.

Klar hingegen ist die Widerlegung der landläufigen makroökonomischen Erklärung der weltweiten Dauerstagnation anhand der TAK (Theorie ausleihbarere Kreditmittel - loanable funds theory). 

Letztere besagt, dass Banken für die Finanzierung von Investitionen (durch Kreditvergabe) auf den Zufluss von Ersparnissen ihrer Einleger angewiesen sind. 

Dies ist aber unzutreffend. 

Banken können so viele Kredite aus dem Nichts schöpfen und an Kreditnehmer ausreichen wie sie nur wollen; und sie werden dies auch tun, solange ihnen die betreffenden Investitionsvorhaben lohnend und die Bonität der Schuldner von akzeptabler Bonität erscheinen.

Der Umstand, dass Unternehmen sehr zurückhaltend geworden sind bei Investitionen, steht in keinem ursächlichen Zusammenhang mit dem Niveau der Ersparnisse (etwa im dem Sinne, dass ein zu hohes Zinsniveau bestünde, welches die Sparerinteressen gegenüber Investoreninteressen bevorzuge, sodass ein Überhang an Ersparnissen und ein Mangel an Investitionen entsteht). 

Investoren, die aussichtsreiche Investitionen verfolgen möchten, können solche Vorhaben immer realisieren, unabhängig vom Zinsniveau. 

Für rentable Projekte können und werden Banken immer die benötigten Mittel bereitstellen.

Zinssenkungen - wie sie die TAK nahelegt - werden nicht greifen, wenn das Hemmnis für Investitionen tatsächlich in strukturellen Verzerrungen der Lohn- und Arbeitsmarktpolitik und in kontraproduktiver fiskalpolitischer Passivität zu suchen sind.

Eine Geldpolitik, die sich an der TAK orientiert, muss in die Irre gehen. 

Die TAK führt die Zentralbanken auf eine falsche Spur, wonach das vermeintliche Ungleichgewicht zwischen Ersparnissen (zu viel) und Investitionen (zu wenig) durch Zinssenkungen abgebaut werden kann, da niedrigere Zinsen, den Anreiz zu sparen, verringern und gleichzeitig, den Anreiz zu investieren, erhöhen.

Die wirklichen Ursachen der Stagnation ergeben sich vielmehr aus folgenden Punkten: 

  • Unterdrückte Lohnentwicklung, 

  • Arbeitsmarktderegulierung, die zu größerer Arbeitsplatzunsicherheit und einer höheren Zahl an abgewerteten, weniger gut bezahlten Arbeitsverhältnissen geführt hat, 

  • Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, 

  • die Erosion der Mittelklasse und die Ausdehnung der schlechter bezahlten Tätigkeiten (höhere Ungleichheit der Einkommen und Vermögen, Polarisation von gut bezahlten und schlecht bezahlten Tätigkeiten bei Ausdünnung des Mittelfelds dazwischen), sowie 


  • fiskalpolitische Austerität, sprich: übertriebene Zurückhaltung beim Einsatz stattlicher Mittel zwecks Belebung der Gesamtnachfrage


bewirken eine geringere Gesamtnachfrage, die wiederum Unternehmen zu einer pessimistischen Sicht der wirtschaftlichen Zukunft veranlassen, sodass diese in geringerem Umfang investieren und mit ihren investiven Mitteln auf betriebs-/geschäftsfremde Nebenschauplätze ausweichen (Finanzmarktspekulationen).

Überhang hin, Überhang her, klar ist auch, dass ein Überschuss an Ersparnissen, was immer damit gemeint sein soll, nicht ursächlich für die weltweite Dauerstagnation sein kann. 

Ihre Gründe liegen vielmehr darin, dass die Fähigkeit großer Teile der Bevölkerung, die Gesamtnachfrage zu beflügeln, Schaden genommen hat. 

Was einst durch ein politisches Gleichgewicht der Kräfte zwischen Kapital und Arbeit erzielt wurde, nämlich ein Gleichklang zwischen Produktivitätssteigerung und Einkommenswachstum, der wiederum ein stetiges Wachstum der Gesamtnachfrage gestattete, will seit einigen Jahrzehnten nicht mehr gelingen. 

(Vermutlich nicht zuletzt, weil die sozialdemokratischen Parteien und die Linke aufgehört haben, sich für die Interessen der arbeitenden Bevölkerung gegenüber dem Kapital einzusetzen, und sich auf grüne Programmatik, Identitätspolitik und andere politische Moden (z.B. Demontieren des Nationalstaats) zu verlegen, und sich nicht zuletzt hinter den Neoliberalismus mit seinen Großprojekten wie der EU zu stellen.)

Die Fähigkeit großer Teile der Bevölkerung, zum Wachstum der Gesamtnachfrage beizutragen, ist geringer geworden. 

Der Anstieg des Wohlstands auf breiter Front stagniert.

Schlussfolgerung:

Diese Serie an Beiträgen habe ich geschrieben, weil ich zeigen wollte, wie sowohl die Klimawissenschaft als auch die Makroökonomie durch ihre Verbundenheit zu ideologischen Vorlieben und politischen Idealen vom Weg echter Wissenschaftlichkeit abkommen können. 

Vertreter dieser Disziplinen neigen dazu, in ihren Modellen ihre Voreingenommenheiten und Wunschvorstellungen nachzubilden, und gehen damit unweigerlich ab vom Weg, den eine kritische Wissenschaft beschreitet, die ihre theoretischen Konstrukte unentwegt in Frage stellt, natürlich auch ihre Annahmen und Grundlagen, und stets nach rigoroser empirischer Prüfung strebt.

Während die Modelle der arrivierten Klimawissenschaft Prämissen wählen, die die Ableitung des politisch gewünschten Resultats einer katastrophalen anthropogenen Erderwärmung begünstigen, bevorzugt auch die Makroökonomie bei dem Versuch, die weltweite Dauerstagnation zu erklären, vorgefasste Prämissen (aus einer Modellwelt, in der eine sich vollständig selbstregulierende Wirtschaft abgeleitet werden kann), welche zwar ideologisch konform sind, nicht aber mit der Wirklichkeit übereinstimmen.

In beiden Fällen ist die Folge, dass politische Projekte als wissenschaftlich abgesichert erscheinen, die dies keineswegs sind, und unter dem Siegel trügerischer Beglaubigung großen Schaden anrichten.

ENDE 

See also here.

(6) Models Modelling Themselves — Why Macroeconomics Gets Secular Stagnation Wrong


Es ist bizarr und erfordert große Spitzfindigkeit, dass die Makroökonomie zwei einander ausschließende Sachverhalte als koexistent annimmt. 

Zum einen, besagt sie in ihrer TAK (Theorie ausleihbarer Kreditmittel), dass das Zinsniveau von Marktkräften bestimmt wird, die Angebot und Nachfrage an ausleihbaren Kreditmitteln durch Aushandeln eines Gleichgewichtspreises (= Zinssatzes) austarieren. 

Gleichzeitig anerkennt die Makroökonomie, dass die Zentralbank, sich des Zinsniveaus als ihres wichtigsten konjunkturpolitischen Steuerungsinstruments bedient.

Aber der markträumende Mechanismus der TAK besteht nicht, da das Angebot an ausleihbaren Kreditmitteln nicht den Charakter einer Angebotsfunktion hat, ist es doch nicht endlich und damit auch nicht durch eine absolute Knappheitsgrenze beschränkt. 

Im Prinzip lässt sich jedes beliebige Nachfrageniveau durch Kreditschöpfung ex nihilo seitens der Banken abdecken. 

Und die Bereitschaft der Menschen zu sparen, wie immer gering oder hoch sie aktuell ausfallen mag, hat keinen Einfluss auf die Fähigkeit der Banken, beliebige, ihnen profitabel erscheinende Kreditvolumina auszureichen.

Das Geldangebot ist endogen.

Es ist, wie gesagt, die Zentralbank, die das Zinsniveau bestimmt, wenn sie will - nicht das  Zusammenspiel von Sparern und Investoren an den Kapitalmärkten. 

Die Zentralbank setzt, das ihr angebracht erscheinende Zinsniveau fest und ist dann bereit, jede beliebige Nachfrage der Banken nach Reserven oder liquiden Mitteln (die aufsichtsrechtlich gefordert werden) zu befriedigen, damit die Stabilität und der reibungslose Ablauf von Zahlungsverkehr und Bankensystem gewährleistet bleiben. 

Die Menge an Bankreserven ist also nicht die Ursache - wie die Money-Multiplier-Theorie, eine weitere irrige Modellkomponente der Makroökonomie postuliert -, sondern eine Konsequenz, eine Folge der Ausweitung des Kreditgeschäfts durch die Banken. 

Das heißt nichts anderes als, dass Banken aufsichtsrechtlich und liquiditätsmäßig immer abgesichert sind, gleichgültig in welchem Umfang sie Kreditschöpfung zu dem gerade bestehenden Zinsniveau zu betreiben wünschen.

Weder Sparer noch die Zentralbank beschränken den Grad der Ausweitung des Kreditgeschäfts, zu dem die Banken sich entschließen. Lediglich die wirtschaftliche Situation und die (meist auch damit zusammenhängende) Kreditwürdigkeit potenzieller Debitoren setzen Grenzen für die Kreditausweitung der Banken.

Da die TAK diese Zusammenhänge auf den Kopf stellt, muss sie unweigerlich die tatsächlichen Ursachen für die weltweite Dauerstagnation (secular stagnation) verkennen.

Dass die Zinsen auf die Nullzins-Untergrenze abgesunken sind, ist keineswegs das Resultat eines (gewaltigen weltweiten) Überhangs an Ersparnissen, wie die TAK uns glauben machen will.

Vielmehr ist das niedrige Zinsniveau die Folge einer bewusst verfolgten geldpolitischen Strategie der Zentralbanken. 

Mit ihrer Nullzinspolitik bemühen sich die Zentralbanken, konjunkturelle Impulse zu setzen - offenbar immer noch größtenteils unter dem Einfluss der TAK.

Sie übersehen deshalb, dass die Stagnation der Wirtschaft andere Ursachen hat als ein für eine lebhafte Investitionstätigkeit zu hohes Zinsniveau.

Anhänger der TAK sehen Symptome, wo in Wahrheit Ursachen für die Dauerstagnation vorliegen: 

  • der seit geraumer Zeit gegenüber dem Produktivitätswachstum zurückbleibende Anstieg der Löhne, 

  • geringe Inflation bis Nullinflation, 

  • hohes Niveau der Unterbeschäftigung oder kaschierte Beschäftigungslosigkeit, 

  • hohe Arbeitslosigkeit weit über dem (ohnehin künstlich hohen) Niveau, der von der Makroökonomie als "natürlich" bezeichneten Arbeitslosigkeit (NAIRU).

Was in der Optik der TAK als Überhang der Ersparnisse figuriert - in dem Sinne jedenfalls, dass Investitionen vergleichsweise gering sind gegenüber Ersparnissen -, ist eher ein Symptom der eigentlichen Ursache der weltweiten Dauerstagnation: unzureichende Gesamtnachfrage. 

Diese hat wiederum ihre Ursachen in 

  • der gegenüber dem Produktivitätswachstum seit Jahrzehnten zurückbleibenden Entwicklung der Löhne, 
  • dem sinkenden Anteil der Löhne am Volkseinkommen, 
  • der wachsenden Ungleichheit der Einkommen und Vermögen (Niedrigverdiener geben einen größeren Anteil ihres Einkommens nachfragewirksam aus als Besserverdienende; wenn erstere Einkommenseinbußen erleiden, wirkt sich dies stärker auf die Gesamtnachfrage aus), und 
  • der Finanzialisierung der Unternehmen (Umleitung betrieblicher Ersparnisse/freier Mittel weg von geschäfts- und betriebsnahen und hin zu spekulativen und anderen Zwecken) und der Wirtschaft insgesamt.
Fortgesetzt hier.

(5) Models Modelling Themselves — Why Macroeconomics Gets Secular Stagnation Wrong


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Fortgesetzt von hier.

Befasst man sich mit der Wirklichkeit des Bankwesens, so stellt man fest, dass Banken nicht nur als Intermediäre tätig sind, die Geld zwischen Anlegern und Investoren verschieben. 

Banken sind in der Lage, Geld aus dem Nichts zu erzeugen. 

Und es ist diese Fähigkeit, die die Banken nutzen, um Kredite auszureichen. 

Sie sind nicht darauf angewiesen, Mittel bei Sparern einzusammeln, bevor sie imstande sind, Kredite zu vergeben. 

Vielmehr schöpfen sie das benötigte Geld aus dem Nichts. 

Das Angebot an ausleihbaren Kreditmittel ist mithin grundsätzlich unendlich, d.h. - anders als andere Güter - unterliegt es keiner Angebotsbeschränkung, etwa durch nennenswerte Produktionskosten oder einem knappen, d.h. erschöpflichen Angebotsbestand, aus dem sie zu entnehmen wären. 

Das hauptsächliche Hemmnis, das einer unbeschränkten Kreditausreichung im Wege steht, ist die begrenzte Anzahl an Kreditnehmern von akzeptabler Bonität. 

Also nicht das Angebot an ausleihbaren Kreditmitteln ist beschränkt, sondern die Häufigkeit, mit denen Bedingungen auftreten, unter denen es für Banken sinnvoll ist, sich des an sich unbeschränkten Angebots zu bedienen.

Ausleihbare Mittel entstehen ipso facto durch den Akt der Kreditvergabe, mit dem neue Einlagen per Federstrich / Bedienung einer Tastatur aus dem Nichts entstehen. Sie verschwinden wieder, in dem Maße wie der Kredit zurückgeführt (zurückbezahlt) wird.

Bedeutende und doch eher an der Peripherie des Mainstreams angesiedelte Wirtschaftswissenschaftler wie Schumpeter, Keynes, Kaldor oder Kalecki waren sich dieser sogenannten Endogenität des Geldes bewusst. 

Das heißt, Banken sind in der Lage, neue Kaufkraft zu schaffen, wo sie fehlt. Sie sind imstande, Projekten Mittel zur Verfügung zu stellen, die auf keinem anderen Wege mobilisiert werden könnten. 

Somit sind Anschubfinanzierungen möglich, die die Produktion neuer Produkte und die Schaffung von zusätzlichem Einkommen in Gang bringen oder beschleunigen, wo dies ansonsten ausbleiben müsste.

Das aus dem Nichts geschaffene Kreditgeld der Banken ist eine zivilisatorische Errungenschaft, die eine neue Dimension des wirtschaftlichen Fortschritts ermöglicht. Zwischen 95% und 98% des in entwickelten Wirtschaften umlaufenden Geldes ist kreditgeschöpftes Geld.

(Siehe auch meine zweisprachige Serie von Posts zum Thema Growth, Money Creation, and Inflation.)

Demgegenüber bezeichnet Keynes den Goldstandard als ein "barbarisches Relikt", weil dieser eine künstliche Verknappung der investiven Mittel durch Bindung der Geldmenge an das knappe Gut Gold erzwingt.

Solange die Wirtschaft ungenutzte Ressourcen vorhält, besteht in der Welt des Fiat-Geldes kein Grund, wie die Neoklassik noch dachte, auf strenge Austerität zu achten, sich neue Investitionen durch entbehrungsreiches Sparen gewissermaßen vom Munde abzusparen. 

Es ist gerade der historisch neuartige Vorzug des Kreditgeldes, dass wir mit dessen Hilfe weiterhin, und vermehrt sogar, gut und in Wohlstand leben können, während wir zugleich umfangreiche Mittel aufwenden, um die Wirtschaft auszubauen und stärker wachsen zu lassen.

Es gibt ihn also überhaupt nicht, den Markt für ausleihbare Kreditmittel wie ihn die Makroökonomie in ihrer TAK beschreibt. 

Es ist einfach nicht zutreffend, dass knappe Ersparnisse, in Abhängigkeit vom Zinsniveau, die Nachfrage nach ausleihbaren Kreditmitteln bestimmen. 

Der Zuwachs oder die Verringerung des Geldangebots wird nicht durch ein am Markt ausgehandeltes Zinsniveau gesteuert, sondern durch die Kreditpolitik der Banken, die solange und so viel Kreditmittel ausreichen wie das Angebot an kreditwürdigen Schuldnern dies erlaubt.

Infolge ihrer irrigen TAK macht sich die Makroökonomie eine völlig falsche Vorstellung von für die Wirtschaft so zentralen Phänomenen wie Ersparnisse und Investitionen.

Die makroökonomische Irrlehre von den ausleihbaren Kreditmitteln (à la TAK) stellt die Dinge schlechterdings auf den Kopf. 

In ihr sind Ersparnisse Vorbedingung für Investitionen.

In der Realität verhält es sich genau umgekehrt: Investitionen machen Ersparnisse möglich.

Banken stellen Vorfinanzierungen für Investitionen bereit. 

Aus diesen Mitteln wird zusätzliches Einkommen ermöglicht. 

Aus diesem zusätzlichen Einkommen lassen sich Ersparnisse abzweigen.

Am Ende des Tages, also nach dem der geschilderte Ablauf seinen Abschluss gefunden hat - ex post, wie man auch sagt - ist die Identität der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (für eine geschlossene Wirtschaft) erfüllt: Investitionen = Ersparnisse. 

Das quantitative Niveau dieser Identität wird bestimmt durch die mit dem Kreditgeld der Banken vorfinanzierten Investitionen.

(4) Models Modelling Themselves — Why Macroeconomics Gets Secular Stagnation Wrong


Die Theorie der ausleihbaren Kreditmittel (TAK) - englisch und auch von deutschen Autoren gerne verwendet "loanable fund (LF) theory" - beschreibt eine Welt, in der die Banken sich die Mittel für die Kreditvergabe bei Sparern beschaffen müssen, um sie dann unter Erhebung eines Zinssatzes und anderer Finanzierungskosten an kreditnachfragende Investoren auszuleihen.

Die Banken sind Intermediäre (Vermittler) zwischen Sparern, die das Angebot an Kreditmitteln bereitstellen, und Investoren, die die Nachfrage nach Kreditmitteln erzeugen. 

Das bedeutet: Banken sind nicht in der Lage, selbst Geld aus dem Nichts zu erzeugen. 

Damit ist es nach TAK den Banken eben auch nicht möglich, Investitionen vorzufinanzieren, will sagen: Investitionen dadurch zu ermöglichen, dass sie Geld, das bisher nicht existiert hat, ins Leben rufen, um es Investoren vorzustrecken.

Allerdings nimmt TAK keine Rücksicht auf die Wirklichkeit, bei deren Betrachtung wir feststellen, dass die Annahme falsch ist, Banken könnten Kredite nur in dem Maße ausreichen wie es ihnen gelingt, die auszuleihenden Mittel von Sparern einzusammeln. 

Aus einer Mischung von Tradition, ideologischer Vorliebe und Modellverliebtheit ist die makroökonomische Theorie diesem Umstand gegenüber blind. 

Der älteste und tief reichendste Grund für diese Verfälschung liegt in dem (heute gerne unreflektiert übernommenen) Wunsch früher Ökonomen, sich die Wirtschaft als eine Tauschwirtschaft vorzustellen, in der es kein Geld gibt, und somit alle Waren direkt gegeneinander getauscht werden, sodass sie ohne "künstliche" Behinderungen (wie durch ein Geld, das der Wirtschaft eine destabilisierende Eigendynamik außerhalb einer reinen Tauschwirtschaft aufprägen kann) immer in der Lage sind, zu einem markträumenden Gleichgewicht zu gelangen. 

Geld kommt darin lediglich als Verrechnungshilfe und Tauschvereinfachung vor, aber nicht als das empirische Phänomen, das das Bewirken von


  • Gleichgewichtstendenzen in der Wirtschaft entscheidend kompliziert, 


  • Krisen und 


  • dysfunktionale Gleichgewichtslagen (Arbeitslosigkeit) 

hervorrufen kann. 

Die TAK spiegelt uns einen reinen, durch Preisanpassungen ins Gleichgewicht gelangenden Gütermarkt vor, in dem Geld (ausleihbare Mittel) das Gut darstellt und der Zinssatz den Preis

Die Implikation ist, dass Geld ein Gut wie jedes andere ist - Schuhe , Pkws etc. - und somit keine eigenen Merkmale aufweist, die die Gleichgewichtsfähigkeit des konstruierten Modells umstoßen könnten.

Durch die Wahl ihrer Prämissen weichen die Modelle von der Wirklichkeit ab, denn sie lassen sich von dem Wunsch leiten, die Wirtschaft als einen reibungslos selbstregulierenden Organismus zu rekonstruieren. 

Zu diesem Zweck spezifizieren sie Bedingungen - der Punkt an dem der mit dem Modell verbundene Wunsch, sich selbst zu modellieren beginnt) -, aus denen sich die gewünschten Gleichgewichtslagen automatisch ergeben. 

Etwas anders gesagt: Sie legen a priori Modellkonfigurationen fest - freilich ohne sich ihrer Tatsachenentsprechung zu vergewissern - in denen ein einfach zu erfassender Faktor (z.B. der Zinssatz in der TAK) Anpassungen in Gang setzt, die ein markträumendes Gleichgewicht automatisch herstellen.

Das ist der Zweck der realitätswidrigen TAK, die aber inzwischen schon seit Jahrhunderten Generationen von Studenten von der arrivierten Volkswirtschaftslehre als unbezweifelbare Wahrheit beglaubigt wird.

Wie wir oben schon sahen gewährleistet gemäß der TAK der Zinssatz das Gleichgewicht im Markt für ausleihbare Mittel (siehe Schaubild unten). 

Steigen die Zinsen, erhöht sich das Angebot an ausleihbaren Mittel, während die Nachfrage nach ihnen sinkt - bis ein Gleichgewicht sich einstellt, d.h. die Übereinstimmung der angebotenen Menge und der nachgefragten Menge an ausleihbaren Mitteln. 

Sinken die Zinsen, verringert sich das Angebot an ausleihbaren Mitteln, während die Nachfrage nach ihnen steigt - bis Gleichgewicht herrscht, d.h. Angebot und Nachfrage nach ausleihbaren Mitteln identisch sind.

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Wenn nun aber dieser Gleichgewichtsmechanismus eine Störung aufweist (etwa durch Erreichung der Nullzinsgrenze) schaltet die Makroökonomie in den Modus: was nicht sein kann, nicht sein darf. 

Das Problem ist nicht die gleichgewichtsfähige Wirtschaft, sondern ein bösartiger Eindringling, ein sogenannter "externer Schock": Demographie, asiatisches Vorsichtssparen etc.

Das heißt, man versucht, die vermeintliche Abbildung der Realität (das bevorzugte Modell) mit Hilfe von ad hoc hinzugefügten neuen Annahmen zu retten. Will sagen: die ideologische Kernaussage gilt als weiterhin zutreffend, sofern man die unzuträglichen Sondereinflüsse wieder ausschaltet.

Wenn dies nicht möglich ist, zuckt die Makroökonomie ratlos mit den Schultern und verkündet eine auf lange Sicht unheilbare Stagnation - secular stagnation. Pech. End of story.

Es gibt noch andere Gründe - außer ihrer Eignung, die Wirtschaft als grundsätzlich selbstregulierend darzustellen -, warum die Makroökonomie an der TAK festhält: Der behauptete Zusammenhang lässt sich in einem vergleichsweise überschaubaren Schaubild wiedergeben (siehe oben), das für viele vielleicht sogar den Touch hat, einer exakten Wissenschaft zu entstammen. 

Zudem besteht die Versuchung, (a) der Einfachheit dieser Theorie und (b) ihrem Einklang mit politischen Idealen und (c) volkstümlichen Intuitionen auf den Leim zu gehen, zumal sie (d) eingängig und leicht zu verstehen ist. 

Selbst der Fachmann ist nicht davor gefeit, sie für umso überzeugender zu halten, je häufiger sie - wegen (a), (b), (c) und (d) - wiederholt wird.

Außerdem spiegelt sich das Weltbild der ökonomischen Neoklassik auch insofern in der TAK wider, als ihren Anhängern Entbehrung jedem Wachstumszuwachs vorauszugehen schien, ihnen daher eiserne Sparsamkeit heilig war und tüchtiges Sparen als unverzichtbare Voraussetzung des wirtschaftlichen Erfolges galt. 

Die moralisierende Adelung rigoroser Sparsamkeit feiert fröhliche Urständ  im Zeitalter der Europäischen Union, die die Austerität ihren braven Bürgern als Selbstzweck in ihrem Gründungsdokument, dem Maastrichter Vertrag, zur artigen Befolgung vorgibt. 

Fortgesetzt hier.