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Tuesday, 22 January 2019

Causes of the Global Financial Crisis — Ursachen der Finanzkrise von 2007/2008

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Below video in English


Im Videoausschnitt unten führt Wray die große Finanzkrise von 2007 auf eine langfristige Umwandlung des Finanzsystems zurück, die sich in den USA aber auch weltweit über viele Jahrzehnte in der Nachkriegszeit abgespielt hat. 

Nach Überwindung der Weltwirtschaftskrise und nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich schließlich ein solides Finanzsystem entwickelt – teils dank strikter Kontrollen, teils, weil die schwächsten Glieder in der Kette der Weltwirtschaftskrise zum Opfer gefallen waren. 

Zudem war es so, dass am Ende des Zweiten Weltkriegs eine enorme Staatsverschuldung aufgebaut worden war. Die Privatwirtschaft konnte sich auf solide Bilanzen stützen. [Zur Erklärung: Eine hohe Staatsverschuldung bedeutet, dass der nicht staatliche Sektor Überschüsse an Nettofinanzaktiven hat, statt stark verschuldet zu sein. Bildlich gesprochen: Das Wachstum balanciert nicht auf dem Gipfel eines immer fragiler werdenden Schuldenbergs, sondern fußt auf gesunden Vermögensverhältnissen.] Damit war ein sehr robustes Wirtschaftswachstum möglich, das es vielen Nationen gestattete, Vollbeschäftigung über einen ausgedehnten Zeitraum zu erzielen.

Das privatwirtschaftliche Wachstum verdankte sich der Ausnutzung der Staatsverschuldung, statt auf einer hohen Schuldenquote privatwirtschaftlicher Wirtschaftsteilnehmer zu beruhen. [Staatsverschuldung bedeutet, dass der Staat mehr in die Wirtschaft hineinsteckt, als er (größtenteils durch Steuern) aus ihr herauszieht. Der Staat schafft effektive Nachfrage, von der die Privatwirtschaft profitiert. Solange Kapazitäten noch frei sind – und das war lange Zeit während der Nachkriegszeit der Fall –, kann der Staat kräftig Geld in die Wirtschaft stecken, ohne dass Inflation zu einer Gefahr wird. Vielmehr ermöglicht dieses Geld die produktive Nutzung brachliegender Ressourcen.]

Hyman Minsky brachte diese Situation auf den Punkt, indem er betonte, wie solide das Finanzsystem seinerzeit war, d. h. es spielte zum einen eine relativ beschränkte Rolle im wirtschaftlichen Gesamtgeschehen – [keine Verselbstständigung gegenüber der Realwirtschaft wie heutzutage, da gewaltige Ressourcen in den Finanzmärkten zirkulieren, statt der Realwirtschaft zugeführt zu werden] – und wurde zum anderen auch sehr genau überwacht – was eben eine sinnvoll beschränkte Rolle der Finanzwirtschaft begünstigte.

Doch das Finanzsystem sollte sich unweigerlich in eine ungute Richtung entwickeln. Die zur Vorsicht mahnenden Erinnerungen an die Weltwirtschaftskrise verblassten. Der wirtschaftliche Erfolg verleitete zu höherer Risikobereitschaft. Im Zuge dessen büßte das Finanzsystem an Solidität ein. Es wurde zunehmend fragiler.

Dieser Trend entfaltete sich über einen sehr langen Zeitraum. Er endete schließlich im Jahr 2007 in einem Kollaps.

Minsky sprach vom money manager capitalism. Dieser wies in vielfacher Hinsicht Ähnlichkeiten mit dem Kapitalismus auf, wie er zur Zeit der Weltwirtschaftskrise bestanden hatte.

Welche Entwicklungen führten letztlich zum Zusammenbruch im Jahr 2007?

Ursächlich war der starke Anstieg der Schuldenquoten über einen ausgedehnten Zeitraum: Die Haushalte in den USA verschuldeten sich immer stärker relativ zu ihrem Einkommen. Zum Teil lag das daran, dass die Reallöhne in den USA für durchschnittlich besoldete Arbeitskräfte etwa seit 1974 zu wachsen aufhörten. In einer Periode von 30 Jahren folgte dem Wirtschaftswachstum kein Anstieg der Reallöhne. Ein Teil dieses Wachstums wurde dadurch finanziert, dass die Haushalte sich stärker verschuldeten. Die Unternehmen verschuldeten sich ebenfalls, zeitweise in stark beschleunigtem Maße, zum Beispiel in der Hochphase der Leveraged Buyouts [Aufnahme von Schulden, um ein Unternehmen zu kaufen] in den 1980er und den 2000er Jahren. In der Folge waren die stark verschuldeten Unternehmen gezwungen, ihre künftigen Gewinne in den Schuldendienst zu stecken, statt produktive Investitionen vorzunehmen.

Das größte Problem des money manager capitalism war jedoch die zunehmende Verschuldung von Finanzinstitutionen untereinander. Im Jahr 2007 war es schließlich dann so, dass in den USA jedem Dollar Einkommen fünf Dollar an Verbindlichkeiten gegenüberstanden. In den frühen 1930er Jahren waren es 3 Dollar Verbindlichkeiten pro einem Dollar Einkommen. Die Schuldenquote war also weitaus höher denn je.

2007 betrugen die Verbindlichkeiten von Finanzinstitutionen gegenüber anderen Finanzinstitutionen mehr als 125% des BIP. Was die Umwandlung des Finanzsystems inzwischen bewirkt hatte, war, dass Finanzinstitutionen extrem kurzfristige Refinanzierung untereinander betrieben und sich somit Liquiditätsquellen  aussetzten, die sehr anfällig und volatil waren und innerhalb kürzester Zeit „austrocknen“ konnten. Die Teilnehmer am Finanzsystem waren auf diese hoch riskante Weise miteinander vernetzt. Wenn eine größere Institution dieses Netzwerks in Schwierigkeiten geraten sollte, würde sich das Problem sofort im ganzen Finanzsystem ausbreiten.  In der globalisierten Welt der Finanzen würde dies einen weltweiten Flächenbrand entfachen. Und so kam es im Jahr 2007.



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Friday, 18 January 2019

Jack Bogle: Investment Revolutionary — Jack Bogle: Revolutionär des Sparens

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A post in English and German

Jack Bogle, the legendary founder of Vanguard, passed away yesterday at age 89.
He may not be the most well-known investor but he’s had by far the biggest impact on the investing public.
Warren Buffett said it best in his 2016 annual report:
If a statue is ever erected to honor the person who has done the most for American investors, the hands-down choice should be Jack Bogle. For decades, Jack has urged investors to invest in ultra-low-cost index funds. In his crusade… Jack was frequently mocked by the investment management industry. Today, however, he has the satisfaction of knowing that he helped millions of investors realize far better returns on their savings than they otherwise would have earned. He is a hero to them and to me.
Here are some things I learned from this brilliant man:
Meine Übersetzung:
Jack Bogle, der legendäre Gründer von Vanguard, ist gestern im Alter von 89 verstorben.
Er war vielleicht nicht der bekannteste Anleger, aber er hatte den mit Abstand größten Einfluss auf die Anleger dieser Welt.
Am besten hat es Warren Buffett in seinem Jahresbericht 2018 ausgedrückt:
Sollte jemals ein Denkmal zu Ehren des Menschen errichtet werden, der sich die größten Verdienste um amerikanische Anleger erworben hat, müsste Jack Bogle die Wahl um Längen gewinnen. Jahrzehntelang hat Jack Anleger beschworen, in die kostengünstigsten Index-Fonds zu investieren. Auf seiner Mission ... musste Jack oft den Hohn der Vermögensverwaltungsbranche über sich ergehen lassen. Heute jedoch hat er die Genugtuung zu wissen, dass er es Millionen von Anlegern ermöglicht hat, viel höhere Erträge zu erwirtschaften, als sie dies auf jede andere Weise erreicht haben könnten. Er ist ihr Held – und meiner auch. 

Thursday, 3 January 2019

Yen Carry Trade — Zinsarbitrage Yen-Dollar


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A Post in German and English.

Zinsarbitrage zwischen Yen und Dollar funktioniert zurzeit so: Man leiht sich Geld in Japan, wo die Zinsen niedrig sind, tauscht die geliehenen Yen gegen US-Dollar, die dann in den Vereinigten Staaten zu einem höheren Zisnsatz angelegt werden. Bei entsprechenden Devisenrelationen streicht man durch Ausnutzung des Zinsunterschieds (vielleicht auch noch zusätzlich durch eine vorteilfhafte Währungsbewegung) einen Gewinn ein.

Wenn allerdings der Dollar schwächer tendiert gegenüber dem Yen kann es sein, dass der Arbitragegewinn reduziert, egalisiert oder überkompensiert wird.

Oops:

"Picking up pennies ahead of a steam roller" and “up the escalator and down the elevator shaft” 
These are the two of the most commonly used expressions to characterise the dynamics of FX carry trades. That is, you steadily pick up small returns for months before you lose it all in one day. Today’s collapse in USD/JPY from around 109.5 to an intraday low of 104.9 can be seen in that light. That low essentially reverses the almost 10% spot gains seen since the eerily similar USD/JPY low of 104.7 in April 2018 (see first chart).

The source / Quelle

A good article here on the Yen carry trade:

The yen carry trade is when investors borrow yen at a low interest rate then exchange it for either U.S. dollars or a currency in a country that pays a high interest rate on its bonds
These forex traders earn a low-risk profit. They receive high interest rates on the money invested, but pay low interest rates on the money borrowed. The currency broker pays the difference into the trader's account each day.


Wednesday, 2 January 2019

Wall Street Journal At Its Worst? — WSJ so schlecht wie noch nie?

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Hat das Wall Street Journal je einen schlechteren Artikel geschrieben? 

So lautet ein interessanter Blog-Beitrag von Cullen Roche: Is This The Worst Thing The WSJ Has Ever Published?

Der Autor beklagt unter anderem folgende sachlichen Irrtümer im Artikel des WSJ: 

(1) Die Zentralbank zahlt Zinsen auf Reserven, um ihren Leitzins zu verteidigen, und nicht um Banken auf diese Weise effektiv dafür zu belohnen, dass sie KEIN Geld verleihen. Die Banken hätten gerne Kredite vergeben, wenn sich Kreditnehmer von ausreichender Bonität gefunden hätten, was nach der Finanzkrise aber nicht der Fall war.

(2) Obama war nicht „schuld“ an höheren Staatsschulden nach der Finanzkrise; die Staatsschulden  sind gestiegen, weil die „automatischen Stabilisatoren“ wirksam wurden – das Zusammenspiel schwächeren Wachstums, geringerer Steuereinnahmen und höherer Staatsausgaben vor allem für sozialpolitische Zwecke (Arbeitslosengeld etc.).

(3) Banken leihen nicht ihre Reserven aus. Die brauchen sie nur, um Nettozahlungen untereinander zu ermöglichen. Bankreserven sind ein "Spezialgeld", dass nur zwischen Banken und der Zentralbank zirkuliert. Sie sind das Zahlungsmittel, das von der Zentralbank verrechnet wird, um Nettozahlungen zwischen Banken zu dokumentieren und zu vollziehen.

(4) Die an den meisten Universitäten noch heute gelehrte Theorie vom Banken-Multiplikator ist pure Fantasie. Weder leihen Banken ihre Reserven aus, noch sind die von ihnen ausgereichten Kredite an einen solchen Multiplikator (einen Prozentsatz der Mindestreserven) gebunden.

(5) Nein, es ist nicht richtig zu sagen, die Banken hätten früher keine Überschussreserven bereitgehalten (oder nicht in der Größenordnung wie dies seit der Politik der quantitativen Lockerung (QE = Quantitative Easing) der Fall sein sollte), weil ihnen dafür kein Zins geboten worden ist. Die Banken sind von der Zentralbank dazu gezwungen worden, Überschussreserven zu halten, weil die Fed das QE einigermaßen kompromisslos durchgezogen hat (den Banken gegen Bankreserven Aktiva abgekauft, als einen Aktiventausch in den Bilanzen der Banken bewirkt hat). Die auf die Überschussreserven gezahlten Zinsen hatten die Funktion, den Leitzins zu verteidigen, d. h. die Banken daran zu hindern, den Leitzins – im Bemühen unrentierliche Bankreserven untereinander wenigstens gegen eine geringe Zinszahlung zu verleihen – bis auf null Prozent herabzubieten.


Monday, 31 December 2018

Der (falsche?) Kitzel der Ökonomie (7) – Die klassischen Wurzeln der modernen Wirtschaftstheorie – Verleihbare Ersparnisse

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Fortgesetzt von hier.

Mein Interesse an den klassischen Wurzeln der zeitgenössischen Wirtschaftslehre entspringt der Beobachtung, dass die Annahmen dieser Urtheorie auch den heutigen Varianten der Gleichgewichtsökonomie zugrunde liegen.

Eine besondere Stellung nimmt die von der modernen Wirtschaftstheorie übernommene aber kaum ausdrücklich erwähnte Nebenbedingung ein, dass in der Modellbildung auf eine Wirtschaft Bezug genommen wird, in der es kein Geld gibt und stattdessen reiner Naturaltausch herrscht.

Kein Geld! Keine Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes. Keine Banken. Keine Kapitalmärkte. Es existiert all das nicht, was unserer Wirtschaft einerseits zu prometheischem Wachstum verhilft, sie andererseits aber auch mit erheblichen konjunkturellen Risiken belastet.

Nur dieser ungewöhnlichen Annahme einer geldlosen Tauschwirtschaft ist es zu verdanken, dass etwas so Sonderbares wie das Saysche Gesetz zum Fundament der moderen Ökonomie geworden ist. 

In einer reinen Naturalwirtschaft, die es übrigens laut anthropologischer Forschung nie gegeben haben dürfte – da Geld den Charakter von Verbindlichkeiten hat und Verbindlichkeiten so alt sind wie menschliche Gemeinschaften – ist es freilich plausibel, dass zum Handel vorgesehene Waren nur produziert werden, wenn es für beide Tauschkontrahenten als sicher gelten kann, dass für die zum Austausch vorgesehenen Objekte jeweils ein Handelsgegenstand eingetauscht werden kann, für den tatsächlich Bedarf besteht.

Und das ist es, was das Saysche Gesetz besagt: Jedes Angebot erzeugt seine Nachfrage. Ein Angebot entsteht nur, wenn die Nachfrage gesichert ist. 

Ich produziere, um anzubieten und biete an, um meine Nachfrage nach etwas Bestimmten zu befriedigen. 

Wie gesagt, das ergibt Sinn in einer Wirtschaft, in der ausschließlich Naturaltausch betrieben wird. Nochmal: eine solche Wirtschaft hat es wahrscheinlich nie gegeben; zudem erscheint es fragwürdig, ob selbst unter hypothetischen Bedingungen reinen Naturaltausches, Angebot und Nachfrage immer übereinstimmen.

Nun postuliert das Saysche Gesetz aber noch mehr als (1) eine historisch zweifelhafte und (2) für sich schon unglaubwürdige Ordnung – nämlich, dass (3) diese vollkommene Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage auch in einer modernen Wirtschaft immer erzielt werde. Abweichungen seien, wenn es sie überhaupt gibt, kurzfristiger Art und würden bald wieder ausgeglichen.

Der Realist tut sich mit dieser Behauptung schwer.

Dem Ökonomen jedoch ist die Annahme, dass eine moderne Wirtschaft zutreffend durch eine im Gleichgewicht befindliche Naturalwirtschaft beschrieben werde, hoch willkommen. 

Denn mit dieser Annahme ist in die Prämissen seines Modells einer Gleichgewichtswirtschaft bereits eingebaut, was der klassische Ökonom vorgibt, anhand des Modells überhaupt erst zu beweisen – dass immer Gleichgewicht erreicht werde, Übereinstimmung (Gleichgewicht) zwischen Angebot und Nachfrage bestehe.

Passend zu dieser Manipulation des Gleichgewichtsbefunds mittels eines sich selbstbestätigenden Modells, entwickelt der klassische Ökonom eine Zusatztheorie von den verleihbaren Ersparnissen (loanble funds theory) – von denen man sich Fragen muss, wie diese ohne Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes möglich sind. Vermutlich unterstellt der Klassiker Naturalersparnisse. Wenn das verliehene Kapital ein Brötchen ist und der Zinssatz 10% beträgt, dann bekommt also der Sparer zu einem späteren Zeitpunkt ein Brötchen plus ein zehntel Brötchen zurück.

Der mit dem Sayschen Gesetz eingeschmuggelte zirkuläre Trick (der in den Prämissen vorausgesetzten Konklusio) gestaltet sich im nächsten Schritt wie folgt:

Alles was – d. h. der Teil des Gesamteinkommens, der – nicht für den aktuellen Verbrauch benötigt wird, wird an Produzenten verliehen, die den für die nächste Periode geplanten Verbrauch vorbereiten/produzieren/gewährleisten.

Das ist das Saysche Gesetz intertemporal gewendet – sprich, so wie man in der Gegenwart Gewünschtes mit Gewünschtem in restloser Übereinstimmung austauscht (Rosenstrauß gegen Tontopf), so tauscht man auch heute Verliehenes (ein Brötchen) mit morgen Gewünschtem (ein Brötchen plus 10% eines Brötchens) in restloser Übereinstimmung aus.

Der Gleichgewichtszustand ist bereits definitorisch festgelegt; der Mechanismus, der zu ihm führen soll, wird nachgereicht unter Vortäuschung seiner Unentbehrlichkeit. Denn wenn voraussetzungsgemäß das heute Verliehene im Gleichgewicht zum morgen Gewünschten steht, dann ist der Zinssatz, der dieses Verhältnis in seinen möglichen Proportionen (2:3, 1:3 etc.) anzeigt, nicht Ursache für das Gleichgewicht, sondern lediglich arithmetischer Ausdruck eines bereits willkürlich bestimmten Sachverhalts.

Der gleichgewichtsbildende Mechanismus funktioniert wie folgt:

Sparer (Kreditgeber) bieten einen Teil ihres Einkommens Investoren (Kreditnehmern) an, sodass diese die ihnen für ihre Investitionsvorhaben fehlenden Mittel erhalten. Investoren erhöhen ihre Nachfrage nach verleihbaren Ersparnissen bis zu dem Punkt, an dem der Einsatz solcher Mittel für sie unerschwinglich wird, also nicht mehr durch den gewinnbringenden Absatz ihrer Produktion gedeckt wird. Sparer stellen entsprechende Mittel bereit, bis die hierfür erhaltene Entlohnung aus ihrer Sicht unzureichend ist. Genauer gesagt: Sie bieten verleihbare Ersparnisse heute in dem Maße an, als diese den von ihnen gewünschten künftigen Mehrverbrauch gewährleisten. Investoren erhöhen den ihren Kreditgebern versprochenen Mehrverbrauch (Zinsatz, Umtauschverhältnis von heute verliehenen Mitteln zu künftigem Mehrverbrauch), um einen größeren Umfang an Ersparnissen zu mobilisieren (im Rahmen ihrer Rentabilitätszwänge). Sparer  reduzieren ihre Forderungen nach künftigem Mehrverbrauch, um eine größere Menge an Ersparnissen bei Investoren platzieren zu können. So bewegen sich beide Seiten aufeinander zu. Gleichgewicht herrscht, wenn beide Zustände zugleich eintreten: Eine weitere Kreditaufnahme ist für Investoren nicht mehr lohnend/erschwinglich und eine weitere vorübergehende Überlassung von Ersparnissen an Investoren ist für Sparer nicht mehr erwünscht (weil der zukünftige Mehrverbrauch als zu gering/zu wenig erstrebenswert eingeschätzt wird)


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Was der Mechanismus nicht erklärt, ist genau das, was die (mehr oder weniger stillschweigende) Prämisse des Sayschen Gesetzes in die Konklusion der Theorie von den Gleichgewichtsmärkten hineineskamotiert: die Übereinstimmung von Produktion und effektiver Nachfrage. Will sagen, der Mechanismus kann nicht begründen, wie es dazu kommt, dass genau das produziert wird, was benötigt und infolge dessen auch gekauft wird.

Einen solchen Mechanismus gibt es nicht, zumindest wird er nicht von der klassischen Ökonomik angegeben/beschrieben.

Was das klassische Modell darstellt, ist der Punkt der größten Übereinstimmung zwischen dem Angebot an und der Nachfrage nach verleihbaren Ersparnissen – das Tauschverhältnis zwischen heute vorübergehend an Kreditnehmer überlassenen Ersparnissen und künftigem Mehrverbrauch als Entlohnung für Kreditgeber). Ein Prozess, anhand dessen glaubwürdig nachgewiesen werden kann, dass Gesamtnachfrage und Gesamtangebot an produzierten Waren übereinstimmen müssen, ist dem klassischen Modell mitnichten zu entnehmen.

In einer kleinen naturaltauschwirtschaftlich verfassten Gemeinschaft mag die Bedarfslage so transparent und das Produktangebot derartig überschaubar sein, dass die Tauschpartner sich auf eine exakte Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage vorab einigen können. Doch selbst in einer solchen Umgebung treten leicht Komplikationen und Unsicherheiten auf, die ein Gleichgewicht verhindern: Missverständnisse bei der Vertragsgestaltung, Irrtümer in der Bedarfseinschätzung und bei der Produktionsplanung, unvorhergesehene Ereignisse usw.

In einer komplexeren Wirtschaftsordnung stehen einer automatischen Übereinstimmung, wie sie das Saysche Gesetz vorsieht, zahllose Bedingungen entgegen.

Den Nachweis des Gesamtgleichgewichts bleibt uns die klassische Ökonomik damit schuldig. 

Sunday, 30 December 2018

Bag It (2) — How They Fool You with Plastic Bans

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Ökoverblödung, the dumbing down of the population by myths about "environmentally friendly acts of virtue" is part and parcel of contemporary culture — in fact, it has crowded out Christian faith in the West, ironically boosted by the Churches. 

It is characteristic of a faith-based ideology that vital evidence is ignored and overriden by magical thinking of a hollow, erratic, and contradictory kind. 

Unsurprisingly, whenever you look more closely at politically correct environmental projects, you discover incongruity.

An advantage today can be a disadvantage tomorrow. Especially, if it has been come by too easily.

Green propaganda is intent on and very successful at making it easy for everyone to to be politically and "environmentally" correct, in the train of which efforts the standards of assuring the quality of an argument have been ridiculously debased, so that the weight of contradictions is growing and will be approaching a critical mass at some stage.

"Cheap talk"-pantheism will always renew itself, but it collects cracks that may make a difference politically, in a welcome way, some day.

The below is excerpted from here:

I have in front of me a 120-page document issued by the UK’s Environment Agency in 2011, pithily entitled “Lifecycle assessment of supermarket carrier bags”. Starting off with the helpful explanation that “the main function of a carrier bag is to carry groceries and goods from the shop to the home”, the report rigorously analyses the environmental impacts of various forms of bag, from the then free lightweight disposable plastic bag to the heavier plastic bag (not then called “bag for life”) and those of entirely different composition, such as paper and cotton bags.
Taking into account the land, water and energy — hence carbon emissions — required in their manufacture, the Environment Agency concluded that a paper bag would have to be used three times before it could be regarded as more environmentally correct than a lightweight plastic bag used only once. In fact those plastic bags are typically reused — roughly 40% of them when they were free — as pedal bin liners. On that basis, said the report, a cotton bag would have to be used 173 times before its “global warming potential” dropped below that of each of those flimsy plastic bags.
In effect, by ignoring the analysis of its own Environment Agency, the government took the side of the viewers distressed by Attenborough’s programme, against those who take seriously the same man’s declaration, most recently at this month’s UN climate change conference in Katowice, Poland, that manmade global warming is the biggest threat to life as we know it.
In so doing, the current British government is definitely in tune with public opinion (and mine). Most people are more concerned with the here and now than what may or may not happen in a hundred or a thousand years’ time. And, by the way, they also want their government to take its own citizens’ wellbeing more seriously than what might happen “to the planet” at some unspecified point in the future.

Bag It (1) — How They Fool You With Plastic Bans

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The average political consumer has no concern for the environment, let alone the patience to do justice to environmental issues by studying them carefully. Instead, she is eager to recycle easy to digest magical stories satisfying her craving for safely concealed self-righteousness. Politics is happy to oblige by fostering and institutionalising the requisite lies — in return for political correctness.

The below was excerpted from here.


A couple of days ago, following new headlines about Britain’s growing and toxic plastic waste mountain,  we republished public health expert Mikko Paunio’s analysis of the causes of this crisis [which no one will read, as everyone knows the truth courtesey of the established media, IGTU].
Now a short film based on a report that he has written for the Global Warming Policy Foundation is available to view.
He shows that the EU’s green policy, regulations and efforts to recycle plastic are a major cause of the marine litter problem. Rather than solving problems they have just exported them. The EU’s policy is in fact one of illegal dumping disguised as recycling.
He goes on to set out the case for incinerating waste rather than trying to ban or recycle it.
It should be shown in every school as the basis for a proper debate on environmental policies as well as our own moral responsibilities – but I am not holding my breath.



New York Times, Der Spiegel, and Their School of Fish

Notice, the above illustration was featured in an 1894 issue of Puck magazine. Image credit.


I've been on about it for years.

In Germany, this is quite a scandal in media circles, because Der Spiegel is like their version of New York Times. That is, it positions itself as the official arbiter of truth, with regards to public morality. They not only decide what is true, they decide which truths can be said. Worse yet for them, they have been bragging about their fact checking for a long time. As a result of this tent pole toppling over, the German media is scrambling to convince everyone that it is an isolated incident, not a system failure. 
The amusing bit is the German media is rushing around looking puzzled, as to how the vaunted fact checking system could have failed. After all, the best people are in control of the media. How could the best people have made such basic errors? As is the case in America, whenever these things happen, the media hand-wringing is just a dodge. What really concerns them is how easy it was for two bumpkins from dirt country to sluice out the facts from the fiction in this particular article. 
That’s always the thing with these scandals. The media big shots always come off as if they have been insulted about their shenanigans being revealed. In this case, the other major media outfits are rallying to defend Der Spiegel. In the dreaded private sector, competitors are always quick to take advantage of the mistakes of a competitor. In the main stream media, the opposite is always true. They circle the wagons and begin lecturing the hoi polloi about the dangers of questioning the media. 
That is the real cause of these scandals. For a long time, the mass media in the West has been a mono-culture. You can’t have a career in the media if you don’t hold all the right opinions. To call the media an echo chamber for the left is to understate the problem. The better analogy is a school of fish. Each individual just reacts to those around him, giving the effect of the school having agency as a whole. What looks like collusion is just the result of a uniformity of mind, experience and social class. 
That’s why no one at Der Spiegel, or anywhere else in the German media, noticed the fraudulence of Claas Relotius. He was writing the things his coevals and superiors said at luncheons, cocktail parties and in the office. His story about slack-jawed yokels in the American heartland ticked all the boxes popular with the left-wing cultural outlook. He was not sent there to report on the place. He was sent there to confirm what his employers already knew about Middle American and Trump voters. 
This is why Western media is something worse than propaganda. The person hired by the state or hired by the corporate marketing department has self-awareness. They know their job is to polish the apple of their superiors. The tricks they employ to do that are done with a knowledge and forethought. The guy telling the public that his employer, the pesticide company, is deeply concerned about the environment does so knowing full well that no one believes him, including his family. 
The media is a different thing. They really believe their own nonsense. They think they are part of a special class of human, a priestly class that not only reports facts to the public, but provides moral instruction. The mass media is so intoxicated by their own self-righteousness, they lack the ability to question their own actions. [An attitude aped, internalised and rapturously  paraded by the politically correct German. Which explains the politisch korrekt vorauseilende Gehorsam of readers of Der Spiegel and Süddeutsche Zeitung and New York Times, who invoke these papers as sources of unassailable objectivity like my friend here; IGTU.] When Claas Relotius came back from the bush, reporting exactly what his bosses knew was the case, they had no reason to question it. It was too good to check.

The source.

Saturday, 29 December 2018

Der (falsche?) Kitzel der Ökonomie (6) – Die klassischen Wurzeln der modernen Wirtschaftstheorie – Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage

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Die nächste Frage, die die klassische Ökonomik zu klären hat, lautet: Wie sieht der gleichgewichtsbildende Prozess aus, der gewährleistet, dass das am Arbeitsmarkt erzielte Gleichgewicht, also die (Vollbeschäftigung bedeutende) Übereinstimmung zwischen dem Angebot an und der Nachfrage nach Arbeit, wiederum übereinfällt mit einem Gleichgewicht zwischen der auf Vollbeschäftigunsniveau erzeugten Ausbringungsmenge und der volkswirtschaftlichen Gesamtnachfrage, die benötigt wird, damit alles, was produziert worden ist, auch gewinnbringend abgesetzt werden kann, sodass die Vollbeschäftigung durch entsprechende Umsätze abgesichert ist?

Das am Arbeitsmarkt erzielte Gleichgewicht ergibt, wieviele Arbeitskräfte zur Verfügung stehen und wieviele von Abeitgeberseite her erwünscht sind. Die sogenannte Produktionsfunktion, der die Annahme eines abnehmenden Grenzertrags zugrunde liegt, beinhaltet, welche technischen Möglichkeiten bestehen, welche Verfahren und Werkzeuge/Maschinen einsetzbar sind, um den maximalen Output zu generieren. 

Die Arbeiter entscheiden, wieviel Arbeit angeboten wird, unter Abwägung ihrere relative Präferenzen für unentlohnet Freizeit und entlohnte Beschäftigung (Arbeitsangebot), die Arbeitgeber entscheiden, wieviel Arbeiter sie benötigen, um gewinnbringend zu produzieren (Nachfrage nach Arbeit); bei dieser Etscheidung berückischtigen die Arbeitnehmer das Profitmaximierungsprinzip, d.  h. sie weiten die Nachfrage nach Arbeit bis an den Punkt aus, wo der Grenzertrag des letzten eingestellten Arbeiters gerade noch zum Gewinn beiträgt. Außerdem berücksichtigen die Arbeitnehmer bei der Bestimmung der Nachfrage nach Arbeit die Produktionsfunktion, aus der hervorgeht, welche Ausbringsungsmenge bei gegebenem technischen Stand möglich ist.

Damit ergibt sich die unten abgebildete Korrespondenz von Produktions- und Beschäftigungsfunktion und die durch ihr Zusammenspiel bestimmte volkswirtschaftliche Gesamtproduktion(smenge).

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Y ist die volkswirtschaftliche Gesamtproduktion, W/P* steht für den Reallohn, NS bezeichnet das Arbeitsangebot, ND ist die Nachfrage nach Arbeit an und N* ist der Punkt, an dem Vollbeschäftigung herrscht.

Soll die Vollbeschäftigung auf Dauer Bestand haben, muss gewährleistet sein, dass die Gesamtproduktion vollständig abgesetzt wird, also Gesamtangebot an und Gesamtnachfrage nach dem wirtschaftlichen Ausstoß übereinstimmen.

Wie dies erreicht wird, erklärt die klassische Ökonomik mit ihrer Theorie von den ausleihbaren Mitteln, der sogenannten lonable funds theory, die wir im nächsten Post behandeln..



Thursday, 27 December 2018

Der (falsche?) Kitzel der Ökonomie (5) – Die klassischen Wurzeln der modernen Wirtschaftstheorie – Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage

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Im Schaubild (11.5) unten führen wir unsere Rekonstruktion der Nachfrage und des Angebots am Arbeitsmarkt – wie sie die Klassische Ökonomik wahrnimmt – zusammen. 

Das einfache Modell in 11.5 gibt die Vorstellung wider, die heute noch die Mehrheit der Ökonomen vom Arbeitsmarkt haben.

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Der Reallohn ist von W/P*, dem Punkt, an dem Vollbeschäftigung (N*) erreicht wird, auf W/P1 gestiegen, an dem das Beschäftigungsniveau ND1 beträgt. Das Angebot an Arbeit, NS, steigt wegen des höheren Preises bis zum Punkt B auf NS1. Demgegenüber verringert sich die Nachfrage nach Arbeit, ND, bis zum Punkt A auf ND1. Die horizontale Differenz B - A gibt an, um wieviel das Angebot die Nachfrage bei einem Reallohn von W/P1 übersteigt.

Angebot

Laut klassischer Ökonomik sind die Arbeiter bereit, das Angebot an Arbeit bis auf B = NS1 auszuweiten, weil der Preis der Freizeit (als Gegensatz zur Zeit, in der man arbeitet) gestiegen ist. Einer Stunde Freizeit entsprechen nun (gegenüber dem Gleichgewichtslohn) höhere Opportunitätskosten ausgedrückt im Arbeitslohn (und letzlich in der Menge an Güterns und Dienstleistungen, die mit diesem Lohn erwerben werden können). 

Eine Arbeiterin kann sich nun den dringend benötigten Gartenzaun leisten, der bei einem geringeren Reallohn für sie unerschwinglich ist. Würde sie Freizeit gegenüber Beschäftigung wählen, wäre der Preis ein heruntergekommener Gartenzaun und ein unzufriedener Hund, den sie nicht in den uneingezäunten Garten lassen kann. Also geht sie arbeiten, damit sie genug verdient, um den Gartenzaun zu erneuern und ihren Hund glücklich zu machen.

Nachfrage

Über den neuen, höheren Reallohn sind die Arbeitgeber aber unglücklich. Er reduziert das Grenzprodukt der Arbeit, also den Teil des von einer Arbeiterin erzeugten Ausstoßes, der sich gewinnbringenden verkaufen lässt. Konkret würde dies bedeuten, dass ein zusätzlich eingestellter Arbeiter, den Gewinn des Unternehmens schmälern würde. In Folge dessen ist der Unternehmer bestrebt, den niedrigeren Reallohn von W/P* durchzusetzen, an welchem Punkt, eine neu eingestellte Arbeiterin eine Grenzproduktivität erzielt, die ausreicht, um auf diesem Lohnniveau einen gewinnbringenden Beitrag zur absetzbaren Gesamtproduktion zu leisten. 

Nach Vorstellungen der klassischen Ökonomik besteht am Punkt A zwar Arbeitslosigkeit, doch nur vorübergehend, denn durch entsprechende Anpassung des Reallohns lassen sich recht bald wieder alle Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigen. Die Arbeiter müssen lediglich ihre Lohnforderungen mäßigen und schon herrscht wieder Vollbeschäftigung. Arbeiter, die diesen Weg nicht einschlagen, begeben sich freiwillig in die Arbeitslosigkeit. Anders gesagt: Das Phänomen unfreiwilliger Arbeitslosigkeit kennt die klassische Ökonomik nicht.

Umgekehrt: Befände sich der Reallohn unterhalb des Gleichgewichtsniveaus, an dem Vollbeschäftigung herrscht, stiege die Nachfrage nach Arbeit und damit ihr Preis, bis er das Niveau erreicht, an dem Vollbeschäftigung herrscht und jeder weitere Lohnanstieg zu freiwilliger Arbeitslosigkeit führen würde.

Wir haben also eine Situation, bei der Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt übereinstimmen. Das heißt,

  • es hat sich ein Reallohn eingespielt, bei dem 
  • alle Arbeiter Arbeit finden, indes zugleich 
  • die auf diesem Niveau technologischer Entwicklung, betrieblicher Ausstattung und der Löhne und sonstigen Kosten 
  • maximal mögliche Produktionsmenge 
  • unter Erfüllung der wichtigen Nebenbedingung profitablen Absatzes 


hergestellt wird.

Durch Erzielung des geeigneten Preises am Arbeitsmarkt stehen mindestens sechs Faktoren miteinander im Gleichgewicht: (1) das Lohnniveau und (2) der Wunsch nach Arbeit, (3) Kosten und (4) Profit, (5) technologische Möglichkeiten und (6) Produktionsmenge.

Damit stellt sich die Frage: Was sorgt dafür, dass diese 

  • bei gegebenen Stand der Technologie und der Ausstattung, 
  • bei Vollbeschäftigung und 
  • bei passendem Verhältnis von Kosten und Profit 


erzeugbare Produktionsmenge

tatschlich auch immer auf ausreichende Nachfrage trifft, also vollständig "abverkauft" werden kann?

Dazu bedarf es einer weiteren Theorie, die erklärt, wie sich das am Arbeitsmarkt erzielte Gleichgewicht mit dem Gleichgewicht verzahnt, das die benötigte Nachfrage nach dem erzeugten Ausstoß gewährleistet.



Tuesday, 25 December 2018

Der (falsche?) Kitzel der Ökonomie (4) – Die klassischen Wurzeln der modernen Wirtschaftstheorie – Die Nachfrage nach Arbeit

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Warum erkennen wir im untenstehenden Bild eine fallende Nachfragekurve (ND)? Gleich mehr dazu. Wo ND sich mit der steigenden Angebotskurve NS schneidet, besteht Vollbeschäftigung – alle, die Arbeit suchen, erhalten Arbeit von Arbeitgebern, die ihrerseits genau die Anzahl an Arbeitern einstellen können, die sie benötigen, um die Produktion bis zu dem Punkt auszuweiten, wo der Verkauf des Ausstoßes gerade noch zum Gewinn beiträgt.

Die Angebotskurve ist steigend, weil die klassische Ökonomik (KÖ), nach viel Hin und Her, letztlich dann doch davon ausgeht, dass Arbeiter desto eher bereit sind, ihre Arbeit anzubieten, je höher der Lohn ist. 

Das beinhaltet den bizarren Umkehrschluss, dass Arbeiter bei einem zu geringen Lohnniveau freiwillig die Beschäftigungslosigkeit wählen. Die wenigsten Lohnempfänger werden über genügend Mittel verfügen, um auf Arbeit zu verzichten, weil ihnen der Lohn zu gering erscheint – oder, wie die KÖ es ausdrückt: die Opportunitätskosten der Freizeit so niedrig sind, dass es rational ist, sich für Beschäftigungslosigkeit zu entscheiden, d. h. Freizeit der Arbeit vernünftigerweise vorzuziehen ist, weil sie verlockend günstig ist gemessen am Arbeitslohn, der um ihretwillen aufgegeben werden muss; vielmehr ist es doch so, dass einfach keine Arbeit angeboten wird. Arbeitslosigkeit ist für die meisten Menschen nicht das Ergebnis eines freiwilligen Wahlakts, sondern ein entsetzlicher, zutiefst unwillkommener Schicksalsschlag. Selbst wenn das Arbeiten nicht lohnt, weil der Aufwand in keinem annehmbaren Verhältnis zum Einkommen steht, ist die Entscheidung, seine Arbeit nicht anzubieten, in der Regel eine Notfallentscheidung oder besser gesagt, sie wird getroffen, weil einem keine andere Wahl bleibt und nicht, weil die Arbeiterin entdeckt, sie bevorzuge Freizeit gegenüber einer Lohntätigkeit.

Zurück zur Ursprungsfrage. Warum fällt die Nachfragekurve? Warum werden laut KÖ desto weniger Arbeiter eingestellt, je höher der Lohn ist?

Zwei Annahmen sorgen dafür. Im Fachchinesisch gesprochen: Profitmaximierung der Unternehmen bei abnehmender Grenzproduktivität.

Profitmaximierung bedeutet, dass Unternehmen ihre Produktion, ihre Absatzmenge, den Einkauf und Einsatz der benötigten Produktionsfaktoren (darunter natürlich auch Arbeit) nur bis zu dem Punkt ausweiten, an dem noch ein Gewinn übrig bleibt.

In ihrer Theorie der Arbeitsnachfrage geht die KÖ davon aus, dass alle Produktionsfaktoren außer der Arbeit, zumindest auf kurze Sicht fixiert und unveränderlich sind

Abnehmende Grenzproduktivität bedeutet in diesem Zusammenhang: Jede zusätzliche Einheit Arbeit leistet einen abnehmenden Beitrag zum Produktionsausstoß. Je mehr Arbeiter eingestellt werden, desto geringer der Beitrag, den sie zum Gewinn beisteuern. An dem Punkt, wo dieser Beitrag auf null fällt, gibt es keinen Grund mehr, zusätzliche Arbeiter einzustellen.

Die Annahme abnehmender Grenzproduktivität sorgt also dafür, dass die Nachfragekurve fällt, sprich: nur dann zusätzliche Arbeiter eingestellt werden, wenn deren Lohn in gleichem Maße wie das  von ihnen geschaffene Grenzprodukt abnimmt. Jeder zusätzliche Arbeiter bekommt einen noch niedrigeren Lohn als sein Vorgänger, da seine Grenzproduktivität gegenüber der des Vorgängers abnimmt.

Die Annahme abnehmender Grenzproduktivität ist in dieser Form freilich fragwürdig. Sie scheint aus einer Zeit zu stammen, als Land der wichtigste Produktionsfaktor war, das sich zumindest damals tatsächlich durch abnehmende Grenzproduktivität auszeichnete – ebenso wie die Arbeitskraft der Landarbeiter, deren Produktivität von der des Bodens abhängig war.

Der Preis, zu dem Vollbeschäftigung möglich ist (N*), der Preis, bei dem Arbeitnehmer freiwillig ihre Arbeitskraft anbieten und Arbeitgeber das Arbeitsangebot vollständig absorbieren, ist gegeben durch den Punkt (W/P*), an dem der Reallohn dem Grenzprodukt entspricht.

Natürlich ist es nicht richtig, dass der Reallohn, wie es die KÖ hier unterstellt, quasi ex ante am Arbeitsmarkt ausgehandelt wird. Wieviele reale Waren und Diuenstleistungen sich die Arbeiterin von ihrem mit dem Arbeitgeber vereinbarten Nominallohn dann wirklich leisten kann zeigt sich erst später, wenn die anderen Wirtschaftsteilnhemer ihre Preisentscheidungen getroffen haben sie ihr Geld an den Mann bringt.

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Ein Unternehmen zahlt dem letzten zusätzlich eingestellten Arbeiter einen Lohn W, der die Kosten seines Produktionsbeitrags deckt und überdies eine Gewinnmarge ermöglicht: VMP (Wert des Grenzprodukts). Das Grenzprodukt oder der Grenzertrag, wie man auch sagt, ergeben also folgenden Zusammenhang:

W = VMP = PxMP

Der Lohn W entspricht dem Wert des Grenzprodukts – VMP – und der entspricht dem Produkt des Preises jeder Einheit, die zum Grenzertrag am Markt abgesetzt werden kann.

W = PxMP 

lässt sich wie folgt umformen:

W/P = MP

Angebots- und Nachfragekurve bestimmen den Reallohn, zu dem Vollbeschäftigung möglich wird. Dieser Gleichgewichtspunkt impliziert auch das Produktionsvolumen, das sich aus der Produktionsfunktion ableiten lässt, also: die Produktionsmenge, die sich bei gegebener Technologie, Kapitalausstattung etc. zu diesem Lohn- und Beschäftigungsniveau realisieren lässt.


Der (falsche?) Kitzel der Ökonomie (3) – Die klassischen Wurzeln der modernen Wirtschaftstheorie – Das Angebot an Arbeit

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Fortgesetzt von hier.


Vor Keynes dominierte die klassische Ökonomik (KÖ) das akademische ("wissenschaftliche") Bild von der Wirtschaft. Deren Theorie des Beschäftigungsniveaus kannte so etwas wie unfreiwillige Arbeitslosigkeit nicht. Solange sich der Preis der Arbeit frei bewegen kann, wird sich laut KÖ immer ein Gleichgewicht in der Wirtschaft einstellen, bei dem die Nachfrage nach und das Angebot an Arbeit übereinstimmen.

Aus Sicht der KÖ konnte man demnach die Massenarbeitslosigkeit der 1930er Jahre nur damit erklären, dass der Preis der Arbeit (Löhne) durch illegitime Eingriffe in die Wirtschaft (gewerkschaftlichen Widerstand etc.) daran gehindert wurde, sich gleichgewichtsbildend anzupassen. Würden die Löhne nur ausreichend gesenkt, stünden bald alle wieder in Brot und Lohn.

Das Gleichgewicht im Arbeitsmarkt (Vollbeschäftigung) hängt laut KÖ ab vom 

  • Angebot an Arbeit (NS), wofür KÖ eine eigene Theorie der Güterabwägung aus Sicht der Lohnempfänger hat, und von der 


  • Nachfrage nach Arbeit (ND), wofür KÖ ebenfalls eine eigene Theorie der Güterabwägung aus Unternehmersicht hat.


Die Theorie vom Arbeitsangebot (NS) besagt, dass Arbeiter die Vorteile der Beschäftigung gegen ihre Nachteile abwägen. Diese Sichtweise der KÖ ist insofern von besonderem Interesse, als sie den Schlüssel dafür liefert, warum unfreiwillige Beschäftigungslosigkeit nach ihrer Auffassung nicht existieren kann. Wer arbeitslos ist, hat sich freiwillig für diesen Zustand entschieden.

Der Arbeiter kalkuliert also unentwegt das Verhältnis, in dem die Vorteile der Beschäftigung (Arbeitsleid und der Vorteil der Arbeit, nämlich die Einkommensbeschaffung) zu den Vorteilen der Freizeit stehen. Je höher der Lohn, desto teurer wird die Freizeit (steigende Opportunitätskosten der Freizeit ausgedrückt im Lohn bzw. dem realen Gegenwert dieses Lohns an Waren und Dienstleistungen).  

Die Arbeitsmarkttheorie der KÖ ist kompliziert und widersprüchlich. Nicht nur postuliert sie, dass Arbeiter auf ein niedriges Lohnniveau mit freiweilliger Arbeitslosigkeit reagieren. Auch vermischt sie in unklarer Weise zwei gegenläufige Effekte, den sogenannten Substitutions- und den sogenannten Einkommenseffekt. 

Aus der Perspektive des Substitutionseffekts wird der Reallohn durch das sogenannte Nachfragegesetz bestimmt, wonach desto mehr von einem Gut nachgefragt wird, desto günstiger sein Angebotspreis ist. Je höher die Löhne, desto weniger Freizeit muss für die Vorteile entlohnter Beschäftigung geopfert werden – oder umgekehrt: der Preis der Freizeit (des Verzichts auf entlohnte Beschäftigung) ist umso höher, je höher das Lohneinkommen (die erwerbbaren Vorteile aus entlohnter Arbeit), das einem bei Beschäftigungslosigkeit entgeht.

Nun gibt es aber auch die Theorie der normalen und der inferioren Güter. Normale Güter sind solche, von denen umso mehr nachgefragt wird, je höher das Einkommensniveau ist (je reicher die Menschen, desto größer die Nachfrage nach Porsche-Sportwagen) – die Nachfrage nach inferioren Gütern lässt mit steigendem Einkommen nach (je reicher die Menschen, desto geringer ihre Nachfrage nach billigen Brötchen aus dem Supermarkt im Vergleich zu Premium-Brötchen vom Bäcker).  

Aus der Perspektive des Einkommenseffekts ist Freizeit ein normales Gut, je mehr die Menschen verdienen, desto größer ist ihre Nachfrage nach diesem "Produkt".

Also gemäß Substitutionseffekt werden die Menschen mehr Arbeit anbieten/wählen, je höher der Lohn. Gemäß Einkommenseffekt werden sie aufgrund ihres höheren Einkommens mehr Freizeit und weniger (Gelegenheit, Geld zu verdienen mit) Arbeit nachfragen.

Unterm Strich aber entscheidet sich die KÖ dann doch für eine ansteigende Angebotskurve der Arbeit, d. h. die Bereitschaft zu arbeiten steigt mit dem Lohnniveau

An dem Punkt, wo die ansteigende Angebotskurve (NS) sich mit der fallenden Nachfragekurve (ND) schneidet, befindet sich der Arbeitsmarkt im Gleichgewicht: Alle, die arbeiten wollen, werden vom Markt absorbiert. Die Unternehmen wiederum sind in der Lage, genau die Anzahl an Arbeitern einzustellen, die sie benötigen, um gewinnbringend zu produzieren.

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Nachdem wir gesehen haben, wie sich die KÖ das Zustandekommen des Angebots an Arbeit vorstellt, wollen wir uns nun die andere Seite der Gleichgewichtsgleichung ansehen und also erfahren, was aus klassischer Sicht die Nachfrage nach Arbeit bestimmt.

Während sich uns die Pointe noch nicht offenbart, dass nämlich Arbeitslosigkeit auch bei vollkommen flexiblen Preisen entstehen kann, sollte man sich doch merken, dass die dargelegte Theorie vom Arbeitsangebot, insbesondere die Vorstellung, dass Arbeiter Arbeitslosigkeit freiwillig in Kauf nehmen im Sinne einer rationalen Abwägungsentscheidung, allen Theorien und Modellen (unausgesprochen und den Anwendern meist auch nicht bekannt oder erinnerlich) zugrundeliegt, mit denen uns die Angebotsökonomie noch heute wirtschaftspolitisch zu überzeugen versucht.

Und überhaupt: das Ganze wirkt ein wenig gesteltzt, nicht wahr?

Man kann sich leicht ausmalen, wie sich wohlhabende Liebhaber des Fachs fernab von der Realität der meisten Menschen, dem Ehrgeiz hingaben, eine neue exakte Wissenschaft ins Leben zur rufen.

Fortgesetzt hier.

Monday, 24 December 2018

Kalecki on High Wages — High Employment, Low Wages — Low Employment

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Why has economics split up into microeconomics and macroeconomics. Because it was discovered that what is true for an element, even all elements, of a system may not be true for the system. The need for a field of study separate from microeconomics became clear in the face of fallacies of composition such as these two:

The paradox of thrift: If I save a lot, I will become more wealthy. If everyone saves a lot, all will become less wealthy. For aggregate demand will sink, companies will sell less, have poorer prospects, reduce investment and employment. Everyone's income is lower; there is less money to be saved. 

The paradox of high wages leading to high employment: If everyone including wage earners have a higher income, more will be spent, companies sell more, invest more, employ more at higher wages — if part of the growth in productivity is passed on to wage earners whose higher propensity to spent (than the very rich) helps boost aggregate (effective) demand. 

Writes Ramanan:

… a wage rise showing an increase in the power of the trade unions leads-contrary to the precepts of classical economics-to an increase in employment. Conversely, a fall in wages showing a weakening in their bargaining power leads to a decline in employment. The weakness of trade unions in a depression manifested in permitting wage cuts contributes to the deepening of unemployment rather than to relieving it. 
– Michal Kalecki, 1971 in Class Struggle And The Distribution Of National Income, in Collected Works Of Michal Kalecki, Volume II. Capitalism: Economic Dynamics,